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Vergeblich versuchte er die in seinem Herzen mächtig auf» sproffende Liebe zu Asgard ntederzukämpfen, indem er es so viel wie möglich vermied, mit dem geliebten Mädchen allein zu sein und seine Ausflüge in die Umgebung Reykjaviks verlängerte. Aber wo immer er auch weilte, stets stieg vor seinem Auge da« Bild Asgards auf und ihr seelenvolles Lächeln folgte ihm selbst bis in den Schlaf. Da faßte Knut den Entschluß, bei der ersten Gelegenheit Asgard seine tiefe Neigung zu gestehen und als er die Geliebte eines Abends allein im großen Wohnzimmer des Haules antraf, da führte er fein Vorhaben aus. Tief senkte Asgard den schönen Kopf, als die glühenden Liebesworte des jungen Malers an ihr Ohr fchlugen, nachdem er jedoch mit der Frage geendet, ob er auch auf Gegenliebe rechnen dürfe, da richtete fich das Mädchen auf und reichte Knut wortlos, aber mit einem strahlenden Blicke, beide Hände, und mit einem stürmischen Jubelrufe zog er Asgard an feine Brust, der Herzensbund zweier Liebenden war geschloffen.
Da Asgard indessen darauf bestand, daß ihr Vater sofort um das Vorgefallene wissen müsse, fo theilte der Maler noch spät am Abend, als sich Asgard mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, der fünfjehnzährigen Milka und dem zwölfjährigen Björne, zur Ruhe begeben hatte, und Knut mit dem alten Larssen allein am Tische saß, dem Vater Asgard« Alles mit. Zur Ueberraschung des jungen Manne» bemerkte jedoch Larssen lächelnd, er erfahre eigentlich von seinem Gaste kein Geheimniß, denn daß demselben Asgard nicht gleichgültig sei und daß auch Asgard den fremden Maler mit Wohlgefallen betrachtete, das habe er alter Kerl schon längst gemerkt. Dann meinte der Isländer jedoch weiter:
„Meine Asgard gebe ich Dir von Herzen gern, Knut, Denn Du bist ein braver, tüchtiger Junge und ich hoffe, daß Du mir in meiner Wirthschaft ein tüchtiger Beistand werden wirst, zumal ich doch anfangs, alt zu werden."
„In Deiner Wirthschaft, Vater Larssen?" rief da Knut erstaunt aus und schüttelte den Kopf, „nein, nein, das geht nicht. Ich kann meine Kunst, meine Bilder nicht im Stich lassen, Asgärd muß mir darum nach Kopenhagen folgen und Du darfst versichert fein, daß ich ihr ein traute» Heim bereiten werde und daß meine Verwandten sie liebevoll ausnehmen werden."
„So?" entgegnete Larssen und es legte sich wie ein Schatten auf sein ehrlich derbes Gestcht- „Da wird also wohl Milka in meinem Haushalt für ihre Schwester einzutreten haben und ich werde zusehen müssen, wie ich auch fernerhin mit der Leitung meiner Angelegenheiten fertig werde. Freilich, leicht scheidet Asgard gewiß nicht von Island, das weiß ich, aber sie wird dem Manne ihrer Wahl übers Meer nach der neuen Heimath folgen, wo dem guten Kinde hoffentlich nur glückliche Tage beschieden sind. Ich denke aber, Ihr laßt Euch bald trauen und werde ich deshalb gleich in den nächsten Tagen mit dem Bischof Rücksprache nehmen. Dann bleibt Ihr bis zum Abgänge des Regierungsdampfer» im Herbst noch unter meinem Dache, so daß ich Asgard wenigstens noch etwas genießen kann. Und nun komm, wir wollen auch zur Ruhe gehen. Ueber Deine Verhältnisse kannst Du mir morgen nähere Ausklärung geben."
Dies geschah denn auch am nächsten Morgen, und erfuhr Larssen hierbei von seinem zukünftigen Schwiegersöhne, daß derselbe bemittelt sei und seinen Malerberuf nur au» Liebe zur Kunst ausübe. An einem der folgenden Tage ging dann Larssen zum Bischof von Reykjavik und vereinbarte mit ihm das Nähere wegen der Trauung Asgards mit Knut. Dieselbe fand, nachdem alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen worden waren, Ende IM statt, und bei der sich anschließenden Hochzeitstafel zeigte der alte Larssen, daß er für isländische Verhältnisse ein recht vermöglicher Mann sei, wofür die Zahl der bewirtheten Gäste und das ausgezeichnete Hochzeitsmahl sprachen. —
Der Spätherbst war gekommen und mit ihm die Zeit, da Asgard Abschied von der geliebten Heimathsinsel nehmen und dem Gatten nach dem fernen Kopenhagen solgen sollte.
Jeden Tag spähte man nach dem „tzödur" entgegen und wirklich lief auch an einem heiteren Novembertage das Regierungsschiff wieder in die Bucht von Reykjavik ein, jedoch nur zu achtägigem Aufenthalte, wie der Capitän des „Hödur" beim Landen erklärte; dann blieb also Island auf Monate hinaus wieder ohne Kunde von der Außenwelt. Knut Estrup ließ sofort für sich und seine junge Gattin Plätze auf dem „Hödur" für die Ueberfahrt nach Kopenhagen belegen und nur allzurasch verstrich die kurze Woche bis zu dem bestimmten Abfahrtstage. Endlich schlug für Asgard die Stunde der Trennung vom Elternhause, weinend küßte st« immer und immer wieder Bruder und Schwester, um dann im nächsten Augenblick schluchzend an der Brust der Vaters zu liegen, dessen mildem Zureden es endlich gelang, die Erregte einigermaßen zu beruhigen
Kurz, aber ebenfalls herzlich, war der Abschied zwischen dem alten Larssen und seinem Schwiegersöhne. Zuletzt überreichte der Isländer dem Maler ein schweres Kästchen, das äußerlich sehr einfach aussah; wie erstaunte aber Knut, als ihm aus dem Kästchen, nachdem Larssen den Deckel zurückgeschlagen hatte, goldenes Geschmeide, alte goldene und stlberne Münzen, Perlenschnüre, Brillanten und andere Edelsteine entgegenfunkelten! Larssen weidete sich einen Augenblick an der Ueberraschung des jungen Mannes, dann aber sagte er erläuternd:
„Du weißt, Knut, daß mein Hauptvermögen in meinen Ländereien und in meinen Heerden besteht, und daß ich nur über ein wenig baares Capital verfüge, von dem ich meiner Asgard nicht» mitgeben kann. Dennoch soll man bei Euch zu Lande nicht sagen können, Asgard Larssen h rbe von ihrem Vater keine Mitgift bekommen. Wie ich in meinen jüngeren Jahren ein eifriger Seefahrer war und von meinem Aufenthalt an fremden Küsten manche Schätze mit nach Hause gebracht habe, so waren auch schon meine Vorfahren in ihrer Jugend Seeleute und brachten von ihren Fahrten ebenfalls mancherlei Kostbarkeiten mit heim. So hat sich auf diese Weise bei den Larssen» ein ziemlich stattlicher Familienschatz angesammelt, den ich jetzt zum ersten Male angreife, indem 'ich einen Theil davon Dir in diesem Kästchen al» Mitgift für Asgard überliefere. Still," wehrte Larssen die Dankerbezeugungen des jungen Dänen ab, „dis Sache ist abgemacht — und nun wollen wir zum Dampfer gehen!"
Bald standen Knut Estrup und feine junge Gattin, umgeben vom alten Larssen und den beiden Geschwistern Asgards, am Strande von Reykjavik- Es folgte eine nochmalige Abschiedsscene, dann bestiegen die Gatten das Boot, welches fie hinüber zum „Hödur" trug, der schon „Dampf" aufgemacht hatte, sodaß mächtige schwarze Rauchwolken seinen zwei Schloten entquollen. Es war eigentlich alles zur Abfahrt bereit, man wartete nur noch auf den Capitän, der noch nicht von seinem letzten Besuch in der Stadt Reykjavik an Bord zurückgekehrt war. Jetzt stieß indessen die Capitänr» jölle mit dem Befehlshaber des „Hödur" vom Lande ab, um, gerudert von kräftigen Matrosenhänden, in der nächsten Minute am Dampfer anzulegen. Flink stieg der Capitän die Falltreppe herauf an Bord, wo ihm schon der erste Steuermann mit der Meldung entgegentrat, daß das Schiff zur Abfahrt fertig sei. Der Capitän gab das Abfahrtszeichen, die Maschinen begannen zu arbeiten und unter den Zurufen der am Ufer versammelten Menge verließ der „Hödur" die Bucht. Knut und Asgard standen auf dem Deck des Dampfers, mit ihren am Lande zurückbleibenden Lieben Zeichen und Grüße tauschend, bis endlich nicht» mehr vom Strande zu entdecken war. Nachdem der „Hödur" Cap Skagi passtrt, blieb nur noch die Rauchwolke des Hekla sichtbar, bis auch diese am Horizont verschwand, indeß das Schiff rastlos feine Bahn weiter verfolgte.
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Nach einer ohne besondere Zwischenfälle zurückgelegten Ueberfahrt von zehn Tagen langte der „Hödur" in Kopen- , Hagen an, wo Knut und Asgard von den Verwandten des ersteren bei der Landung empfangen wurden. Asgard sah


