trat, wo ihr Vater, eine Pfeife rauchend, am Lisch faß und mehrere Papiere vor sich liegen hatte.
„Kommst mir gerade recht, Lisbeth," rief er ihr entgegen, „habe eben zusammengestellt, was ich Dir an Hausrath und baarem Gelds mitgebe; der Oedhofbauer wird schmunzeln, daß er eine so gut ausgestattete Söhnerin bekommt."
„Vater," begann Lisbeth mit bebender Stimme, „ich hab's Euch gesagt, Arber als daß ich den Heiner freie, geh' ich in's Waffer; aber weil ich doch noch so jung bin und am Leben häng', hab' ich gedacht, ich will's Euch unmöglich machen, mich zu dem verhaßten Ehebund zu zwingen und mich heute Abend vom Pfarrer mit dem Friedrich Mattern trauen kaffen."
Der Bauer stierte sie an, als könne er den Sinn ihrer Worte nicht faffen.
„Bist Du verrückt geworden, Mädchen?" fragte er end« lich mit stockendem Athem.
„Ich bin ganz bei Sinnen, Vater, vor einer Viertelstunde hat mich Hochwürden mit dem Frieder zusammen gegeben. Vergebt mir, daß ich Euch so ungehorsam war, aber es blieb mir keine Wahl; Ihr selbst habt mich zum Aeußersten getrieben."
Der Bauer schlug mit der Faust so schwer auf die Tischplatte, daß sie krachte, seine Augen traten blutunterlaufen aus ihren Höhlen, die Adern auf seiner Stirn schwollen dick an und eine dunkle Röthe bedeckte sein Gesicht.
„So sei verflucht!" schrie er heiser. „Fort aus meinen Augen oder ich erwürge Dich!"
„Vater, Vater, vergebt," stammelte Lisbeth zitternd.
Die Augen des Bauern sprühten Blitze.
„Fort, fort, sonst giebt's ein Unglück," schäumte er.
Von Schrecken und Grauen überwältigt, floh Lisbeth aus der Nähe des wüthenden Mannes, ihre zitternden Füße trugen sie kaum bis zu der Stelle, wo sie Frieder verlaffen hatte.
In dem bleichen Weib, das, Entsetzen im Blick, mit entgeisterten Zügen sich schluchzend an seine Brust warf, erkannte der junge Gatte kaum noch die rosige, glückstrahlende Braut, die ihn vor wenigen Minuten verlassen hatte.
„Um Gott, Liesel, wie sichst Du aus, was ist geschehen?" fragte er hastig.
Sie konnte vor Schluchzen nur die zwei Worte: „Vater . . - Fluch . . ." herausbringen, und seinen Arm krampfhaft umklammernd, zog sie ihn eiligen Laufes fort.
Eine wahnsinnige Angst vor dem Vater hatte sie erfaßt, es war ihr, als ob Tod und Verderben vom Birkenhof her ihr drohe und nur rasche Flucht sie retten könne. Alles beruhigende Zureden, alle zärtlichen Trostworte Frieders vermochten das Grauen nicht aus. ihrer Seels zu bannen- Es war ein trauriger Anfang ihrer Ehe.
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Für den Birkenhofbauer war von jenem Tage an die Tochter wie eine Gestorbene, nie mehr nannte er ihren Namen; und wenn er in das Dorf ging, machte er einen weiten Umweg, um nicht an dem Häuschen Frieders vorüber zu müssen.
Das Erste, was er that, war, daß er sich auf das Amt begab und dort ein Testament niederlegte, worin er Lisbeth enterbte.
Valentin triumphtrte, fein Anschlag war ihm noch über Erwarten gelungen; die vielbeneidete, schöne Schwester, der bisherige Liebling des Vaters, war gänzlich aus deffen Haus und Herzen verdrängt, und er, der stets 'zurückgesetzte Sohn, war nun der alleinige Erbe. Er trug auch Sorge, dies Lisbeth baldigst zu hinterbringen, während er sich sehr hütete, irgend Jemand merken zu lassen, daß es sein Rath gewesen, der die Schwester zu dem raschen, folgenschweren Schritt getrieben und das junge Paar, das still füv sich lebte, sprach auch nicht darüber.
Trotz ihrer gegenseitigen heißen Liebe war indeß der Himmel ihrer Ehe doch nicht ganz wolkenlos geblieben, denn
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dis Sorge um das tägliche Brod hatte balo an ihre Lhüre geklopft.
Lisbeth, gewöhnt, in ihres Vaters Haushalt aus dem Reichen und Vollen zu wirthschaften, hatte trotz des besten Willens große Mühe, sich in die kleinen, ärmlichen Verhältnisse der eigenen Wirthfchaft zu finden und es wurde ihr sehr schwer, immer daran zu denken, daß sie jeden Kreuzer zwei Mal in der Hand umdrehen mußte, ehe sie ihn ausgab.
Run war Frieder zwar doppelt fleißig, und neben der Arbeit am Chausseebau und später dem Holzfällen im Walde suchte und fand er noch manchen Nebenverdienst; aber die Ernte war schlecht gewesen, alle Lebensmittelpretse stiegen, der Winter war lang und hart und so war Schmalhans oft Küchenmeister in seinem Hause.
Für sich selbst hätte er es nun leicht ertragen, daß die Kost so karg war, aber daß Lisbeth als sein Weib so viel entbehren mußte, während sie daheim in Fülle und Ueber- fluß gelebt, war ihm ein großer Kummer und er fürchtete immer, sie möchte denken, sie habe das Glück, mit ihm vereint zu sein, doch zu theuer erkauft.
Das war nun aber nicht der Fall, denn Lisbeth» Liebe war echt und treu, und wenn auch die enge Stube mit der niedrigen, verräucherten Decks und dem dürftigen Hausrath ihr manchmal gar ärmlich und unwohnlich erschien, sobald der Frieder mit seinem heiteren Gesicht heimkam und seine gute, freundliche Rede in ihr Ohr klang, vergaß sie, was sie noch eben vermißt hatte und war mit ihrem Loos vollkommen zufrieden.
Als jedoch bald nach dem neuen Jahr der Storch in dem kleinen Häuschen erschien und der Arzt, da Lisbeth nach der Geburt eines Knaben sich nicht erholen konnte, kräftige Kost und starken Wein für durchaus nöthtg zu ihrer vollen Genesung erklärte, faßte Verzweiflung Frieders Herz, weil es ihm mit aller Anstrengung nicht möglich war, das herbeizuschaffsn, war die geliebte Frau so dringend bedurfte.
So kam es, daß er dem Versucher, der in Gestalt des Bachmüllers, dem Haupt der Schmugglerbande, an ihn herantrat, ein williges Ohr lieh.
Seit vielen Jahren schon trieb der Müller sein gefährliches Handwerk; aber seine Schlauheit und Gewandtheit war so groß, daß es den Zollbeamten, die ihn längst im Verdacht hatten, noch nie geglückt war, ihn auf der That zu ertappen. Wohl waren öfters bei nächtlichen Streifzügen der Grenzer Genossen von ihm gefangen worden; aber dem Müller war es stets gelungen, sich in Sicherheit zu bringen und keiner der Letzteren hatte ihn je verrathen, weil er im Verkehr mit ihnen stets loyal verfuhr und wenn ein guter Coup geglückt war, eine offene, freigebige Hand hatte.
Auf den Frieder, der ein sehr flinker und anstelliger Bursche war, hatte er schon lange ein Auge gehabt, doch hatte sich dieser allen Lockungen und Versprechungen gegenüber immer durchaus ablehnend verhalten, jetzt aber überwog die Sorge um Lisbeth jedes andere Bedenken und der Müller fand es diesmal leichter, ihn zu bereden.
(Fortsetzung folgt.)
Unsere Kleidung im Frühjahr.
Eine hygienische Betrachtung von Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
„Die Kleidung ist vor allem ein wesentliches Hilfsmittel der Wärmeregulation unseres Körpers und steht nicht nur im Dienste des Behaglichkeitrgesühls der Haut," sagt sehr richtig Professor Rumpel. Dies empfinden wir besonders im Winter. Wird dann die äußere Luft kühler als unsere Haut, so müßten wir eigentlich stets frieren; da wir aber über unsere empfind- -liche Haut eine empfindungslose Kleidung legen, so friert nicht unser Körper, sondern die Kleider werden kalt, sie frieren für un». Die Luft von außen tritt zwar auch durch die Poren


