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fragte sich CattoN, nun, da mußte sie jetzt mit ihm fürlieb nehmen. Joe grinste Bei diesem absonderlichen Gedanken.
Ohne Weiteres klopste er mit kräftigen Schlägen an die Thür, was er zweimal wiederholen mußte, bis eins der erleuchteten Fenster im ersten Stock geöffnet wurde.
„Wer ist da?" rief eine weibliche Stimme, „Du bist es doch nicht schon, Onkel?"
„Nein, meine gnädige Lady, ich bin es nur, Joe Catton —0
„Wie könnt Ihr Euch unterstehen, hier solchen Lärm zu schlagen, unverschämter Mensch?"
„Mein Herr liegt draußen am Grenzteich, da« Pferd wird ihn abgeworfen haben, er ist bewußtlos —"
„Von wem sprecht Ihr?"
„Vom jungen Herrn von Alting, er wollte noch hierher, meine Ladyl"
Das Fenster wurde zugeschlagen, Joe hörte, wie drinnen heftig die Glocke gezogen wurde. Nach kaum zwei Minuten stand er vor Ebba Regina, der er einem kurzen Bericht ab» stattete, während sie kalt und ruhig dem Diener und einer Dienstmagd ihre Befehle ertheilte.
In kurzer Zeit standen mehrere Knechte bereit, den Verunglückten auf einer mit Decken und Kiffen belegten Bahre herzubringen. Joe Catton mußte den Zug begleiten und der Diener mit einem Telegramm nach der Station fahren, um den Arzt aus dem nahen Flecken herzubeordern und ihn dort mit dem Wagen zu erwarten.
Wo Ebba Regina befahl, da ging Alles wie am Schnürchen. Als man John Alting, der noch immer kein Lebenszeichen von sich gab, in’s Herrenhaus trug, hatte die junge Dame ihn an der Schwelle empfangen, ohne bei feinem Anblick mit der Wimper zu zucken.
„Eine ganze Lady!" dachte Joe Catton, von aufrichtiger Bewunderung erfüllt, „die paßt für John Alting, als wäre sie eigens für ihn geschaffen worden- Na, die wird Dich schon herauskuriren und Dir die fehlende Vernunft beibringen, old boyl"
Ebba Regina stand vor dem Bett, auf das der Verunglückte hingestreckt worden war und betrachtete ihn aufmerksam, wobei ihre Gedanken kein Haarbreit von ihrer logischen Bahn abwichen. Eine hellbrennende Lampe warf ihr Licht auf das weiße unbewegliche Gesicht des jungen Mannes, das jetzt eine klassische Schönheit besaß, welche durch die wildflackernden Augen nicht mehr beeinträchtigt wurde.
„Du mußt noch ganz anders werden, Hans Joachim," sprach sie halblaut, „die Wildheit hat Dich in den Sand gestreckt, Dich, den Unbesiegbaren!"
Plötzlich schien sie von einem Gedanken erschreckt zu werden. Das Duell! — Wie würde sich der adelige Gegner freuen, so leichten Kaufs davon zu kommen und ihn vielleicht gar hinterrücks der Feigheit bezichtigen. — Nein, das ging nicht an, er war sicherlich nur zu hart aufgeschlagen und davon bewußtlos geworden. Brauchte ste unthättg zu bleiben? — Sie besaß ja genug belebende Essenzen, um die Ohnmacht zu bannen.
Ebba Regina machte sich energisch ans Werk, aber auch ihre Effenzen halfen so wenig wie Joe Cattons Cognac.
War er verwundet? — Sie hob vorsichtig sein Haupt und konnte einen leisen Schreckensschrei nicht unterdrücken. Ja, dieses willensstarke Weib, das dem Gefühle niemals eine Macht über sich eingeräumt, bebte wie im Fieber und mußte sich Gewalt anthun, um das Haupt des Mannes wieder sanft niedersinken zu lassen. Sie hatte eine Wunde gesehen, so schrecklich, so grauenhaft, daß Thränen ihren Blick verdunkelten, Thränen, die ungehindert ihre Wangen netzten, und die sie bei Anderen stets verspottet und verlacht hatte.
Siebte sie ihn jetzt erst, den schönen Alting, nun er so bleich und still vor ihr lag? — Es schien so; wer kann ein Frauenherz ergründen? — Der furchtbare Gedanke, daß er ihr durch den Tod entriffen werden könnte, durchzuckte ihr Herz wie ein electrischer Schlag, wie die Empfindung körperlicher Schmerzen.
Die stolze Ebba Regina sank auf die Kniee utu bedeckte seine schlaff herabhängende Hand mit Küssen.
„Du darfst nicht sterben, mein Geliebter," schluchzte sie fassungslos, als hätte urplötzlich eine fremde Macht über sie Gewalt erhalten. „Ich liebe Dich, Hans Joachim, und wärest Du kein Alting, fondern ein namenloser, abenteuerlicher Betrüger, ich würde Dich auch dann noch lieben."
Der wilde John hörte diese Worte nicht, die ihn sonst wohl in einen Glücksrausch versetzt hätten. Ebba Regina aber erhob sich müde, als ob eine Last auf ihr läge und sank in einen Sessel, den Blick unverwandt auf das bleiche Gesicht des Geliebten gerichtet.
Plötzlich hob sie das Haupt und lauschte, ein Wagen rollte vor die breite Freitreppe- — Sie warf einen Blick auf die Stutzuhr und erschrak. Melwig hatte am Abend tele« graphirt, daß er mit dem Nachtzuge heimkehrte, also ein Wagen rechtzeitig auf der Station halten solle. Jetzt war's schon zu spät, der Zug längst vorüber, wie hatte sie das nur vergessen können. Oder, war er vielleicht mit dem Arzt gekommen, der ja mit diesem selben Zuge hatte fahren müssen? Es war ihr, als habe sie Blei in den Gliedern, als sie sich erheben wollte, um sich selber davon zu überzeugen. In diesem Augenblick wurde aber die Thür schon geöffnet und der Arzt trat ein, von Melwig, der sehr erregt schien, gefolgt.
„Gottlob, daß Du da bist, Onkel!" sagte Ebba Regina, nachdem sie die tiefe Verbeugung des Arztes mit einem Kopfnicken erwidert hatte, sich mühsam erhebend.
(Fortsetzung folgt.)
Wodurch wird die künstliche Beleuchtung gesundheitsschädlich?
Von Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
Am wenigsten braucht heutzutage über die geringe Helligkeit der Lampen geklagt zu werden. Ist dies aber wegen falsch angebrachter Sparsamkeit der Fall, so helfe man diesem für die Augen höchst nachtheiligen Zustande durch mehr Lichtquellen schleunigst ab- Denn bei ungenügender Beleuchtung müssen wir uns den Gegenständen, z. B. einem Buche, mehr nähern, um sie zu erkennen, und durch nichts wird die Kurzsichtigkeit in höherem Grade begünstigt, als durch andauernde« Nahesehen. Auch ist es eine uralte Erfahrung, daß wir unsere Augenmuskeln beim Lesen, Schreiben u. s. w. um so mehr avstrengen, je schlechter die Beleuchtung ist. Nun haben aber viele Tausende von Untersuchungen an Schüleraugen durch Professor H. Cohn in Breslau ergeben, daß mit dieser zunehmenden Anstrengung die Zahl der Kurzsichtigen und der Grad der Kurzsichtigkeit bedeutend steigt. Und daß die Kurzsichtigkeit nicht nur ein unangenehmes Gebrechen, sondern auch in ihren weiteren Folgen bei höheren Graden, eine wirklich ernsthafte Krankheit ist, da sie zu Augentrübungen, Blutung und Ablösung der Netzhaut führen kann, lernen leider viele an sich selbst erkennen. Daher stellt die Gesundheitslehre die Forderung, daß selbst bei den besten Gas- und Petroleumlampen da« Buch beim Lesen und Schreiben nicht weiter al« einen halben Meter von der Lampe entfernt fein soll. Möchten die« doch alle Eltern beherzigen und ihren Kindern für da« Anfertigen der häuslichen Arbeiten möglichst reichliche Beleuchtung verschaffen, sie mit Licht geradezu überschwemmen. Dr. Javel sagt: »II n’i a donc jamais trop, il n’y a jamais assez de lumidre artificielle.“ (Man kann nie zuviel, man kann sogar nie genug Beleuchtung haben.)
Eine sehr nachtheilige Wirkung übt das zuckende Licht aus. Wenn eine Flamme zuckt, so wechselt die Beleuchtungsintensität außerordentlich schnell; unsere Netzhaut ist aber um so empfindlicher gegen Lichtunterschiede, je greller und rascher dieselben sind. Ich erinnere an die höchst lästige Empfindung, die wir haben, wenn wir an einem Staketenzaun vorübergehen, der von der Sonne beschienen wird. Man weiß auch allgemein, wie unangenehm blendend es ist, wenn am Abend nach


