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unariiculirte Töne drangen, legte er den Finger an die Lippen und flüsterte: , , ,,
„Still! Der alte Bendemann heult allen Jubel seines Herzens in sein blaue« Taschentuch hinein. Da« kenne ich! — Und in solchen weihevollen Augenblicken dars man ihn um Gotte«willen nicht stören."
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Eine halbe Stunde später war e«, als sich auch für Werner Eggestorf die Thür des Krankenzimmers öffnete. Sein Bruder faß, nur leicht gestützt, aufrecht im Bette, ver- klärten Antlitzes und mit fast überirdisch leuchtenden Augen. Er streckte ihm die Hände entgegen; Werner aber warf sich, gleich ihm keiner Wortes mächtig, neben dem Lager in die Knies. Da streichelten die mageren Finger des Genesenden liebevoll sein Gesicht und plötzlich neigte er sich zu ihm herab, um ihn zu küffen.
„Ist es nun ausgelöscht, Werner?" fragte er leise.
„Ausgelöscht bis auf die letzte Erinnerung, so wahr mir Gott helfeI" brach es mit Schluchzen und Jubeln aus der Brust des Andern. Und dann hielten sie sich lange, lange in dem stummen Glücksgefühl dieses seligen Wiederfindens umschlungen. ,
Als Werner sich endlich wieder aufrichtete, fügte er die Hand der noch leise widerstrebenden Margarethe mit der seines Bruders zusammen:
»Zum Abschied!* sagte er mit erkünstelter Traurigkeit. „Da Fräulein Arnholdt doch einmal unwiderruflich beschlossen hat, als Gouvernante nach Madagaskar zu gehen. — Oder sollte sich etwa neuerdings an diesem Entschluß Einiges geändert haben?"
Eine gesprochene Antwort erhielt er zwar nicht; aber die Diakonissin hielt es für angebracht, stille hinaus zn gehen. Sie war nicht gerne zugegen, wenn zwei Menschen verschiedenen Geschlechts einander küßten.
GE-innÄtziges»
Weihnachtseonfeet. V- Psimd Butter, 3/* Pfund Zucker, eine Wallnuß dicke Hefe, etwas feines Salz, 2 Eier, etwas gestoßene Vanille; Alle« gut durcheinander gemengt und Mehl soviel, als es bis zum Ausrollen annimmt. Dann rollt man den Teig wie einen Messerrücken dick auf, sticht mit Figuren refp- Förmchen und Gläsern Theilchen daraus, bestreicht dieselben mit Eigelb und streut bunten Streuzucker darauf. Bet gelinder Hitze backt man dieselben hellgelb.
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Zimmtsierne. 3 Eier werden klar zu dickem Schnee geschlagen, 250 Gramm Zucker darein gerührt und wenn Beides gut vermischt ist, nimmt man 250 Gramm ungeschälte, mit einem Tuch sauber abgertebene, gestoßene Mandeln und thut 10 Gramm Ztmmt darunter. Nun wird Alles wohl durcheinander gemengt und auf einem mit halb Mehl und halb Zucker bestreuten Nudelbrette ganz leicht ausgewtrkt, dick aufgervllt, mit einem Sternmodell ausgkstoßen, auf ein mit Butter dünn bestrichene» Blech gelegt und gebacken. Diese Ztmmtsterne lassen sich sehr» gut aufheben.
Pflastersteine. In *einem i/i Liter Wasser wird 1 Pfund Zucker und 1 Pfund Honig aufgekocht und nachdem die Masse etweS erkaltet ist, kommen hierzu Corinthen (>/, Pfund), CUronat (125 Gramm) und fein gestoßener Z mmt (3 Gramm). Jetzt wird die Masse mit 21/a Pfund Mehl und Hirschhornsalz zu einem Teig geknetet, aus welchem kleine Kugeln bereitet werden, die auf ein mit Butter bestctchenes Blech gefetzt und im mäßig heißen Ofen gebacken werden. Nach dem Backen werden die Kugeln oder Pflastersteine mit Zuckerguß übergossen-
Ampel für den Chriftbanrn. Man nimmt z« diesen reizenden Ampeln möglichst große Eier, die man au«, bläst und von denen man die Spitze glatt abschneidet. Dann bemalt man sie mit Emaillefarben recht leuchtend oder broncirt sie in den verschiedensten Metallfarben, sticht mit spitziger Scheere Sterne, Mond oder Sonne aus und hinterklebt diese Stellen mit Gelatinepapier. Auf dem Boden des Eies befestigt man ein kleines Wachslicht und gießt den Raum bis zur Höhe der Lichtes mit Wachs au». Aus Silberfiltgran fertigt man ein zierliches Gehänge, welches man mit bunten Seidenfäden an dem Ei befestigt, oben zusammenfaßt und so die Ampel am Baum aufhängt.
Unverbrennbarer Steindocht für Petroleum- Lampen. Um das Petroleum im Coneurrenzkampf mit dem Gas zu unterstützen, hat man einen porösen Steindocht sür Petroleumlampen construirt, welcher alle Uebelstände, mit dem» diese Lampen bis jetzt behaftet sind, beseitigen soll. Die Masse desselben besteht aus Asbestmehl, vermengt mit feinem Holz, mehl; sie wird geformt und bet 1000° gebrannt, so daß die vegetabilische Substanz verbrennt und ein rein mineralischer, sehr poröser Körper zurückbleibt, der die Vergasung de« Pe« troleums in ausgezeichneter Weise vermittelt. Hierzu gehört allerdings ein Oel von besonderer Feinheit- Bei dieser Lampe ist kein Ersatz des Dochtes und auch kein Abschneiden desselben nöthig; die Lampe soll stets rein bleiben und die Explostonr« gefahr vermieden sein. Infolge der vollständigeren Verbrennung stellt sich eine ganz erhebliche Ersparniß an Petroleum ein. Da die Flamme sich langsam über die Brennerfläche ausdehnt, sollen die Lampencylinder seltener zerspringen, als bei gewöhn, lichen Dochten, und Ruß oder übeler Geruch weder bei höchstem noch beim tiefsten Stand des Dochtes auftreten.
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Der Gummibaum im Winter. Im Winter geht« ihm, wie allen anderen Topfpflanzen, schlecht, es ist eben Winter und trockene Zimmerlust, Ofen- und Lampemauch. trübe Tage und kalte Nächte paffen nicht zur Freundschaft der Pflanzen, ebenso das bald zu knappe, bald allzu reichliche Gießen nicht- Der Gummibaum verräth seinen Mißmuth dadurch, daß er kleinere Blätter macht und sich sehr lange besinnt, ehe er überhaupt ein neuer Blatt treibt. Man muß nun suchen, ihm das Leben, so gut es nur geht, erträglicher zu machen, ihn nicht am Fenster zu großer Kälte aussetzen, ihn lieber ein Stückchen davon stellen, ihn nicht von der Hitze leiden kaffen, den Zimmerstaub öfterer mit einem weichen, feuchten Schwamm sanft abwischen, ihn nicht kaltem Zug aussetzen und ihn nicht allzu feucht halten. Bei Vermeidung aller Extreme und Jnnehalten von Sorgsamkeit, wird er sich im Winter auch so ziemlich leidlich fühlen, so daß man ihm im Frühjahr nur wenig von Winterleid ansehen wird.
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Aufbewahren von Seidenkleidern. Da Seiden« kleider leicht fleckig werden, wenn man sie hinlegt, so muß man sie in Schränken hängend aufbewahren.
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Große Preisausschreibung für die Damen. Im Jahre 1897 wird eine der größten Concurrenzen für alle weiblichen Fertigkeiten mit Preisen im Werthe von 10 000 Kronen veranstaltet u- zw. für die Abonnentinnen der „Wiener Mode" zur Feier des 10jährigen Bestandes dieser beliebten Modezeitschrift. Ein Jahres - Abonnement der „Wiener Mode" (10 Mk ) bildet demnach das dankbarste Weihnachtsgeschenk, denn es bietet außer dieser Preis-Con- currenz 24 Hefts in farbigem Umschlag, 12 Schnittmuster- unö Handarbeitsbeilagsn, die „Wiener Kmder-Mode" und die Unterhaltungsbeilage „Im Boudoir" mit Beiträgen hervor- ragender Schriftsteller. Das eben erschienene Heft 6 enthält die Voranzeige der Concurrenz, über die wir nächstens berichten werden.
Reboetion: Ä. Schryda. — Druck und vertag der Brühl'schen UntverfiMS-Buch- und Stembruckerei (Pietsch & Echeyba) in Wetze«.


