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dagegen sehr aufgeregt, sehr erzürnt warben, find meine Nerven von Aerger, Sorgen oder einem Unglück sehr gereizt, so können mich schon zwei Glas von demselben Biere in einen bedenk» ltchen Zustand versetzen. Oder mit anderen Worten: befinden sich meine Nerven in einem gesunden, normalen Zustande, so ist mir das Bier zuträglicher, als wenn fie stch in einem ungesunden, anormalen Zustande befinden. Also auf die Nerven muß sich unsere Fürsorge zunächst erstrecken, d. h. wir dürfen sie nicht überanstrengen, durch zu große und allzu einseitige Arbeit, aber auch nicht verweichlichen und lähmen durch ein ewiges dolce far mente, wir müssen dafür sorgen, daß bei uns im Allgemeinen in wohlthuender Harmonie miteinander abwechseln Arbeit und Ruhe, Thätigkeit und Erholung, Stuben» sitzen und Spazierengehen, und, wenn auch zuletzt genannt, so wahrlich nicht am unwichtigsten, immer einmal warme Bäder und recht ost kaltes Ueberspülen des ganzen Körpers. Und im Speciellen wird Jeder gut daran thun, wenn er aus seinem Zimmer, seinem Bureau, seiner Werkstatt nicht direct ins Stammlocal geht, sondern einen größeren Umweg macht, und dabei in der frischen Luft öfters recht tief ein und ausathmet, um durch die Lungen seinem Blut mehr Sauerstoff zuzusühren und dadurch daffelbe gesünder, die Nerven widerstandsfähiger zu machen. Auch schlafe man stets in einem kühlen Zimmer, in welches freie, frische Außenlust ungehindert eindringen kann.
Aber noch ist etwas dabei zu berücksichtigen, nämlich das Esten. Wir wissen, daß, wenn wir ein alkoholreiches Getränk, z. B- Branntwein, genießen, dieser im nüchternen Magen eine viel intensivere Wirkung ausübt, als im gesättigten. Ein tüchtiger Schluck Branntwein, nüchtern genommen, erzeugt im Magen energische Wärme, ja sogar Brennen, lähmt und betäubt unsre Magennerven, während er nach einer kräftigen Mahlzeit nur ein angenehmes Gefühl, ein Wohlbehagen hervorruft. Dies muß uns auch ein Wink fürs Btertrinken sein. Biertrinken ohne krästiges Essen wirkt entschieden schädlich aus unsre Magen» nerven, ja auf unfern ganzen Organismus. Ist der Magen leer, d. h. haben die Nerven desselben Nichts zu thun, nicht die Verdauungsthätigkeit zu regeln, so kommt der Alkohol in zu direkte Berührung mit ihnen, übt ungehindert seine schädliche Wirkung aus, wir sagen: das Bier bekommt uns nicht. So mancher junge Mann, namentlich so mancher Student, hat dies schon an sich erfahren. In unbegreiflichem Leichtsinn geht er, ohne etwas Ordentliches zu essen, vom Frühschoppen zum Kaffeescat, Dämmer» und Abendschoppen über, schließlich werden die Magennerven so abgestumpft, daß sie gar nicht mehr nach Speise verlangen, er fühlt sich ganz kaput, kommt ganz herunter, und eine vollständige Wiederherstellung findet oft erst statt, wenn er in den Ferien zu Hause aus liebevoller (Muß»?) Rücksicht für die Seinigen wieder die regelmäßigen Mahlzeiten einhält. Daher sollte doch Niemand beim Biertrinken das Essen außer Acht lassen I Vor dem Trinken eine kräftige Fleischspeise, und, wenn man länger beim Bier fitzt und mehr trinkt, dazwischen immer einmal ein Stück Käse, oder, was leider noch nicht überall, namentlich fast gar nicht in Süddeutschland etngeführt ist, ein Soolei, oder auch eine Salzbretzel, oder einen Rettich. Das regt auch zugleich wieder zum Durst an. Schon aus dem Alterthum wird uns gemeldet, daß man den Rettich als Reizmittel des Durstes nicht verschmähte.
Nach jeder zu großen Erregung folgt eine Erschlaffung, nach jeder Ueberreizung eine Ermattung. So verhält es stch auch bei dem übermäßigen Genuß alkoholischer Getränke, m diesem Falle des Bieres. Daher ist am folgenden Morgen, wenn wir am Abend des Guten zu viel gethan haben, unser Nervensystem erschlafft, unsre Magennerven verweigern jede Verdauungsthätigkeit: wir haben auf nichts Appetit. Da hat uns denn schon der Instinkt und die Erfahrung gelehrt, nerven» reizende, den Appetit befördernde Mittel anzuwenden; wir genießen Häring, saure Gurken, Caviar mit Citrone und dergleichen, und trinken kohlensaures Wasser- Letztere« darf aber nicht zu kalt genossen werden, sonst schadet es mehr als es nützt. Besser ist es daher im Allgemeinen, in der eigenen
Rebaction: A. Scheyda. — Druck unb Verlag der Brühl'schen
Häuslichkeit ein Brausepulver zu nehmen mit mehr temperirtem, abgestandenem Wasser. Um den übermäßigen Blutandrang vom Kopfe auf die übrigen, von leichtem Frostschauer durch, schüttelten Glieder und namentlich auf die Verdauungsthätigkeit abzulenken, wasche man fich den ganzen Kopf anhaltend mit recht kaltem Wasser. Die große Müdigkeit taffe man nicht Herr über stch werden, sondern stehe zeitig auf und mache in der frischen Morgenluft einen tüchtigen Spaziergang. Wie wohl besonders Bewegung im Freien in solchem Zustande thut, wird Jeder, der Soldat gewesen ist, erfahren haben. Eine halbe Stunde langsamen Tritt üben oder Griffe machen, hat dabei noch nie seine heilsame Wirkung verfehlt.
Die Aufbewahrung des Obstes.
Das Winterobst mit, muß Ausnahme der grauen Reinetten, ehe man es in die Aufbewahrungsräume bringt, in einem luftigen Raume ausschwitzen.
Vor dem Einbringen des Obstes lüste man dis Aufbewahrungsräume gründlich, schließe Hann die Fenster unb schwefle durchdringend — pro Cubtkmeter Raum 1 Gramm Schwefel auf glühende Kohlen gestreut — und halte Fenster und Thüren einige Tage geschlossen. Durch das Schwefel» werden alle vorhandenen Pilzsporen vernichtet.
Gleichviel in welchen Räumen wir Obst aufbewahm, sie sollen frostfrei, gleichmäßig kühl, trocken und dunkel sck. Feuchte Räume erzeugen Schimmelbildungen, deren übler Geruch sich dem Obste mittheilt; einströmendes Licht befördert die Vergänglichkeit des Obstes.
Das gelagerte Tafelobst ist spätestens alle 14 Tage genau nachzusehen; das lagerreife Obst wird verwendet, etwa angefaultes entfernt, denn es steckt die benachbarten Früchte an. Lagerretfes Obst erkennt man am Geruch und der geänderten Färbung. Die in den Lagerraum zu bringenden Früchte sind nicht etwa abzuwischen, denn sie werden dadurch jener schwachen, wachsartigen Hülle beraubt, welche ihre Haltbarkeit bedeutend fördert.
Trauben kann man recht lange frisch erhalten, wenn man sie am Rebholze, dessen oberes und unteres Ende man mit Siegellack luftdicht verschließt, frei im Obstraum aufhängt, sie halten sich dann, waren sie recht süß, bis zum Frühjahr.
Frische Zwetschen und Pflaumen halten sich in weithalsigen, festverkorkten Flaschen, welche man ca. Vz Meter tief in die Erde eingräbt, bis nach Neujahr.
Die Aufbewahrung de» Schalenobstes soll an sehr trocknen luftigen Orten geschehen, denn sonst werden die öligen Kerne recht leicht ranzig.
Kleinere Posten Kernobst conserviren sich ganz prächtig, wenn man fie in reinem, weichen Löschpapier eingewickelt, schichtweise in kleinere Fässer legt, diese mit einem Deckel gut verschließt und fie in einen kühlen Raum stellt.
Gewöhnliches Gebrauchsobst in Wtntersorten hält sich ganz vorzüglich, wenn man es nach dem Schwitzen gleich den Kartoffeln über der Erde an trockener Stelle einmtethet, durch ein leichtes Dach und gezogene flache Gräben vor dem Eindringen von Regen» und Schneewaffer schützt. Ein strenges Ausscheiden aller irgendwie geschädigten Früchte vor dem Einmietheu ist unbedingt geboten, damit nicht von einzelnen faulenden Früchten die ganze Miethe angesteckt wird.
Erkannt. „Herr Director, hier bringe ich Ihnen ein Schauspiel, einen Act habe ich schon selbst gestrichen!
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Variante. Jung gekneipt, alt gekneippt.
ekstMS-Buch- und Steindruckerei (Piets» & Schet,da) in ENeßcll.


