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Land, gleich willkommen in Palast und Hütte. Um nun den geschickten Arbeitern für ihren reizenden Weihnachtsschmuck den nöthigen Absatz zu stchern, haben fich unter Führung des Ortsgeistltchen (Pfarrer Roth) einige Männer zusammen« gethan, die ohne jeden Nutzen für sich zu Gunsten der Arbeiter den Vertrieb in die Hand genommen haben. Schon waren die Vorbereitungen für den diesjährigen Versandt getroffen, schon standen Tausende gepackter Kistchen zur Ab» sendung bereit — da wurde plötzlich Mitte October Pfarrer Roth aus diesem Leben abgerusen. Aber das von ihm mit unsäglicher Mühe geschaffene Werk soll fortbestehen und seine treueste und beste Gehilfin, die Frau de» Verstorbenen, hat den Bitten nachgegeben und für dieses Jahr die Leitung der Versandes übernommen. — Es werden Kistchen abgegeben zum Preis von 4, 5 und 10 Mk. und Bahnkisten zu 20 Mk- frei inel. Verpackung. Die Kisten enthalten geschmackvolle Sortimente de» Christbaumschmuckes. Bestellungen, denen man den Betrag beifügen wolle, stnd zu richten an Frau Pfarrer Roth, Steinheid in Thüringen. Die Käufer werden ihre Freude haben an dem herrlichen Christbaumschmuck, der alljährlich wieder von Neuem Verwendung finden kann. Gleichzeitig aber tragen dieselben dazu bei, daß in jenem hochgelegenen Dörslein, welches der!Winter meist t ef in Schnee zu betten pflegt, ein freundliches Wtzihnachtslichtlein am Christabend leuchtet in den kleinen Häuschen, in welchen fleißige und geschickte Hände thätig sind vom srühen Morgen bis zur sinkenden Nacht.
Vevn Echtes.
Eine Bitte von der Höhe des Thüringer Waldes. Auf der höchsten Höhe de» Thüringer Walde» liegt da» Dorf Steinheid, dessen freundliche» Kirchlein weit hinaus grüßt in's Land. Die fleißigen, in hohem Grad genügsamen Bewohner haben bi» vor wenig Jahren eine Speeialität der Holzwaarenindustrie, die Schachtelmacherei, betrieben. Dieser Industriezweig ist durch die Metallwaaren» Industrie vollständig lahm gelegt worden und al» Ersatz wurde die Anfertigung von Glaswaaren eingeführt. Der reizende Christbaumschmuck au» Gla», dessen Silberspiegel den Schein de» Weihnachtsbaumes tausendfach zurückgiebt oder dessen schöne Farben fich malerisch abheben vom dunklen Tannengrün, ist e», der von dieser Höhe hinauszieht in da»
Humoristisches.
Schlagfertig. Eine bekannte Wiener Pianistin, die sich auch zugleich durch äußerst schlagfertigen Witz auszeichnet, befand sich jüngst in einer Gesellschaft. Im Laufe de» Abends kam sie neben zwei Damen zu fitzen, die die Künstlerin offenbar nicht kannten. Das Gespräch kam auf Musik. .Sie find wohl Künstlerin?" fragte das etwas ältliche „junge Mädchen , vie « leicht Klavierspielerin?" - „O durchaus nicht" wehrte de Mama, „meine Tochter ist Malerin! Das", setzte sie, stolz den Kopf erhebend, hinzu, „das ist doch wenigstens eine Kunst, die die Ohren nicht beleidigt." - „Aber die Augen!" erwiderte die schlagfertige Vtrtuofin. Sprach» und überließ die verblüffte Person dem Gelächter der Umstehenden.
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Wenigstens etwas. Erster Schusterjunge: „Nu Frede, wie gefällt Dir'« denn bei Deinem Meester? Kriegst Du denn ooch satt zu essen V - Zweiter Schusterjunge: „Satt schon, aber niemals Fleesch. Vom Schweine bekomme ich immer nur die Borsten zu sehen, die ich an den Schusterdraht setze -
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Mit eigenenWorten heimgezahlt. Ein Dichterling stürmt in das Zimmer eines Redacteurs hinein, dem er verschiedentlich litterarlsche Arbeiten zugesandt hat, ohne daß sie angenommen wurden. „Nur ein paar Worte, Herr Doctoi: i Ein famoser Gedanke." — Redakteur (ihn unterbrechend): „Gedanke, Geh? Geh, danke!"
Herr Attache erlauben, eine weitere Probe davon zu geben? Ich möchte darauf schwören, Herr v. Fröden werden nach Ablauf diese» Urlaubs um die — Wiederversetzung einkommen." ,
Fröden erröthete jetzt wie ein junges Mädchen.
„Nicht übel gerathen!" mußte er zugeben.
„Und dann werden Sie mir eine Mittheilung machen, die Ihnen - wie ich mir schmeichle - jetzt im Augenblicke nicht ganz leicht fallen würde. Aber - er muß ja sein, und es ist Ihnen gewiß lieber, wenn ich's selber gleich ausspreche: Herr v. Fröden müssen an meine — Entlassung denken."
I tzt war der Attache starr.
„Og, ich müßte ja keine Ahnung von - Tact Haben, gnädiger Herr, wenn ich da« nicht ganz selbstverständlich fände I Eo wenig ich Ihnen jetzt auf diese Urlaubsreife folgen darf, so wenig kann ich fernerhin bei Ihnen bleiben. Die gnädige Frau — Frau v. Fröden, mein' ich — kann sich ja durch meine Person nicht immerfort an eine gewisse abscheuliche Geschichte erinnern lassen."
Fröden war gerührt. „ m ,, „ .
„Schau, schau — so eine delicate Beurtheilung der Dinge härt' ich Dir gar nicht zugetraut . . •!"
Dann folgte er seinem augenblicklichen Impulse und — reichte dem Diener zu herzlichem Danke die Hand.
„Du bist ein Goldkerl, Nazi! Ich will mich Dir au- erkenntlich zeigen - Dir gebührt ja auch eigentlich noch ein - Advocatenlohn, mindestens aber eine Entschädigung für die Gelder, die Du in einer gewissen Sache aufgewendet hast. Uebermorgen soll Dir mein Bankier zehntausend Mark au», zahlen. Damit kannst Du was anfangen, Dich selbstständig machen. Würdest Du nicht am liebsten zu Deinem Metier zurückkehren — mit einem gut eingeführten Geschäfte in Deiner Heimath, wie?" ~
Nazis Augen leuchteten in trunkener Seligkeit. ,,O Gott, o Gott! Sie sind die Güte selbst, Herr Attachs! Aber wenn's Ihne« gleich ist — dann möcht' ich doch viel lieber hier bleiben." „ , 0„
Was, in Wien? Du wolltest in Wien bleiben?
Nazi nickte mit einem seelenverg,rügten Schmunzeln. „Es gefällt mir da famos. Und ich wüßr' auch 'chon ein puffendes Local — gleich da drüben in der Kärthnerstraße ist ein Laven zu vermiethen, wie ich mir ihn schöner nicht denken könnt'. Ja, so ein nettes Friseur - G'fchästerl — und ein nettes Weiberl dabei ..."
Hier schlug fich der Bursch auf den Mund und wollte fich zur Seite drücken, aber der Attachs erhaschte ihn noch rechtzeitig und zupfte ihn lachend am Ohrläppchen.
„Wie, wa«, Du kleiner Schwerenöther? Du dächtest au'« — Heirathen? Potztausend! Da hast Du vielleicht sogar auch schon — eine Braut dazu?"
„Ja, meiner Treu!" gestand der Nazi mit breitem Grinse«. „Die hält' ich auch schon, wenn Sie gestatten...
Literarisches
Billige Wintermoden. Die Mode vereinfacht sich, die Aermel erhalten wieder normalere Formen, die Röcke sind enger, werden jedoch mit Borden- oder Bandgarnirungen geputzt. Die Abendkleider zeigen sehr häufig plisirte Schöße und originell arrangirte Aermel. Es ist ein großes Verdienst der „Wien«« üRoöt*, diese neuen, elegante Formen durchgesetzt zu haben. (Siehe das soeben erschienene Heft 4 der „Wiener Mode" zu 45 Psg, das in allen Buchhandlungen erhältlich ist.) Das Abonnement dieses Blattes ist auf das Beste z empfehlen, da sich die „Wiener Mode" durch die Gratisschmtte nach Maß billiger als alle anderen Modejournale stellt und den Abonnentinnen hilft, sich elegant, practisch und billig zu kleiden.
Nrdaclion: «. Schehda. — Druck und »erlag der Brühl'schm UniverfikStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Tcheyda) in ®te|en.


