Ausgabe 
15.9.1896
 
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Nr. 108

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AenSlag de« 15. September

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Falsches Spiel.

Roman von E. v. Linden.

(Fortsetzung.)

Du wirst dem Sohne meines Bruders doch kein Ver- brechen zutrauen? Das wäre fürchterlich!" erwiderte er leise, nein, Liebe, sei deshalb unbesorgt," setzte er tiefathmend hinzu,seine Eltern waren freilich leichtfinnig, aber keiner Verbrechen fähig, ja, was seine Mutter anbetrifft, so war ihr einziges Vergehen die Liebe für meinen Bruder, die ihr Pflichtgefühl gegen andere ihr nahestehende Personen ver­schlang. Ich muß mit Hans Justus sprechen, das bin ih mir und"

Er brach ab, nickte ihr zu und ging in sein Zimmer.

Hier setzte er stch schwer seufzend vor seinen Schreibtisch nieder, stützte den Kopf in die Hände und murmelte:

Ja, ich bin es mir und meinen Freunden schuldig, diesen unwürdigen Zweig meines Stammes wieder zurückzu­verpflanzen in jenen Boden, der ihn zu dem erwachsen ließ, was ihn für immer von mir und meinem Hause scheidet-"

8. Capitrl.

Ebba Regina.

Das schöne Rittergut Ltndenhagen war durch die leicht­finnige Verschwendung des früheres Besttzers, eines jungen Frei­herrn von Below, in die wucherischen Hände des Herrn Melwig übergegangen, der es verstanden hatte, ein kleine» Capital im Handumdrehen so ungeheuerlich zu vergrößern, daß er jetzt für den reichsten Grundbesttzer der ganzen Gegend galt. Wie eine Kreuzspinne hatte er seine Opfer umgarnt, bis kein Entrinnen mehr möglich und der Ruin derselben bestegelt war. Curt von Below hatte zum Revolver gegriffen. Wie viele andere seiner unglücklichen Opfer dieses Schicksal getheilt, oder am Bettelstäbe ihrem Verderben fluchten, darüber stand allerdings noch nichts in den Gerichts-Acten, desto mehr aber im Gedächtniß der Betheiligten und ihrer Freunde, während feine Geheim-Bücher die beste Aufklärung hätten geben können.

Herr Lars Melwig war kein Vollblut - Däne, sondern

aus Apenrade gebürtig. Sein verstorbener Vater war ein echter Deutscher, seine Mutter aber eine echte Dänin gewesen, welche dem Sohne ihre Gestnnung eingeflößt hatte. Lars aber entwickelte sich nach und nach zu einem famosen Schlau­kopf, der rasch den Grundsatz:Die Welt will betrogen sein 1" sich zu eigen machte, und seine bei einem Krämer erworbenen kaufmännischen Kenntnisse nicht hinter dem Ladentisch, sondern in lohnender Weise zu verwerthen wußte. Wie er seine politischen Ansichten und vaterländischen Gefühle je nach seinem Interesse umgewandelt hatte, so war er auch jetzt ein guter Deutscher, wie auch seine schöne Nichte, die Tochter seines jüngeren Bruders, der in Kopenhagen als Subaltern-Beamter eines dortigen Gerichts sich natürlich auch als echter Däne fühlte.

Nun, Fräulein Ebba Regina, welche ein sehr gutes Deutsch sprach und sich von Rechtswegen für die Erbin ihres reichen, u'nverheiratheten Onkels halten durfte, verstand es ebenfalls wie dieser ganz vortrefflich, ihre eigentliche Gesinnung, wo es nöthtg war, zu verbergen, und sich als echte Schleswig- Holsteinerin aufzuspielen. Doch war es trotz ihrer auffälligen Schönheit, ihrer Geschmeidigkeit und glatten Formen, sowie ihrem scharfen Verstände bislang nicht gelungen, Aufnahme in jene Kreise zu finden, wonach ihr ganzes Sinnen und Trachten stand, um durch eine Heirath sich den stolzen Töchtern des Adel» ebenbürtig zu fühlen. Der unglückliche Curt von Below hatte zwischen Lindenhagen und den Rittergütern der weiten Umgegend eine Scheidemauer errichtet, welche der wucherische Eindringling nicht niederzureißen vermochte.

Er hatte sich deshalb schon zum Verkaufe de» Gute» entschlossen, als Hans Justus von Alting auf der Bildfläche erschien und ihm neue Aussichten erschloß.

Ebba Regina war eine kühne Reiterin, deren tolles Wagen die Bewunderung aller Sportsmänner herausforderte. Ihr Onkel war stolz auf sie, er hielt ihr die besten Pferde und nichts war zu kostbar für seine schöne Nichte, welche den Gesprächsstoff der ganzen ritterlichen Jugend bildete. Mancher Junker hätte sich ihrethalben gar zu gern über die ver- vehmte Schwelle von Ltndenhagen gewagt, wenn ihn nicht die Furcht zurückgeschreckt hätte, in den gleichen Verruf zu gerathen.

Selbstverständlich erfuhr Han» Justu» schon in der