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Ihr dauert mich eigentlich, Ihr zwei Liebeslsut', die Ihr weder aus noch ein wißt, jetzt, wo Euch die Noth an den Kragen geht," fuhr Valentin fort.Wäre der Frieder ein Bursch', der rechte Schneid hat, so fände er gleich einen Ausweg."

Wie meinst Du das?" fragte Frieder, die ehrlichen braunen Augen weit öffnend.

Ganz einfach, Ihr laßt Euch gleich trauen," versetzte Valentin lachend,ist die Liese erst Deine Frau, so kann sie nicht mehr die des Heiner werden; das ist doch klar wie der Tag."

Frieder und Lisbeth starrten ihn verständnißlos an.

Seid Ihr aber schwer von Begriffen," fuhr Valentin fort,hast Du vergessen, Frieder, was Dir der Pfarrer ver­sprach, als Du ihm den Aloys aus den Flammen geholt? Geh' zu ihm und sage, j.tzi sei der Augenblick gekommen, sein Versprechen zu erfüllen und Dir die Schuld des Dankes heim­zuzahlen, indem er Dich sofort mit der Lisbeth traut- Was der Pfarrer einmal zusammengegeben, kann kein Mensch mehr scheiden, und wie ich unfern Alten kenne, wird er sich nach einigem Toben und Schelten bald in das Unvermeidliche finden; es bleibt ihm ja auch nichts anderes übrig."

Dnmit ließ er die Beiden allein.

Dein Bruder hat Recht," jubelte Frieder,daran hab' ich noch nicht gedacht; aber so geht's, daß Du meine Frau wirst, trotz Deinem Vater und dem Heiner."

Aber Lisbeth scküttelte den Kopf; die Sache schien ihr doch zu gewagt, sie fürchtete des Vater« Zorn und sträubte sich, dem Rathe des Bruders zu folgen; aber das leiden­schaftliche Drängen und Bitten Frieders, den die Vorstellung, so plötzlich am Ziel seiner heißesten Wünsche zu stehen, förm­lich berauscht hatte, trug doch endlich den Sieg über ihre Be­denken davon und sie willigte ein.

Stehenden Fußes geh' ich zum Pfarrer," sagte Frieder, einen Kuß auf die rothen Lippen drückend, derenJa" ihn eben so glücklich gemacht,und ich bin gewiß, daß er mir um des Aloys willen meins Bitte nicht abschlagsn wird. Sei Du nur morgen Abend, wenn's dämmert, an der Kirche, da warte ich auf Dich und ist das Glück gut, führe ich Dich gleich zur Trau."

Hastig nahm er Abschied von Lisbeth und eilte nach dem Dorf.

Er fand den Pfarrer allein in feiner Studierstube; aber das freundliche Gistcht, mit welchem ihm dieser empfing, wurde sehr ernst, als er sein Anliegen vorbrachte.

Man nahm es zwar in damaliger Zeit nicht so streng mit den Heirathsformalrtäten wie heutigen Tags, und nament­lich auf dem Lande traute der katholische Geistliche in dringen­den Fällen auch wohl ein paar ohne Aufgebot und elterliche Einwilligung und die letztere war in diesem Fall nicht einmal gesetzlich nöthig, da Lisbeth, wie der Pfarrer wußte, vor einigen Tagen 25 Jahre alt geworden, also majorenn war. Dennoch widerstrebte es ihm, im directen Widerspruch mit dem Willen des Vaters die Tochter mit ihrem Liebsten zu trauen, mochte auch der Birkenhofbauer keinen stichhaltigen Grund für diesen Widerspruch haben; denn Friedrich Mattern war das Muster eines braven, fleißigen, soliden Menschen.

Er ermahnte deshalb den jungen Burschen zum Aurharren und zur Geduld, zwingen würde der Birkenhofbauer doch nimmer zu der Heirath mit dem Anderen und so gelte ee, abzuwarten, bis die Standhaftigkeit der Lisbeth den Wider­stand des Vaters überwunden haben werde; aber einer Ehe ohne elterlichen Segen fehle immer das Beste-

Ach, Hochwürden, Ihr kennt den Birkenhofbauer nicht," rief Frieder außer sich,der zwingt die Lisbeth zu der Hei­rath mit dem Heiner und sollt' er sie mit Gewalt zum Altar schleppen, und dann thut sie sich ein Leids an. Erbarmt Euch und erfüllt meine Bitte, Ihr macht sonst zwei Menschen unglücklich für Zeit und Ewigkeit!"

Lieber geistlicher Ohm, thu' doch, was der gute Frieder bittet, der mich aus dem Feuer geholt hat," bat jetzt eine kindliche Stimme, und der kleine Aloys, der eben hereingekom-

meu war und die letzten Worte Frieders gehört halte, kletterte auf die Knies des Geistlichen und sah ihn bittend an- Der Pfarrer drückte den blonden Kopf des Knaben an feine Brust und fein Herz wurde weich, als er daran dachte, daß ohne Frieders muthige That diese strahlenden Kinderaugen in qual­vollstem Tode gebrochen sein würden und diese goldenen Locken, diese rosigen Wangen jetzt Asche wären. Nein, dem Manne, der mit Gefahr seines Lebens ihm diesen Schatz ge­rettet, durste er seine Bitte nicht abschlagsn!

Um dieses Knaben willen," sagte er dann, sich zu Frieder wendend,soll Deine Bitte gewährt sein. Gott walte, daß es zu Eurem Glück ist."

Dank, Dank, Hochwürden!" stammelte Frieder, die Hand des Geistlichen küssend.Es wird gewiß Alles gut werden, wenn nur erst die Lisbeth mein Weib ist; der Valentin meint auch, daß der Vater ihr schon verzeihen wird, wenn er sieht, daß nichts mehr zu ändern ist."

Soll mir sehr lieb sein, wenn's so ist," sagte der Pfarrer ernst.

Das Herz voll Seligkeit, eilte Frieder nun fort, um sein kleines Häuschen rasch ein wenig in Stand zu setzen für die Ausnahme seiner jungen Frau. Fast die ganze Nacht scheuerte und putzte er, bis der ärmliche Hausrath ebenso blitzblank und Küche und Kammer so nett und sauber aussahen, wie zu Leb­zeiten seiner Mutter.

Während des folgenden Tags war er trotzdem einer der Ersten und Fleißigsten draußen bei der Arbeit und sang so fröhlich in den grünen Wald hinein, daß die Kameraden meinten, ihm müsse wohl schon in aller Frühe ein großer Glück begegnet sein.

Lisbeths Stimmung war dagegen nicht fo sroh; sie hatte am Morgen den Vater noch einmal kniefällig gebeten, von dem Vsrspruch mit dem Heinrich Rohnert abzustehen; aber so zornig, wie sie ihn selten gesehen, hatte er ihr zugeherrscht: Der Bauer vom Oedhof habe sein Wort und keine Macht der Welt werde ihn bewegen, dasselbe zu brechen.

Nun erwachte auch in ihr der Trotz; , zwingen lassen wollte sie sich nicht zu diesem verhaßten Ehebund; der Valentin hatte Recht: War sie erst dem Frieder angetraut, so konnte von einer Heirath mit dem Heiner wenigstens nicht mehr die Rede sein und was auch kommen mochte, diesem größten Un­glück war sie dann doch entgangen. ,

Als der Abend kam, schlich sie sich still aus dem Hause, und das Kopftuch tief in die Stirn gezogen, ging sie in« Dorf nach der Kirche, in deren Schatten Frieder ihrer harrte.

Wie im Traum ließ sie sich von ihm in die Sacristei führen, wo der Pfarrer schon bereit stand, die heilige Hand­lung vorzunehmen; wie im Traum ging sie durch die Ceremonie der Trauung, sprach sie das bindendeJa"; erst als sie wieder draußen stand und Frieder sie sein Weib, sein an­getrautes Eheweib nannte, kam sie zum vollen Bewußtsein der Wirklichkeit. , ,

Für einen Moment drängte das Glücksgefühl, mit dem Geliebten nun untrennbar verbunden zu fein, alle die Sorgen und Bedenken, die sie während des Tages gequält, zurück, selbst die Furcht vor dem Zorn des Vaters wich einer frohen Zuversicht.

Erröthenb und lächelnd Frieders ungestümer Zärtlichkeit wehrend, sagte sie:Ich gehe gleich nach dem Birkenhof, der Vater soll der Erste sein, der erfährt, was geschehen ist."

Ich komme mit Dir," sagte Frieder,jetzt bin ich Dein Schutz und Schirm und Du sollst nicht allein dem ersten Zornesausbruch Deines Alten gegenüberstehen."

Nein," wehrte Lisbeth,Du bleibst am Hofthor stehen, dem Vater muß ich's allein sagen, Deine Gegenwart kann mir nichts helfen und könnte ihn leichtlich immer noch mehr reizen."

Flieder sah ein, daß sie Recht hatte; so begleitete er sie denn nur bis an den Birkrnhof. ,

Hier warte ich, bis Du mich holst," sagte er, sie noch einmal in seine Arme ziehend, ehe sie in dem Hof verschwand.

Das Herz klopfte ihr doch mächtig, als sie in die Stube