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bet Stoffe hindurch, abe? Re wird dabei erwärmt und trifft in wärmerem Zustande auf die Haut. Wenn wir da« Be« dürfniß fühlen, die kalte Außenluft noch langsamer und in noch erwärmterem Zustande an unseren Körper gelangen zu lasten, so ziehen wir über dar erste Kleidungsstück noch ein zweites oder gar ein drittes.
In der jetzigen Jahreszeit dagegen, wo oft plötzliche Regengüffs uns überraschen, muß man sich namentlich davor hüten, durchnäßte Kleidungsstücke noch anzubehalten, sobald man sich nicht mehr in Bewegung befindet. Denn nasse Kleider entziehen dem Körper sehr viel Wärme und find sehr oft die Ursache von heftigen Erkältungskrankheiten. Wasser ist bekanntlich ein sehr guter Wärmeleiter. Ein warmer Körper, also auch der menschliche Leib, gibt an nasse Stoffe sehr rasch und in großen Mengen Wärme ab- Daher ist durchnäßte Kleidung für das Wohlb finden stets sehr nach« theilig, es sei denn, daß wir durch energische Bewegung immer wieder die nöthige Wärme erzeugen. Professor Rumpel hat durch genaue Untersuchungen festgestellt, daß der Wärmeverlust des Körper» durch nasse Bekleidung dreimal so groß ist, als wenn man ganz unbekleidet wäre. In höchst anschaulicher Weise erläutert dies auch Professor v. Pettenkofer. Er sagt: Wenn wir im Freien nasse Füße, oder besser gesagt nasse Strümpfe bekommen, und dann in ein warmes Zimmer mit trockner Luft gehen so hebt eine bedeutende Verdunstung des aufgesogenen Wassers an. Wenn man an der Fußbekleidung nur 3 Loth Wolle durchnäßt hat, so ist zur Verdunstung des darin aufgehäuften Wassers so viel Wärme erforderlich, als man nöthig haben würde, um ein halbes Pfund Wasser von 0 Grad bis zum Sieden zu erhitzen, oder um mehr al» ein halbe» Pfund Eis zu schmelzen. Diese Wärmemenge wird fast ausschließlich geliefert von der ausstrahlenden Blutwärme der Füße. So gleichgültig manche Menschen gegen durchnäßte Fußbekleidung sind, so sehr würden sie sich sträuben, wenn man ihre Füße zum Schmelzen von ein halb Pfund Ei« in Anspruch nehmen wollte. Und doch ist die GesundheitSgefähr« lichkeit dieselbe. Es darf daher auch als vollkommen erwiesen angesehen werden, daß die durch nasse Kleidung veranlaßte Abkühlung des Körpers in dirctem Zusammenhangs steht mit den vielen sogenannten rheumatischen Affectionen und mit den Catarrhen der Schleimhäute.
In dem lobenswerthen Bestreben, das Eindringen des Regens in unsere Kleidung zu verhindern, hat man wasser, dichte Stoffe fabricirt. Diese dürfen aber nicht auch, wie es häufig der Fall ist, luftdicht sein, sonst beeinträchtigen fie die Ausdünstung der Haut, erschweren durch Luftdruck das Athmen und wirken somit hygienisch höchst schädlich. Die Stoffe dürfen eben nicht mit einem wasserdichten Ueberzug versehen, sondern müssen nur imprägnirt sein. Dann aller, ding» können sie sehr gute Dienste leisten. So werden dichtere Tuchgewebe durch die Jmprägnirung in einem solchen Grade waflerfeindlich, daß fie fast einen ununterbrochenen, mittelstarken Landregen von zwei und einer halben Stunde Dauer aushalten ohne durchnäßt zu werden.
Bei einer nassen Kleidung kommt auch noch der Uebel« stand hinzu, daß sie an der Haut meist anklebt und dadurch Bewegung und Athmung erfchwert. Auch hat man an den klebenden Stellen das Gefühl empfindlicher Kälte, da die sonst zwischen Kleidungsstoss und Haut lagernde Luftschicht verdrängt wird- Allerdings verhalten sich die verschiedenen Stoffe in dieser Hinsicht recht ungleich. Die glattgewebten Leinen« und Baumwollstoffe sowie Seide, legen sich dicht an, weniger die Tricotbaumwolle und am wenigsten die tricot- und flanellgewebten Wollstoffe. Letztere sind daher namentlich zu Unterkleidern bei regnerischem Wetter sehr geeignet.
Ueberhaupt ist es gerade im Frühjahr, der launischen und wetterwendischen Jahreszeit rathsam, wollene Unterkleider zu tragen. Zwischen den vielen Härchen und Fäserchen der Wolle, besonders wenn fie noch nicht ost gewaschen ist, sammelt
sich eine große Menge erwärmte Luft an und bildet einen trefflichen Schutz gegen die von außen andringende kalte Luft. Selbst bei Durchnässung bleiben in der Wollkletdung noch viele Poren mit Luft gefüllt und gestatten daher eine freiere Athmung und Ausdünstung der Haut, als z. B. in Leinenstoffen.
Hoffentlich wird es aber nicht den ganzen Frühling hindurch regnen, sondern heißer SonnenschOn wird uns wohl manchmal auf den Rücken brennen. Daher dürfen wir unsere Kleidung auch nicht zu dick und zu schwer wählen. Denn sie ist schon im allgemeinen viel schwerer als die natürliche Kleidung der Thiere. Bei diesen, z. B. Hunden, macht dar Gewicht ihres Pelzes meist nur iy2 Procent des Gesammt. körpergewichtes aus, bei anderen, wie Kaninchen, noch weniger. Im Vergleich damit tragen wir geradezu ein Panzerkleid; denn unsere Winterkleidung beträgt gut 10 Procent bei Körpergewichtes, ohne deßhalb erheblich mehr zu leisten als der Haarwuchs eines Thieres. Somit ist es nur ein ganz natürliches Verlangen, die schweren Winterstoffc möglichst bald abzulegen. Schwere und dicke Kleidung beengt auch die Brust, beeinträchtigt die Athmung, erschwert Gehen und Be» wegung. Daher soll man in jetziger Jahreszeit, namentlich beim Spazierengehen über dichtere Unterkleider leichte Ober« kleider legen. Und gegen etwaige Aprillaunen schützt ein Ueberrock am Arme oder ein Sonnen« oder Regenschirm in der Hand.
„Eines schickt sich nicht für Alle«, gilt besonder» auch von der Bekleidung. Starke, wohlgenährte Personen können viel leichter gekleidet gehen als hagere und magere, denn sie besitzen an dem Fettpolster unter der Haut eine sehr warm haltende Schutzdecke. Für magere Leute dagegen ist es nicht zuträglich, bei nasser Witterung oder kühler Temperatur leicht gekleidet zu gehen und sich überhaupt den Wetterlaunen ungeschützt preirzngeben. Trotzdem findet man auch bei diesen solche Abnormitäten. Bei näherer Bekanntschaft mit diesen Personen gelingt es meist, eine Erklärung dafür zu finden. Oft ist ein lebhaftes, unruhiges Temperament die Ursache, Hast, Aufgeregtheit, gewohnheitsmäßige Unruhe, welche den Körper stets in größerer Thätigkett erhält, als eigentlich nothwendig wäre. In vielen Fällen sind hagere, leicht gekleidete Personen auch Vielesser, die den erhöhten Wärmeverlust der ungenügenden Kleidung auf diesem anderen, aber viel teuereren Wege wieder ausgleichen. Das ist aber keineswegs practisch oder der Natur gemäß.
Ueberhaupt wird die Bekleidung noch viel zu sehr von der Nachahmung und der Ueberlieferung bestimmt. Dies steht man am deutlichsten gerade jetzt, beim Uebergange von einer Jahreszeit in die andere. In manchen Landestheilen sind er geradezu gewisse Tage, z. B. der Osterfeiertag, der Himmel« fahrtstag, an welchen die Sommerkleidung zum ersten Male getragen werden muß, gleilchgiltig, wie auch immer die Witterung fein mag Viele Menschen fühlen erst die Berechtigung zum Kleiderwechsel, wenn sie Andere in der Sommerkleidung gesehen und den ersten Strohhut erblickt haben; und im October an kalten Tagen zöge Mancher gern den Winterüberzieher, der zu Hause im Schranke hängt, an, wenn er nur erst einen Bekannten entdeckt hätte, der mit dem guten Beispiel vorausginge.
Dies Schablonisiren bringt Vielen an ihrer Gesundheit Schaden. Man soll vielmehr gerade bei der Kleidung indi« vidualisiren; Jeder muß nach seiner individuellen Constitution und Köcperanlage eine der Jahreszeit und seinem Wohlbefinden entsprechende Kleidung anlegen- Eine unzweckmäßig gewählte Bekleidung kann unzweifelhaft eine Quelle zahlreicher Erkrankungen werden; ja wenn man die vielen kleinen Leiden und unangenehmen Stunden, welche eine unzweckmäßige Kleidung mit sich bringt, summiren und als eine Größe verrechnen könnte, dann würde man erst sehen, welch große Rolle eine richtig und naturgemäß gewählte Bekleidung spielt.
Sebartion: T. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen-
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