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Wo», diese so oft und vielbesungenen hellenischen Munde, konnten doch immer nur erreicht werden, wenn der Grieche das Meer mit dem Kiele durchfurcht hatte- Fern von ihm, empfand er stete Sehnsucht darnach. Um so freudiger jauchzte er auf und um so wärmer pulfirte das Blut in den Adern, wenn er der lieben trauten See ansichtig wurde. „Thalatta! Thalatta!" riesen jene zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung den Rückzug nach Hellas antraten, da zuerst die Gestade des Meeres vor ihren Blicken wieder auftauchten. Wenn der Hellene das Meer eher in idealem Sinne hochhielt, so wußte der Römer dafür schon seinen practifchen Nutzen zu schätzen. Er tauchte unter in die Salzfluth und suchte hier Genesung von manchem Gebrechen; er baute Landhäuser an das Ufer und sog den erfrischenden Odem mit seinen erschlafften Lungen ein. Er schuf jene bekannten Luxusbäder, von denen Geschichtsschreiber jener Zeit mit ebenso großer Bewunderung wie Entrüstung sprachen. In Bape war die „Saison" mindestens ebenso fashionabel wie in den vornehmsten Modebädern unserer Zeit. Die See war es, deren Zauber mit einer Allgewalt die Menschheit hier zusammen« flu^Das« Mittelalter büßte dafür die Beziehungen zu der See vollkommen ein. Ihm war das Meer ein Ort der Gräuel. Das Waffer wurde mit Abscheu betrachtet, die Winde, welche es peitschten, hielt man für böse Gewalten, die vom Himmel zum Verderben für die Menschheit entfeffelt waren- Die Anwohner des Meeres benutzten dieses denn auch zu Zwecken, die solcher Gesinnung entsprachen. Wie man anderswo die Menschen, wenn sie sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten, in die Gefängnifle warf oder peitschte, so begnügte man sich hier, sie in das Meer zu tauchen. Fünfzig Stock« streiche oder ein gleichgezähltes Untertauchen in das Salzwaffer bedeutete für die mittelalterliche Rechtspflege dasselbe. Da ereignete sich das Wunderbare, daß so ein armer Teufel, der dieser Strass theilhastig geworden war, dadurch Genesung vor langem Siechthum erfuhr. Er war so gebrechlich gewesen, daß er bereits dem Tode verfallen schien. Nach dem Untertauchen in das Salzwaffer gewann er Kräfte und Freude an dem Leben zurück. Diejenigen, denen er es erzählte, verlachten ihn zwar. Aber er kehrte sich nicht daran und ging immer wieder zurück an die See, um sich ihren Fluthen von Neuem anzuvertrauen. Man betrachtete ihn mit argwöhnischen Blicken, man glaubte, er sei mit dem Teufel im Bunde oder mindestens gestört in seinem Denken. Aber eines ließ sich nicht leugnen: der Mann gedieh vorzüglich dabei. Das welke Fleisch gewann Muskeln, die Brust weitete sich, sein Aussehen ward blühend. Schon damals wurde hier und da die Frage ausgeworfen, ob nicht das Meer in der That eine geheime Heilkraft besitze, und Männer der Wiffenschaft, die mit den Ueberlieferungen des clafsischen Alterthums vertraut waren, wiesen darauf hin, daß man auch schon in Rom die gleichen Wahrnehmungen gemacht hatte.
Jahrhunderte rauschten weiter in dem Strom der Unenb. lichkeit. Das Mittelalter schwand, um der Neuzeit Platz zu gewähren. Die Dichter fingen von Neuem an, auf die Schönheiten des Alterthums aufmerksam zu machen. Sie besangen die rollenden Fluthen und die schäumenden Wogen und das Firmament, das sich in ihnen spiegelt. Der uralte Zauber begann seine Wirkungen von Neuem auf das Menschengeschlecht auszuüben. Hier und dort wurde auch eine Stimme laut, welche behauptete, daß die Salzfluth im Stande sei, dem Sterblichen Krast und Gesundheit zuzuführen. Allein erst dem vorigen Jahrhundert sollte es vorbehalten sein, das Meer wieder in seine alten Rechte zu setzen. Damals wurde die Menschheit von den Skropheln heimgesucht. Die Krankheit hatte sich durch Generationen vererbt; das Blut unzäh« licher Familien war verseucht; wie ein böser Geist schritt da« Leiden einher; es machte weder vor der Hütte der Armen, noch vor dem Palast des Reichen Halt- Die Arzneikunde wußte keine Hilfe: rathlos schaudernd mußten sie zu
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverMiS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in
sehen, wie die Krankheit immer größere Kreise um sich zog. Da wollte es der Zufall, daß Jemand im Salzwaffer Heilung suchte. Er trank die bittere Fluth und badete darin; er wusch die Wunden damit und verband sie mit Seetang. Die« Verfahren brachte ihm Genesung. Einer übermittelte diese wichtige Entdeckung dem Andern; bald wimmelte die ganze Küste von Badenden, und alle fanden Heilung von ihren Gebrechen- Damit war da« Signal gegeben zu der epochemachenden Entdeckung, die seitdem die See und ihre Fluth wieder zu hygienischen Zwecken verwendet. Die erste An- regung ging von England au«. Die Küsten Albion« bedeckten sich mit Landhäusern; wo ehedem Fischerhütten gestanden, wuchsen volkreiche Orte an, die allem Comfort des Babelebens gerecht zu werden bestrebt waren. Belgien und Frankreich folgten diesem Beispiel, Deutschland. blieb nicht Zurück. Der Zauber de« Meeres konnte wieder seine Wirkung ausüben, und er ist seitdem so nachhaltig geblieben, daß keine Gefahr vorhanden zu sein scheint, er könne je wieder in absehbarer Zeit erlahmen.
Jawohl, da« Meer ist schön - immer schön - strah. lend in tausend Reizen I Aber niemals mehr als gerade in diesen Tagen des Sommers. Und unsere deutschen Küsten können sich getrost mit denjenigen anderer meffen. Wenn die Nordsee einen stärkeren Wellenschlag hat und mit fehlet Wiederkehr von Ebbe und Fluth schon an den Oeean gemahnt, zeigt die Ostsee dafür idyllischere Reize. Uralte Wälder senden ihre mächtigen Baumriesenlfast hart an den Strand, und auf dem weißen Dünensande läßt er sich gar lieblich ruhen mit Ausblick auf die crystallene Fläche, die zu unfern Füßen gebettet ist- Die Dichter besingen auch wieder die W bet See und den Zauber, den sie auf das Gemüth des Menschen ausübt. Wer es irgend vermag, eile zu ihr und netze sich in ihren Fluthen. Man braucht kein luxiösee Bad mit seinen geräuschvollen Zerstreuungen aufzusuchen. Wer- die Natur liebt, wird sich vielmehr dort am wohligsten fühlen, wo sie durch keine Nebeneindrücke in ihrem Walten und Wirken be- einträchtigt ist. Wir sagten schon oben: die Seezsei nicht so eintönig, so abwechselungsarm, wie so ost von denen, welche sie nicht verstehen, behauptet wird. Ebenso gut, wie dar feste Gerippe der Erde, hat auch sie ihre Vegetation und ihre Fauna. Auf dem Meeresboden wuchert Tang, bevölkert von purpurnen Seesternen. Anemonen^strecken ihre.^hundert in bunten Farben schillernden Fangarme ringsum, und kleine seltsamm gestaltete Fische durchstreifen bald lang am und be» dächtig, bald pfeilschnell die Fluthen. Welch Leben- wie bunt, wie anziehend - und doch nur einer vorben,vielen Reizen, mit denen „Zauberin See" die Menschheit zu feffeln weiß!
Humoristisches.
Richtige Bezeichnung- „Kamerad tragen Ver» lobungsring?" — „Ja, bin seit gestern mit der Tochter der reichen Bankiers Goldfuchs verlobt!" - „Also Rettungsring!" e ,
Neue Version. „Herr Pumphold, ich möchte Sie denn doch bitten, mir endlich die geliehenen dreihundert Mark zurückzuzahlen." — „O, sprechen Sie mit meiner Schwiegermutter !" * ,
Jägerlatein. Förster (mit recht krummen Beinen): „O, in meiner Jugend hatte ich eine tadellose Figur, die ich erst später durch — Unvorsichtigkeit verloren! Auf einem Pürschgange fiel ich nämlich in einen ziemlich tiefen Waldbach Triefend legte ich mich in die Sonne, um mich zu trocknen, schlief ein und merkte beim Erwachen zu meinem nicht-geringe» Schrecken, daß sich meine Beine - stark geworfen hatteni
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