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sich in ungemein herzlicher Weiss von den Verwandten ihres Gatten und auch sonst begegnete man der reizenden Irländerin in der neuen Heimath mit großer Freundlichkeit, während Knut Estrup der jungen Frau jeden Wunsch von den Augen abzulesen bemüht war und sie mit allen erdenklichen Be- quemlichkeiten, mit allem Comfort umgab. Aber wenn auch Asgard all diese liebende Fürsorge des Gatten und das herzliche Entgegenkommen seiner Verwandten dankbar aner­kannte, so fühlte sie sich doch von Anfang an in der neuen Heimath nicht so recht behaglich. Zu sehr hing sie mit allen Fasern ihre« Herzen« an ihrer weltentrückten Insel, als daß ihr die dänische Hauptstadt trotz all ihren Glanzes einen ge­nügenden Ersatz hätte bieten können. Sie wurde daher immer stiller und trauriger und vergebens bemühte sich Knut, seine junge Gattin, die sich ängstlich hütete, Aeußerungen über die wahre Ursache ihrer seelischen Verstimmung fallen zu lassen, zu zerstreue«, indem er mit ihr Bälle, Concerte, Theater u. s. w. besuchte und während der Wintersaison häufig Einladungen zu größeren Gesellschaften ergehen ließ. Asgard bemühte sich allerdings, nach außen möglichst heiter und unbefangen zu erscheinen, aber im Innern ihres Herzens nagte das Heimweh fort und fort. Auch eine größere Reise, welche Knut auf Anrathen seines Hausarztes beim Beginne der sommerlichen Jahreszeit durch einen Theil Deutschlands, die Schweiz und Oberttaltens mit Asgard unternahm, ver­mochte die melancholische Stimmung Asgards nicht zu ändern, sie blieb auch nach der Rückkehr nach Kopenhagen still und in sich gekehrt.

Da sprach einmal der langjährige ärztliche Berather der Estrup'schen Familie Asgard eindringlich zu und nun enthüllte die junge Frau dem Arzte, wie die Sehnsucht nach der fernen Heimath, nach deren wilbtosenden Gießbächen, ihren grünen Matten, auf welche unmittelbar gewaltige Gletscher niederschauen, nach der ganzen isländischen Natur sie förmlich verzehre und sie sich in Kopenhagen trotz allen sie umgebenden Comforts nun und nimmermehr glücklich fühlen könne. Der Arzt, welcher hinlänglich wußte, wie sehr der Isländer an seiner Heimathrinsel hängt, nahm infolge­dessen Rücksprache mit Knut und da« Ergebniß war, daß der Maler eines Morgens in das Gemach seiner Gattin trat und lächelnd zu ihr sagte:

Asgard, ich habe eine Neuigkeit für Dich wir verreisen nächstens wieder!"

Asgard schüttelte indessen das schöne Haupt und er­widerte leise:

Ich bitte Dich, Knut, laß mich hier, ich fühle in der That nicht die geringste Neigung, schon wieder in die Ferne hinauszuziehen; es ist ja auch noch nicht lange her, daß wir erst unsere Sommerreise beendigt haben."

Hm," meinte Knut,und würdest Du auch dänn hier bleiben, wenn ich Dir sage, daß die neue Reise nach Deinem geliebten Irland gehen soll?"

Nach Island?" rief da Asgard aus und warf sich jubelnd an die Brust des Gatten,wirklich nach meiner theueren Heimath? Und wann würden wir reifen können?"

In drei Wochen geht der RegierungsdampferDane- brog" nach Reykjavik," versetzte Knut,ich denke bis dahin können wir unsere Sachen eingepackt haben. Allerdings werden wir uns tüchtig rühren müssen, denn wir werden viele Kisten mitnehmen, da schließlich unsere Reise nach Is­land einer Uebersiedelung gleichkommt."

Aber das ist offenbar ein schweres Opfer, Knut, das Du mir hiermit bringen würdest," äußerte Asgard und sah den Gatten zweifelnd an,ich kann und darf nicht verlangen, daß Du bloß mir zu Liebe Dich auf unserer einsamen Insel förmlich begräbst, der Du ja alle Bequemlichkeiten und Ge­nüsse der Ctvilisation gewohnt bist, und darum"

Beruhige Dich nur, Schatz," unterbrach Knut seine Gattin, einen Kuß auf deren reine Stirn drückend,ich bin auch nicht gesonnen, das ganze Jahr über auf Island zu bleiben, sondern einige Monate davon mit Dir stets in

Kopenhagen zu verleben. Und nun komm, wir wollen gleich das Nöthige wegen der mitzunehmenden Sachen besprechen."

Nach vier Wochen warf derDanebrok" an einem frischen, klaren Octobermorgen Anker in der Bucht von Reykjavik und landete sseine wenige Passagiere, unter ihnen auch Knut und Asgard. Nachdem die nöthigen Anordnungen wegen des Gepäcks getroffen worden waren, schritt das junge Paar der Wohnung des alten Larffen zu, der von der is­ländischen Reise seines Schwiegersohnes und seiner Schwieger­tochter natürlich keine Ahnung haben konnte und darum dieselben hocherfreut begrüßte, auch Milka und Björne em­pfingen die unerwarteten Ankömmlinge jubelnd. Knut kaufte sich alsbald ein hübsches Häuschen in Reykjavik und verlebte mit Asgard, welche jetzt sichtlich wieder aufblühte, nicht nur den ganzen Winter, sondern auch die Zeit bis zum nächsten Herbst auf Island, theils sich seiner Kunst widmend, theils Larffen in dessen Wirthschaft helfend. Mit dem letzten im Spätherbst nach Kopenhagen abgehenden Regierungsdampfer verließ dann Knut die Insel abermals, um mit Asgard die Wintermonate in Dänemark zuzubringen, freudigen Herzens folgte aber diesmal Asgard dem Gatten nach Europa, wußte sie nun doch, daß sie im kommenden Frühjahr ihr geliebtes Island wiedersehen würde.

Zauberin See.

Von Klaus Menger.

------- (Nachdruck verboten.)

Das Meer ist immer schön, wenn man auch sein Gestade betreten mag! Wer behauptet, daß hier Eintönigkeit herrsche, hat eben kein Verständniß für das wunderbare Naturschau- spiel, das sich vor seinen Blicken vollzieht. Ob nun die Wogen hochgehen, gekrönt mit Gischt, und sich krachend an dem Gestein des Ufers brechen oder ob sie leicht auf- und niedertanzen, wie tändelnd miteinander, wie kosend mit jenem geheimen Willen, den der Mensch nicht wahrzunehmen, noch zu deuten vermag. Aber selbst die ruhige See ist reich an Abwechselungen aller Art. Denn so gleichmäßig sind die Wellen nicht, daß sich nicht die eine von der andern characte- ristisch unterschiede. Man muß nur ein Auge haben für die wunderbare Formation derselben, für die Art und Weise, wie sie sich bilden und schließlich mit leisem Gemurmel am Ufer verlaufen. Und selbst wäre die smaragdene Fläche unbeweglich, wie ein Gestein, so würde sie darum doch nicht der Abwechselung entbehren. Denn die Wolken droben am Himmel spiegeln sich ununterbrochen in ihnen, und wie sie selber niemals rasten und ruhen, so ist auch das Bild, welches die Wellen wiedergeben, fortwährend ein andere«, neues. Steigt aber der Mond auf und gießt er seine silbernen Fluthen über das All, so wird auch da« Meer davon befruchtet. Es glimmt und leuchtet, es flackert und glüht; es ist in einen Zauber getaucht, der unfern Blick fesselt wir müßten denn so gefeit gegen die Schönheiten der Natur sein, daß sie von uns wie von einerdreimal gepanzerten Brust" zurückprallen.

Kein Wunder, daß die Menschheit so gerne hierher pilgert und die Fluthen, die so verführerisch murmelnd an sein Ohr tönen, zu ihrer Erholung und Kräftigung aussucht. Der hygienischen Wirkung, welche die See ausübt, wollen wir hier nicht weiter gedenken; sie ist allzubekannt und zu oft geschildert worden, als daß wir von Neuem darauf zurückkommen möchten. Allein nicht immer war die Heilkraft des Meeres dem Men­schen so vertraut, wie es heute der Fall ist. Es gab Zeiten, wo man vom Meer durchaus nichts wissen wollte, wo man es verabscheute und jede Berührung mit ihm mied, weil man der Meinung wär, daß die Salzfluthen dem Meere allerhand bösen Zauber anzuhaften versuchten. Diese Anschauung dauerte mit eherner Gewalt während des ganzen Mittelalters an. Das Alterthum freilich hatte eine bessere, verständigere Ansicht von der See und ihren wunderthätigen Kräften. Den Hellenen war sie vertraut wie eine liebe Freundin. Die Stadt der Pallas Athene spiegelte sich in den azurblauen Fluthen de« Aegeischen Meere«. Delos und Salamis, Cppern und