Mimetisch. Schüttet man einige Tropfen der Tinctur de» I Kucalxpius in ein Gefäß mit heißem Waffer und athmet den Dunst davon ein, so erfolgt augenblickliche Linderung beim hartnäckigsten Asthma. Ich sah diese Procedur, mit Erfolg gekiönt, bei einem Stationsvorstand in der Riviera Dort lernte ich auch die Vorzüge der Raute, Ruta graveo- lens, in ihrer Anwendung bei Augenschwäche kennen. Die Betreffenden effen sie wie Schnittlauch auf Brod. Au» der Pflanze, die krampfstillende Eigenschaften besitzt und nur in größeren Gaben schädlich wird, ließ ich eine Tinktur bereiten, goß einige Tropfen in eine Schale mit kaltem Waffer, und wusch mehrere Male der Tage» meine geschwächten Augen, war überaus stärkend wirkte, und die Augenschwäche beseitigte. Die rothe Rose, Rosa gallica, die in manchem Hausgarten blüht, leicht tonisch und zusammenziehend wirkend, wird bekanntlich im Rosenwafler bet Augenentzündungen heilsam angewandt. Eine andere Verwendung dagegen hat die bekannte Klatschrose, Papaver Rhoeas, die man überall sieht; sie dient zur Bereitung de» vortrefflichen Brustthee'« der vier Spezies: Klatschrosen, Malvenblätter, Huflatt g und Wollblumen.
Am Zaun der Hausgärten erblickt man ost den Hollunderstrauch. Er gibt UN» einen schweißtreibenden Thee, der die Gesäße nicht aufregt und bei Rheumatismus recht dienlich ist. An Stelle dc» Hollunderstrauchs bemerkt man öfter die Pretßel- beere, die in der Haushaltung Verwendung findet. Wenig bekannt ist es, daß im Mörser zerstoßene Preißelbeeren, bei krebsartigen Geschwüren aufgeschlagen, überaus wohlthuend wirken. Ich kenne auch viele Stationsgebäude, wo im Haurgarten der Lattigsalat gebaut wird. Sein abendlicher Genuß wirkt schlafbringend, während der Huflattig, Tussilago Farfara, im Blätteraufguß bei Heiserkeit und Husten anzuempfehlen ist. Es gibt so viele Kräuter, die man der Beachtung so wenig werth hält, und deren Heilkraft sich bet alledem bewährt hat! So haben wir z. B. den Vogelknöterich, da» Polygonum aviculare, beim Blutspeien unersetzlich, das die Geheimmittel-Praxis als Homeriana in der Reclame anpreist. Wenig beachtet wird auch der Edel-Gamander, Teucrium Chamädrys, im Spätsommer blühend, al» Infusion beim Wechselfieber anwendbar; er wäre in den Haurgärten anzupflanzen, wie auch die Valeriana, welche den Baldrtanthee liefert, das beste, erprobte Mittel gegen den Oxyrus verm., die sogenannte Aikaride, ein unerträgliches Uebel in der Kinderwelt und zuweilen auch bei Erwachsenen, wie ich da» au» der Praxi« ersehen habe. ,
Blickt man vom Hausgarten an der Station auf die umliegenden Felder, so kann man, bei richtigem Verständniß der Arzneipflanzen, eine paffende Auswahl für die Hausapotheke treffen. Ich nenne nur die Brenneffel, Urtica dioica, deren Thee bei Harnverhaltung gute Dienste leistet. Im feuchten Gebüsch sieht man die Lysimachil vulg., da« Wiesengold, die Panacea der Phthisiker, wie der große Boerhaave meinte. Zu derselben Pflanzenordnung gehört auch der rothe Gauchheil, sonst, wie es heißt, mit großem Erfolg gegen die Hundrwuth angewandt, jetzt fast vergeffen.
Vom Ruchgras, Anthoxanthum odoratum, weiß man, daß e» da« lästige Heuasthma beseitigt; das zarte, fußhohe Gra» blüht im April und Mai. Bei einem meiner Bekannten ersetzt das Ruchgras den Waldmeister. Er digertrt 90 Gramm davon 24 Stunden lang mit einer Flasche Wein, fügt den vierten Theil Waffer und genügend Zucker hinzu, und damit ist eine vorzügliche Mai-Bowle durch ihn hergestellt.
Weil eben vom Wtesengold, der Panacea der Phthisiker die Rede war, so sei mir gestattet auf den Wafferfenchel, Phellandr. aquaticum, aufmerksam zn machen, dessen arzneiliche Wirkung in dem genannten schweren Leiden, nach Dr. Lharge« langjährigen Erfahrungen, nicht hoch genug anzuschlagen wäre.
Sehr erwünscht ist es, wenn in der Nähe de» Stations- gebäudes Baumgruppen stehen. Der Baum erzeugt sehr viel
Sauerstoff und verwandelt bekanntste die Feuchtigkeit de» Bodens in atmosphärische Feuchtigkeit. Es wäre gewiß ein schöner Gebrauch, wenn der betreffende Stationsbeamte, so oft sich durch ein fröhliche» Familienereigniß der Kreis der Seinen erweiterte, sich dazu verstände, einen Baum in der Nähe seine» Haurgarten» oder in demselben zu pflanzen, al» Zeichen freundlicher Erinnerung, im Gefühle de» Danke».
Obstbäume haben, wie selbstverständlich, immer den Vorzug; so, nächst dem Apfel- und Birnbaum, der Kirschenbaum, dessen Ertrag besonder« die Kinderwelt erfreut. Selbst die Kirschen- sttele lassen sich verwenden, denn getrocknet und al« Infusion verwertyet, geben sie ein heilkräftige« Mittel beim Katarrh ab. Wie die Pflanzung de« Kirschenbaumes, so ist die de« Wallnußbaumes, wo es thunlich ist, anzurathen. Bei unseren Vorfahren stand die Wallnuß in großem Rufe für manche« Leiden; heutzutage verwendet man den Aufguß der Wallnußblätter, wie die der Gundelrebe, Ghloechoma hederacea, nur in der Behandlung der Scrophulost«. Der Professor Negrier, Arzt in Angers, hat sogar ein Buch geschrieben über die Behandlung der Scropheln mit Wallnußblättern.
Daß die Linde den bekannten Aufguß, die Lindenblüthe bietet, ist wohl bekannt- De« Erdbeerstrauch« ist hier noch gedacht, weil die Erdbeercur noch da« Podagra beseitigt, die Gichtknochen zertheilt und den unliebsamen Zahnstein von den Zähnen löst. Daß man au« den rothen Johannisbeeren ein champagnerähnliche« Getränk bereiten kann, den echten deutschen Champagner, ist ein öffentliches Geheimniß. Daß auch der Birkenwein eine arzneiliche Verwendung findet, habe ich an einem andern Orte nachgewiesen.
Zu beglückwünschen ist aber vor Allem der Haurgarten des Stationsgebäudes, wo der Weinstock blüht, wenn auch nur eine seiner 1400 Spielarten unr hier den köstlichen Traubensast giebt. Der Wein ist ein Labetrunk, er dient auch als Arznei. Er regt angenehm die Nerven auf, er gibt ihnen Spannkraft, er erheitert den Geist. Er ist die Milch de« Alter«. Er wirkt wohlthuend in dem ausgeschafften Körper. Alte Weine stärken den Magen, junge Weine machen Magensäure. Dor Wein, sagt ein alter Weiser, erfreut der Menschen Herz; im Wein liegt Wahrheit, sprach ein Anderer. Der Wein erfüllt sogar eine sociale Mission; er rückt die Menschen einander näher, er wirkt wie der Magnet, er zieht an, er öffnet die Herzen und dann» ja oft nur dann erst fitzt den Menschen da« Herz auf der Zunge! Darum schätzen und lieben wir den Wein. Doch sollen wir bei seinem Genuß, wie bei einer Arznei, die wir al« Lebenselixir betrachten, auch hier Maß und Ziel zu halten wissen nach dem alten lateinischen Spruch:
„Balnea, Vina, Venus corrumpunt corpora sann, Corpora sana dabunt Balnea, Vina, Venus!"
(Aus den „Bayerischen Verkehrsblättern".)
Von den vielen in obigem Artikel angegebenen Pflanzen ist unter anderen der Knöterich (Polyg, avic.) als ein unersetzliches Mittel gegen Blutspeien bezeichnet. Seit einer Reihe von Jahren ist in den öffentlichen Blättern ein Knöterich, welcher, aus Rußland stammend, zu einer Höhe von 1 Mter gedeiht und nur dort in seiner Vollkommenheit wächst,'als ein sicheres Mittel gegen alle Brust-, Lungen-und NalS-Krankheiten von E. Weidemann, Liebenburg a. Harz angepriesen und versandt worden.
vernmehtes.
Verschnappt. Hausfrau: „Also da« war Ihr Bruder, der Sie gestern besucht hat . . . ein netter Mensch I" — Dienstmädchen (erfreut): „Nicht wahr, Madame, da habe ich einen ganz guten Griff gethand" e * *
Naiv Vater (im Restaurant): „Karlchen, steh' einmal nach, ob da« Billard besetzt ist!" — Karlchen (zurück- kommend): „Rein, Vater, e« sitzt kein Mensch drauf!"
Rttaetion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmverflMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in (Biegen,


