— 228 -*•
wenn Du die Kleine aber als Spielzeug nehmen willst, ohne weitere Eonsequenzen, soll er mir recht sein."
Dora besorgte nun eine Kinderausstattung für Lenchen Meyer und ließ sogar die Puppe nicht fehlen. Aber leider war Frau Meyer nicht zu einer Trennung von ihrem Töchterchen zu bewegen. Trotzdem sie anscheinend tief leidend war, erklärte sie bestimmt, sich nicht von dem Kinde trennen zu wollen. Betrübten Herzens theitte Dora dem Gatten die Nachricht mit-
„Ich habe Zeit in Ueberfluß, oft will der Tag nicht enden," sagte die junge Frau mit schlecht verhaltenem Gähnen.
„Ja, es ist recht einsam hier!"
„Du möchtest lieber viel Gesellschaft sehen? Mir scheint auch, daß Du ein Recht darauf hast. Ich bin bequem geworden als Junggeselle. Ja, es taugt wirklich nichts, erst mit vierzig Jahren zu heirathsn — noch dazu eine Frau wie Dich- Woher ich nur den Muth genommen habe?"
Als Antwort schmiegte sich Dora an den Gatten mit wirklich fraulicher Zärtlichkeit. Sonst geschah es gewöhnlich mit kindlicher Neckerei.
„Apropos, Frau, wir haben auch einen neuen Gutr- nachbar bekommen."
„Wer ist es?"
„Der alte Mülverstedt, der Sonderling, hat seinen Besitz einem Neffen aus einer Seitenlinie vermacht, der kürzlich an» gekommen ist. Ich sprach den Inspektor des Gutes . . .
In diesem Augenblick überreichte der Diener eine Karte. Wülpern las: „Lieutenant von Mülverstedt auf Mülverstedt." „Wahrhaftig, Dorschen, da ist unser neuer Gutsnachbar schon als Wolf, von dem man spricht! Willkommen!" setzte er aufstehend hinzu, um dem Gaste entgegenzugehen.
Dora bedauerte einen Augenblick, im Hauskleids zu fein, ohne Ahnung, wie herrlich die dunkle, genau „im Loth sitzende" Robe ihre anmuthvolle Schönheit zur Geltung brachte. Zu einem Toilettsnwechfel wäre es auch zu spät gewesen , denn Lieutenant von Mülverstedt trat schon ein.
Ein Aufblick, ein gegenseitiges freudiges Erschrecken — und man hatte sich wiedererkannt al» einstige Reisegefährten. Der Gast schien sogar die Eisenbahnfahrt vor zwei Jahren noch weniger vergessen zu haben als Dora, für welche sich die Ereignisse zusammengedrängt hatten. Aber er schien nicht recht zu wissen, ob er sie daran erinnern dürfe. Sie kam ihm zuvor mit lautem Lachen.
„Freilich — wir sind alte Bekannte 1 Glauben Sie, daß mein Gedächtniß so kurz ist ober daß ich die Begegnung vergeffen will? Behüte! O, es war reizend!"
Dann theilte sie dem Gatten die Begegnung auf ihrer letzten Mädchenreise mit, damals, als sie von Tante Bertha gekommen war.
„Ich Habs also das Glück, in dem gnädigen Fräulein, pardon, in der gnädigen Frau meine nächste Nachbarin zu begrüßen? Almenhausen und Mülverstedt stoßen hart zusammen . . ."
„Auch ich bin überrascht und erfreut!" gestand Dora jetzt ein.
„Solche Gunst des Schicksals habe ich keineswegs erwartet! Ich bin meinem alten, griesgrämigen Onkel nun doppelt dankbar, daß er sich meines Namens und meiner Schulden erinnert hat!" fuhr Lieutenant von Mülverstedt lachend fort, indem er die weiße, kräftige Hand ehrfurchtsvoll küßte, die ihm Dora entgegenstreckte gleich einem alten Freunde. (Fortsetzung folgt.)
GsinsrnnÄtziges.
Die Zwiebel enthält viel Nährkraft, reizt die Nerven bet Verdauung an, regt die Darmbewegung und die Absonderungen an, wirkt blähungs» und urintreibend und be
fördert die Thätigkeit der Schleimhäute. In Uebermaß genoffen, wird sie aber schädlich. Fetten, schlaffen und phlegmatischen Personen bekommt sie bester al» reizbaren, mageren und schwächlichen. Die Zwiebel wird auch zu allerlei Euren, gegen Husten, Brustschmerzen, Bienen- und Ins ctenstiche, Nasenbluten u. s w. benutzt und im Orient soll sie schon seit Jahrtausenden auch gegen das Ausfallen der Haare Verwendung finden-
♦
Eine sorgfältige Pflege der Haut verlanget» auch die Ziegen. Allerdings darf hierbei nicht der bekannte Kuhstriegel oder ähnliche scharfe Instrumente angewendet werden, um den Thieren nicht ohne jNoth Schmerzen zu bereiten. Ja den meisten Fällen genügen eine gute Bürste und ein Kamm zur Reinhaltung der Haut von Schmutz und Staub, besonders wenn die Reinigung regelmäßig geschieht. Erleichtert wird die Hautpflege der Ziege durch sorgfältiges Reinhalten des Stalles, durch trockene«, reines Lager und eine frische, gesunde, durch zweckentsprechende Ventilation stets erneute Stallluft. Auch bei Ziegen unterstützt die Hautpflege die Fütterung wie bei unseren übrigen Hausthieren. Es gilt auch hier der Spruch: „Gut geputzt ist halb gefüttert."
♦
Falsche Zunge. Man läßt ein gutes Kuheuter 10 Tage pökeln und 4 bis 5 Tage räuchern. Sodann legt man es in kochendes Master, läßt es so lange kochen, bis es sich ganz welch sticht und läßt es hierauf in demselben Master erkalten. Es gibt einen billigen, kalten Ausschnitt und wird meistens für Zunge gehalten.
OeviiMehtes.
Modernes Familienleben. Fremder: „Ist jemand bei euch zu Hause?" — Die kleine Emma: „Ach nein, Mama hat Vorlesungen auf der Universität, Anna ist im Gymnasium, Bertha hat Dienst auf der Post und ich muß gleich in die Fechtstunde gehen. Wollen Sie vielleicht mit Papa sprechen?" — Fremder: „Wenn ich nicht störe . . . ." — Die kleine Emma: „Durchaus nicht, er kocht,nur!"
Mißverstanden. „Jch'meecht gern e Wanzetinctur." — „Für wie viel?" — „Ja, gezählt hab' ich des Oosevreh- zeig nit, awwer e Sticker zwähunnert wer'n 's immerhin fein!"
♦
Aus dem Gerichtssaal. Richter: „Haben Sie denn nie das Bedürfniß empfunden, zu arbeiten und eine nützliche Rolle in der menschlichen Gesellschaft zu fpielen?" — Strolch: „Na, wie kann ick eene nützliche Rolle spielen, wenn Sie mir immer insperren!"
Ein hübscher Denkspruch wird den „M. N. N." von einem ihrer Mitarbeiter zur Versügung gestellt. Mir stehen nicht an, ihn zu Nutz und Frommen unserer Leser hier abzudrucken. Er lautet: „Präge Dir beim Streite — Zorn'ger Eheleute — Nur die Regel ein: — Zankt da» Masculinum — Mit dem Femenlnurn — Mußt Du — Neutrum fei«!"
♦ * ♦
Wenn man zerstreut ist. Staatsanwalt (in der Anklageschrift gegen den Rentier Pechmüller wegen Spielen» in einer auswärtigen Lotterie blätternd): „Da finde ich eben, daß in Ihrem Protokoll als Loosnummer 35 709 angegeben ist, während das den Acten angeheftste Loos die Nummer 99 694 trägt. Wie kommt das, Herr Rath?" — Untersuchungsrichter (sich vor die Stirn schlagend): „Zum Teufel, das ist ja die Nummer, die ich selber spiele!"
<r
Li< uni bei
ma sch! Fei zu na< vor blii feit Pa
der gefi
er ein ich wa wü
ver Sä SBei bra
leit
uni neu
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brüh lachen UniverfiMS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch 8t Scheyda) in Gießen,


