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ztvifchen dem »erfolgten Wild und bett beiden Hunden abermals ein scharfer Kampf toben mußte. Beschleunigten Schrittes wandte ich mich der Richtung zu, von welcher her der Lärm ertönte, noch aber hatte ich die Stelle des muthmaßlichsn Kampfe« nicht erreicht, als das wüthende Gebell der Hunde mit einem Male schwächer wurde, um dann ganz aufzuhören. Befremdet arbeitete ich mich mit möglichster Schnelligkeit durch das mir entgegenstehende Unterholz hindurch und erreichte jetzt eine Waldblöße, in deren Mitte der Elenbock stand, mit Geweih und Hufen den Körper de« einen Hundes bearbeitend, der offenbar schon verendet, vor dem zur höchsten Wuth gereizten König des Waldes lag, der andere Hund schlich sich eben mit eingezogener Ruthe durch das Holz davon, die Blutspur, welche er hinterließ, bewies, daß auch er Wunden in der Schlacht mit dem siegreich gebliebenen Feinde davongetragen hatte.
Bei meinem Erscheinen auf dem Plane stutzte der Bock einen Moment und trottete dann langsam in den Wald hinein, ebenfalls Blutspuren htnterlaffend. Ich prüfte meine Lefaucheux-Doppelbüchse, machte sie zum sofortigen Gebrauch fertig, lockerte das Patronen-Etui in der äußern Brusttasche de» Jagdrockes und folgte dem durch die Bisse der Hunde augenscheinlich verletzten Wilde. Bi« auf etwa siebzig Schritt war ich ihm nahe gekommen und schwenkte dann etwa« zur Seite ab, um ihm meine Kugeln auf» Blatt setzen zu können, da wandte sich das Thier herum und bot mir gerade die Brust dar. Ich feuerte zuerst den linken Lauf ab, fehlte aber in Folge meiner Erregung, die zweite Kugel traf allerdings, ich hatte jedoch zu tief gezielt und das Elen nicht in die Brust getroffen, sondern dasselbe an der Schulter verletzt. Durch diese Schußwunde wurde der Bock jedoch in unbändigen Grimm versetzt, er legte das schwere Geweih zurück und kam auf mich mit einer Schnelligkeit losgestürmt, die ich dem plumpen Thtere nimmermehr zugetraut hätte. Ich war durch die unerwartete Offensivbewegung des Gegners völlig überrascht worden, so daß ich nicht mehr die Zeit fand, neue Patronen in die abgefeuerten Läufe des Gewehres einzuschieben. Vorerst mußte ich vielmehr mein Heil in der Flucht suchen, weshalb ich mich umwandte, um auf einer nicht weit von mir entfernt stehenden starken Tanne, deren Aeste glücklicher Weise etwa einen halben Meter über dem Boden begannen, Schutz vor meinem zornigen Verfolger zu suchen. Auf dem Wege nach dem rettenden Baume strauchelte ich über den Stumpf eines Baumstammes, den der Schnee zugeveckt hatte und ich schoß kopfüber-in eine mit Schnee dicht gefüllte Niederung hinein. Mit merkwürdiger Geschwindigkeit raffte ich mich wieder in die Höge, die abge- schossens Büchse krampfhaft in der Rechten haltend, sprang in wahren Riesensätzen durch den Schnee und erreichte den Tannenbaum, während ich hinter mir da« Schnauben des Elen« vernahm. Den Riemen der Büchse mir jetzt um die eine Achsel werfend, ergriff ich mit beiden Händen einen der untersten Aeste des Baumes, um mich an dem Baume in die Höhe zu schwingen, trotzdem daß mir hierbei die langen Schneeschuhe sehr hinderlich waren. Aber meine starr gewordenen Hände glitten an dem eisbedeckten Aste ab und einen nochmaligen Versuch durste ich nicht wagen, das Elen war schon so nahe hinter mir, daß es mich noch während meine« Emporklettern» an dem Baume mit dem Geweih sicher erreicht haben würde.
E« blieb mir also nichts übrig, als hinter der Tanne einstweilige Deckung zu suchen, und kaum war die» geschehen, so erzitterten auch die Zweige des Baumes infolge des wuchtigen Anpralles, mit welchem da» jetzt gesenkte Geweih des Bockes an den Stamm streß. Ein feiner Regen von Etsnadeln und Schnee riefelte aus den Aesten auf mich herab und verhinderte mich, zunächst die Situation zu Übersetzen. Als sich der Schneestaub verzogen hatte, erblickte ich das Elen in einer Entfernung von drei ober vier Schritt von der Tanne stehen, den Baum mit wuthfunkelnden Augen
betrachtend, inbeß sich da» lang«, steife Haar des Thiers» vor Grimm zu sträuben schien. Flink griff ich nach dem Patronen-Etui, um wieder zu laden und den Bock in dieser Nähe niederzustrecken, aber tiefer Schreck erfaßte mich, denn die Brusttasche des Jagdrockes war leer, das Patronentäschchen mußte herausgeglitten fein, als ich vorhin in dis Schneegrube gestürzt war. Was sollte ich nun thun, da ich doch mit der ungeladenen Büchse dem wüthenden Elen unmöglich zu Leibe gehen konnte? Ich überlegte hin und her und kam zu dem Entschluß, mich „nach rückwärts" zu „con- centriren," nur war es mir noch einigermaßen unklar, wie ich dies bewerkstelligen sollte, ohne von meinem Feinde sofort bemerkt zu werden. Der nächste dicke Baum, der mich vor einem Geweihstoß meines Gegners schützen konnte, war von meinem Standort mindesten« dreißig 'Schritt entfernt, und es erschien mir zweifelhaft, ob e» mir gelingen würde, diese Strecke mit meinen Schneeschuhen zurückzulegen, ehe mich der Bock zu erreichen vermochte.
Die Situation begann mir allmählich unangenehm zu werden, zumal das Elen keine Miene machte, seine mich förmlich blockirende Stellung aufzugeben. Höchsten» schüttelte e« sich ein paar Mal unter starkem Schnauben, und warf dann den Schnee mit den Hufen feiner Hinterbeine mit solcher Kraft empor, daß er in hohem Bogen durch die Lust sauste, aber dabei blieb der Bock vor dem Baume stehen, hinter welchem er mich verborgen wußte. Ich versuchte jetzt, durch laute» Schreien den Bock zu veranlassen, den Rückzug anzutreten, außerdem hegte ich die leise Hoffnung, daß meine beiden Gefährten mein Rufen vielleicht hören und mir antworten würden. Leider hatte mein Rufen weder nach der einen noch nach der anderen Richtung hin Erfolg.
(Schluß folgt.)'
Literarisches
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Bonder Zeitschrift für häusliche Kunst: „Liebhaberkünste" (Verlag R. Oldenbourg, München) liegt uns das neue, wiederum äußerst inhaltsreiche und gediegen ausgestattete Heft vor. — Das eine der großen Kunstblätter ist den in zartem Kobaltblau gehaltenen Vorlagen für Delfter Malerei gewidmet, die neuerdings so in Aufnahme kommt. Stille Wafferbilder, Windmühlen, sanftgleitende Boote — alles an die alten holländischen Originale sich anlehnend, aber in freier moderner Pinselführung. Modern auch die Umrandung von stylisirten Wasserrosen, Seetang, Schilfkolben und Binsen. Das zweite Blatt enthält die sehr huinorvolle Vorlage zur Ausschmückung einer Hausapotheke in Brandmalerei, event. theilweiser Schnitzarbeit. Im Text fesselt zuerst die anregend geschriebene Studie über Lampenschirme, welche uns zugleich die historische Entwicklung des gesammten häuslichen Beleuchtungswesens vorführt. Reich mit erläuternden Illustrationen versehen, beweist sie, daß dies einst anspruchslose „Nichts", welches uns bei der blendenden Helle der jetzigen electrischen und Gasglühlicht- Lampen unentbehrlich geworden ist, gleichfalls zum reizenden Kunstwerk gestaltet werden kann, wenn Phantasie und guter Geschmack die geschickten Hände dirigiren. Anweisung zur italienisch en Netzstickerei, eine neue, anscheinend sehr wirksame Brennarbeit auf Leder, Fächertaschen, die vielseitige Verwendung der kleinen Bildchen des Abreiß-Städtekalenders als Vorlagen werden allen Dilettantinnen hoch willkommen fein. Für diejenigen unter den Leserinnen, die „mehr Künstler als Liebhaber" sind, ist auch wobl die Farbentafel — eine äußerst, naturgetreu aus- geführte blühende Begonie — bestimmt. Dieselbe für Gebrauchsgegenstände zu „stylisiren", dürfte eine zwar dankbare, aber keine leichte Aufgabe sein. Jedenfalls können allen Damen, welche Freude am Schönen haben und die häusliche Kunst pflegen — einerlei ob zum Erwerb, zum Unterricht oder zum Schmuck des eigenen Heims — die „Liebhaberkünste" warm empfohlen rden. Der verhältnißmäßig geringe Preis ermöglicht wohl Jeder das Abonnement.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und 8erlag der Brühl'schen UrnverMtS-Bnch- und Gteindrnckerei (Pietsch & Scheydal in Gieß«»-


