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effen versäumen-" ,

Und wieder trägt da» leichte Gefährt sie weiter, das schattige Berggelände hinunter, .durch stille Gründe, in denen muntere Quellen sprudeln, von Myrten, Oleander- und Granatbüschen umsäumt. Tiefer noch, wo der Weg zum See führt, springen lachende Kinder den Fahrenden entgegen, Blumensträuße und Lotusfrüchte zum Kaufe bietend.

Der Profeffor und Wolf nehmen ihnen eine Anzahl ab. Wolf steckt selbst ein Sträußchen an Ilses Brust, es ist eine der ersten Aufmerksamkeiten, die er ihr erweist und die sie innerlich erzittern macht. In Wahrheit steigt es warm in Wolfs Herzen auf, als er sieht, wie die sanften Züge Ilses in Verklärung beim Anschauen all' dieser Schönheit leuchten. So viel ist er ihr ja an Dank schuldig. Vielleicht wäre er ohne sie gar nicht im Stande, das Alles zu sehen I gehen.'

hinausziehend. t m

Lasten Sie uns fortgehen von hier!" ruft er dem Pro-

f ffUm Himmelswillen, was haben Sie?" fragt dieser

von ihren Lippen.

Wolf Baron von Menzelen!"

Es ist ihre Stimme; sie ist es, Adeline, und nun hebt sie, wie Kühlung suchend, den Schleier und er sieht einen Moment in ein paar rehbraune, bittende Augen, Augen, die ihn schon einmal berückt haben, die ihm zum Verderben geworden sind.

Mit brüsker Bewegung dreht er sich um und faßt Ilses Arm, die ihm mit dem Profeflor gefolgt ist, sie mit sich

erstaunt. , c ...

Nichts, der Dunst des Weihrauchs; es wird vorüber­

und zu genießen. Er sagt sich !das täglich und sucht sich hl das stille, ruhige Leben an ihrer Seite hinein zu gewöhnen. Wenn nur das heiße, verlangende Blut mit der zunehmenden Gesundheit nicht wieder so begehrlich in ihm aufwallte!

Kleine Häuschen, von Gärten umgeben, leuchten zur Seite auf. Weiße Lämmer grasen dort unter schattigen Olivenbäumen. , ,

Am Ufer des hylläischen Sees, vor einem schmalen Land­streifen, der das kleine Eiland mit dem Kloster Vlacherena und dem Festlande verbindet, hält der Wagen neben mehreren anderen.

Die gute Athanasia hat schon Besuch," ruft der Pro- feffor, eiligst aus dem Wagen springend.Sie werden da ein Unicum kennen lernen," wendet er sich zu den hinter ihm Herschreitenden, denn man kann nur im Gänsemarsch die Landzunge passiren.Ein Kloster, das so klein ist, daß nur eine einzige Nonne darin Platz hat, die zugleich Priesterin, Hausverwalterin und Herzensvertrauts aller Frauen und Jungfrauen der Umgegend ist, dis gern zu ihr gepilgert kommen, I um ihr nicht allein zu beichten, sondern auch Rath und Hilfe von ihr erbitten. Eine merkwürdige Alte, die weit und breit geliebt und geschätzt wird. Sehen Sie nur, wie sie heute umringt ist von jungen, hübschen Mädchen, die ihr Helsen, ihr Kirchlein zum Fest mit Myrten zu schmücken?

Mit freundlichem Gruße tritt die alte Nonne den Neu­angekommenen entgegen. In der That, eine merkwürdige Alte. Welch' mildes Antlitz! Menschenliebe und Lebensfreude sprechen aus diesen edelgeformten Zügen von echt griechischem Typus, in denen die zahlreichen Falten und Runzeln dis einstige Schönheit nicht zu verwischen vermögen.

Wie glücklich," denkt Ilse,wer so wie diese Nonne alt werden kann, so in treuem Schaffen, ohne Groll, ohne Wünsche und Begehren, nur der Liebe waltend, im Dienste

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Der Professor macht sie auf den Kirchhof aufmerksam, der dicht neben dem kleinen Häuschen der Nonne liegt, ebenso klein wie Kirche und Kloster selbst.

Hier wird sie ruhen, die gute Alte, neben ihren Vor­gängerinnen, ein einziger Stein trägt die Namen Aller; noch ist Platz für einige, die nach Athanasia ihres Amtes hier in dem meerumrauschten Eiland walten werden. Ist er gefüllt, so wird ein zweiter aufgerichtet, bis dereinst vielleicht das Meer kommt und Alles wegspült, Haus und Kirche und Stein."

Wolf ist vorangegangen nach der Capelle. Eine Anzahl von Fremden, Inhaber der vor der Landenge wartenden Wagen, die, anders als Wolf, zuerst das Mönchskloster be­sucht haben und deshalb schon auf dem Rückwege begriffen sind, beschäftigen sich eben damit, bunte Osterkerzen vor dem Bilde der heiligen Pulcheria, der Schutzpatronin des Klosters, anzuzünden. , ,r ,r

Zwei Damen sind darunter in grauen Reisekleidern, mit dichten, blauen Schleiern vor dem Gesicht, deren Gestalten Wolf auffallen. Etwas in den Bewegungen der Einen erinnert ihn ziemlich erregend an Adeline. Unruhig tritt er ihr näher, : nun wendet sie ihm ihr Antlitz zu, ein leiser Schrei löst sich

kicher Stimmung, Griechen und Albanesen itt ihren Feier- i

Neidern, Männer mit dunklen, verbrannten Gesichtern, in .

Weißen, faltigen Ueberröcken mit Gamaschen und Schnabel­schuhen, den rothen Fez auf dem schwarzlockigen Haa^ stolz einherschreitend, sorglos und vornehm wie antike Helden, Frauen in prächtigen, goldgestickten Gewändern, Ketten von Silbermünzen um den Hals, Mieder und Schuhe roth mit Gold gestickt, um den Kopf ein feines, gelbliches Schleier­gewebe, unter dem gvldene Münzen auf die schmale, gebräunte

^ch,^Du"schöne Insel, daß ich Dich so bald verlassen muß!" rief der Professor, dessen Urlaub mit dem Beginn des neuen Semesters erlosch, emphatisch aus.Sehen Sie nur dort! Ist es nicht, als ob die antiken Chöre, die einst zu den Eleusinnen sich um den Altar des Bacchus schlangen, wieder lebendig geworden wären? Haben Sie je etwas Schöneres gesehen, lieber Baron, als die Augen dieser Frauen? Die sammetbraune Farbe, der edle, mandelförmige Schnitt und der von dunklen Wimpern halb verschleierte Blick, die feingezeich­neten Brauen, die die"Alten Bogen des Eros nannten. Ach, gnädigste Frau, halten Sie das Herz Ihres Gemahls fest, hier könnte es wirklich in ernste Gefahr gsrathen."

Ueber Ilses Züge huschte ein trübes Lächeln. «Kann man verlieren, was man nie besessen hat?" tönte es in ihr. Ach, baß sie eifersüchtig fein dürste I

Man fuhr die von den Engländern angelegte schöne Via Marina entlang, durch die venezianischen Bastionen nach der Villa Reale und weiter an den entzückenden Villen vorbei, die dort vornehme Griechen und reiche Ausländer errichtet haben, alle von blühender Rosenpracht, von Erikabäumen, Orangen und Palmen umgeben. Dann hinauf nach dem kleinen, anmuthigen Weiler Hagia Analipsis mit seinen präch­tigen Olivenhainen.

Hier bewegen sich fröhliche Gruppen, bekränzte Jünglings und Jungfräuen Arm in Arm beim Klangs einer Flöte dahin- fchreitend, dort drehen sich kräftige Männergestalten im Tanze, das lockige, schwarze Haar bacchantisch im Winde flatternd, geborene Ballettänzer, an Grazie ihre geschulten Collegen bei un» weit übertreffend.

Tief unten zwischen dunklen Höhenzügen blinkt der Hyl- kätsche See auf, dahinter das Meer und die Berge von Epirus, von Duft umfchleiert, ein Bild von so berückendem Reiz, wie es wenige in Europa giebt.

Schweigend schauen Wolf und Ilse von der Anhöhe, auf die sie der Professor geführt hat, darauf hinab. Dieser selbst trippelt aufgeregt hin und her und immer wieder stößt er die Frage hervor:Run, habe ich zu viel gesagt? Ist das nicht der richtige Hintergrund für die herrliche Odyssee ? Und wenn die Gelehrten auch noch daran zweifeln wollen, daß dieses die Phäakeninsel gewesen ist, wo Osyffeus landete, vermag irgend eine andere der jonischen Inseln den Dichtertraum Homers so zu verwirklichen, wie dieses wundervolle Eiland? Sehen Sie dort, wo der See nach dem Meere zu sich öffnet, jene jäh emporsteigenden schmalen Klippen. Dort stehen die beiden Klöster, zu denen ich Sie führen will, das eine ein Nonnen-, das andere ein Mönchskloster. Doch brechen wir auf, damit wir nicht zu spät dorthin kommen und daheim das Mittag-