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könnten; sie hatte nie dergleichen gesehen oder davon sprechen hören-
„Die Tafelaufsätze — ich erinnere mich wirklich nicht, wo ich sie aufgehoben habe ... in einer Schublade vielleicht," sagte sie heftig erröthend.
Zum Glück half ihr ein Wagen, der eben vorfuhr, über die peinliche Situation hinweg.
„Seine Ehrwürden Harastm Piesek," meldete Pavel mit tönender Stimme. Aber man sah an dem verächtlichen Ausdruck seines Gesicht», daß sich sein Mund niemals daran gewöhnen würde, solche plebejische Namen auszusprechen.
Der Seminarist wurde in das zum Empfangszimmer bestimmte Gemach geführt, wohin Thymoftäus, der aus seiner eigenen Stube vertrieben war, sich geflüchtet hatte, um sich zu rafiren.
„Sie entschuldigen, nicht währ? An solch' einem Tage weiß man nicht, wohin man sich verkriechen soll."
„Ja, ja, das ist gleichgiltig."
Harasim schien etwas auf dem Herzen zu haben.
„Ich bin ein wenig früher gekommen, weil ich mit Ihnen allein etwas besprechen wollte. Es handelt sich um meins Verheirathung mit Ihrer zweiten Tochter. Bis jetzt habe ich da» Geheimniß geduldet, mit dem Sie meine Absichten zu umgeben für gut fanden, aber heute wird eine große Zahl von Geistlichen versammelt sein und ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß ich es für ungefällig, ja für unzart mir gegen» über halten würde, wenn Sie fernerhin bei diesem Stillschweigen beharren wollten, dar ganz sonderbar ausgelegt werden kann. Ich denke nicht, daß Sie sich einer Verbindung mit mir schämen, aber ich versichere Ihnen, daß man es fast glauben könnte. O, erlauben Sie, ich kenne alle Ihre politischen Bedenken. Da» hindert nicht, daß mir daran liegt, Ihnen allen Beiden hier ganz laut zu versichern, daß meine Familie bestimmt ebenso viel werth ist als diejenige Rayrkis, de» Thierarztes."
Alles dies wurde in trockenem Tone und nicht ohne Bitterkeit vorgebracht.
Der Priester und seine Frau wechselten entsetzte Blicke. Sie begriffen sehr wohl, daß sich weigern so viel wie brechen hieß. Mit weiblicher Geschmeidigkeit streckte ihm Diotyma sehr herzlich beide Hände entgegen, die er jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung ergriff.
„Mein lieber Schwiegersohn," sprach sie, das Wort betonend, „Sie kommen unseren Wünschen entgegen. Gerade gestern Abend sagte Thymoftäus zu mir: Was für eine schöne Gelegenheit wäre es, bei Fronyas Hochzeit die Verlobung unserer Binia zu veröffentlichen."
„Jä, ja, das sagte ich," murmelte der Priester lächelnd.
„Nun gut," erwiderte der Seminarist kalt, „das ist Alles, wa» ich wissen wollte."
Dann hüllte er sich bequem in fein weites Amtsgewand, setzte sich Thymoftäus gegenüber und fing eine politische Dis« cusfion mit ihm an.
Sogleich begab fich Diotyma mit der ganzen Schnelligkeit, die ihr ungeheurer Umfang zuließ, in das Zimmer der jungen Popadiankas und sank dort aufgeregt und ziemlich außer Athen» in einen Sessel.
Eben hatte ein ernster Zwischenfall die jungen Mädchen in Aufruhr versetzt. Sofronya» Taille, die entschieden zu eng war, war an den Nähten geplatzt und die schöne Braut stampfte zornig mit den Füßen. Aber als sie nun vernahm, was ihre Mutter herführte, kannte ihre Wuth keine Grenzen mehr.
„Der reine Teufel, dieser Harastm, der bringt uns sicher noch Unglück I Er hat sich einmal vorgenommen, meiner Verheirathung hindernd in den Weg zu treten, denn ich weiß es bestimmt, daß er auf Vincenz eifersüchtig ist, ohne ihn zu kennen. Aber wenn etwa» passtrt, sollst Du mir'» entgelten, Binia!"
Und in ihrer Verzweiflung riß sie fast die Haken von ihrer Taille.
„Ach, wie viel besser hätte Papa gethan, diesen scheußlichen Unglücksvogel lausen zu lassen und den Anderen anzu
nehmen, den Förster, für den Herr Thaddäus neulich um Binia angehalten hat; Du weißt doch? Ja, ich hätte einen einfachen Bauern noch tausendmal lieber gehabt, als diesen orthodoxen Herrn, vor dem ich mich fürchte."
Und ohne im mindesten die ängstlichen Zeichen zu beachten, mit denen ihre Mutter sie warnte, fuhr sie fort: „Wäre so ein Mann nicht gerade gut gewesen für die einfältige Binia?"
„Ich bitte Dich, Fronya," flehte die Mutter, „sei doch ruhig, mein Kind. Ich weiß nicht, was Du von dem Förster sprichst, das hast Du gewiß geträumt."
„Geträumt! Als hätte ich nicht neulich alle Deine Geheimnisse mit Papa belauscht."
„Sofronya, mein Täubchen, kümmere Dich doch um Deine Toilette, Du wirst zu spät fertig werden; hier, besehe Dich in dem Spiegel, Du bist roth wie ein Krebs. Was werden die Leute dazu sagen? Ach, es wird sich besser machen, als Du denkst. Du weißt, wie klug Papa ist; er wird Piesek noch warnen, dann geht Alles gut."
Wagengeraffel auf der Straße unterbrach das Gespräch.
„Mein Gott, da kommen schon die Gäste; ich komme wirklich nicht dazu, mich anzuziehen!"
Sie stand schnell auf, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte, sich an Binia wendend, deren leichenhafte Mässe sie gar nicht zu bemerken schien: „Du wirst wohl vorsichtig die Falten in der Taille auftrennen und unter dem Arm einen Finger breit auslassen. Du, Kasinka, mach' den Gürtel zurecht."
Dann lies sie hinaus auf die kleine Rampe, um mehrere Popenfamtlien zu bewillkommnen, welche, als sie aus dem Wagen stiegen, alle gleichmäßig ein großes, weißer Tuch zum Vorschein brachten, unter dem eine überzuckerte Torte al- liebenswürdiges Sinnbild der Süßigkeit des Ehestandes verborgen war.
Um zehn Uhr erschien endlich mit großem Lärm der Bräutigam, von seinen beiden Brautführern begleitet. Alle Drei trugen die Chamarka mit schwarzen Schnüren und langen Schößen, die viereckige, Confederatka genannte rothe Mütze auf dem Kopf und einen Strauß im Knopfoch. Diese» etwas auf die Spitze getriebene polnische Costüm und der drohend nach aufwärts gedrehte dicke Schnurrbart gab ihnen ein fast theatralisches Aussehen-
Der Seminarist, der bis jetzt im Hintergrunds gestanden hatte, näherte sich ihnen schnell und sagte zu dem Popen: „Wollen Sie mich vorstellen?"
Thymoftäus war einen Augenblick verlegen, faßte sich aber sofort wieder und stotterte: „Harastm Piesek, mein zukünftiger Schwiegersohn - . - Vincenz Rayrki!"
Der Thierarzt glaubte falsch verstanden zu haben und musterte den Seminaristen erstaunt.
„Wie, bald Ihr Schwiegersohn, lieber Vater, da haben Sie also deren zwei hier?" Er lachte laut.
„Ich hatte die Veröffentlichung der Verlobung unserer Binia bis auf das heutige Fest verschoben," sagte der Priester.
Die beiden jungen Leute maßen sich einen Augenblick mit mißtrauischen Blicken, wurden aber plötzlich durch neue Ankömmlinge, die sich in das Zimmer drängten, getrennt.
Jetzt strömte Alles herbei. An der Thür meldete die ausdrucksvolle Stimme des Kammerdieners ohne Unterbrechung die eben änlangenden Gäste.
„Herr Unteradjunct Cerata, Herr und Frau Apotheker Lulek, Seine Ehrwürden der Pfarrer Sroda nebst Gemahlin, Herr Thaddäus, Graf Wladimir Dobrowolski."
Diotyma, die nun endlich in ein schreiend apfelgrünes Kleid gepreßt war, stürzte dem Gutsbesitzer, ganz aufgelöst über die Ehre, entgegen, von der hocherglühenden Sofronya und den fünf in helle Toiletten gekleideten Brautjungfern begleitet.
„Nun, Panna Sofronya," rief der alte Herr fröhlich, „ich muß Sie umarmen; bleiben Sie nur ruhig dort, lieber Thierarzt, Ihre Erlaubniß brauche ich nicht."
Und er drückte zwei schallende Küsse auf die Wangen des
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