Ausgabe 
14.5.1896
 
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rus kernigem Holz geschnitzt und er wird'« Überstehen. Aber ich muß mich nach den Beiden umschauen. Entschuldigt mich bei Eurer Tochter, daß ich ihr nicht zuvor meine Aufwartung machen kann. Eilige Leute soll man nicht aufhalten. ♦eod bye!

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Drei Monate später war es, als Ellinor zum letzten Mal vor dem kleinen Grabhügel unter dem Patriarchen stand, um ihm für immer Lebewohl zu sagen.

Wohl war es eine herrliche Ruhestätte inmitten der weiten, einsamen Prairie und in dem ewigen Halbdunkel unter diesem Baumriesen, der schon Jahrhunderte hatte über sich dahinrauschen sehen und der noch Jahrhunderte überdauern würde. Kein Dichter hätte sich ein schöneres Plätzchen für seinen letzten Schlummer erträumen können.

Ellinor aber weinte heiß und bitterlich bei der Erinnerung an all' die zärtliche, aufopfernde Liebe, die man da unten gebettet und bei dem Gedanken, daß sie nun bald um Hunderte von Meilen von ihres geliebten Vaters Grabe getrennt fein würde-

Wohl hatte sich der Alcalde bereit erklärt, ihr diesen Vater zu ersetzen und sie zu halten, wie er seine eigenen Töchter hielt; doch ihr Herz hatte eine andere Entscheidung getroffen.

In Begleitung einer schwarzen Dienerin und unter Fred Houstons Schutze sollte sie morgen die Rückreise nach den Bereinigten Staaten antreten. Nur an der Seite dieses ge- liebten Mannes, dessen Leben sie wirklich, wie der Alcalde es treffend genannt hatte, dem Tode abgetrotzt, konnte fortan ihr Platz sein, nur an seiner Brust konnte sie allgemach den großen, grausamen Schmerz verwinden, den die rohe Faust eines Verbrechers ihrem jungen Dasein bereitet-

So lehnte sie denn auch jetzt, al« er, auf die sinkende Sonne deutend, sanft zum Aufbruch mahnte, ihr thränen- überströmtes Gesichtchen an seine Schulter und sagte leise: »Ja, ich folge Dir, mein Geliebter! Und dies Grab wird nicht verlassen sein, auch wenn wir in weiter Ferne weilen. Unsere Dankbarkeit und unsere Liebe werden ja immer immer bei ihm sein nicht wahr?"

Immer, mein theures Mädchen! Mir aber mußt Du'« schon verzeihen, daß ich eben ein stilles Gebet verrichtet Habe für die ewige Ruhe des Unglückseligen, der hier unter diesem Baume gerichtet wurde. Ec hatte es um mich ver­dient, wie schwer er auch gefehlt. Und auch Du, mein Lieb, auch Du solltest ihm nicht mehr fluchen."

«Nein, ich fluche ihm nicht," erwiderte sie innig.Wie dürfte ich auch, da er mir doch Dein Leben gerettet hat! Gott sei seiner armen Seele gnädig!"

Minutenlang noch standen sie Seite an Seite in andäch­tigem Schweigen; dann kehrten sie zu ihren harrenden Be­gleitern zurück und ritten hinaus in die von goldenem Abend­sonnenschein überflosiene Prairie, dem neuen Leben entgegen und dem neuen Glück.

GettreinnÄtziges.

Ueber ein neues Mittel gegen Mückenstiche wird derStarg. Ztg." geschrieben:Vor einigen Jahren las ich als wirksamstes Mittel gegen Mückenstiche das Be­streichen der betreffenden Stelle mit gewöhnlicher Wasch- und Toiletteseife. Ich habe dieses Mittel seitdem stets mit dem besten Erfolge angewendet, da eine Anschwellung nicht eintrttt und da» Jucken nach kurzer Zeit aushöct, was nach Anwendung »o« Salmiakgeist, welchen ich früher auf meinen vielen Jagdausflügen stets bet mir führte, keineswegs der Fall zu sein schien. Die Seife wird etwas angefeuchtet und so dick aufgestrichen, daß der Aufstrich sichtbar ist. Sollte man von einem besonders giftigen Thiers gestochen sein, dann wird der Ausstrich später noch einmal wiederholt, nachdem der erste

sich verloren hat. Dieser Mittel hat außerdem den Vorzug, daß ein Stück Seife in der Tasche weniger incommodirt, al« ein Flälchchen mit Salmiak, und daß man es leichter zur Hand hat, als Salmiak."

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Müsfigen Dünger für einen kleineren Obst­und Gemüsegarten auf einfache Art zu bereiten, darauf verstehen sich die französischen Gärtner vorzüglich- Sie mischen in ein Faß, welche» im Garten eingegraben ist, Holzasche, Geflügel-, Kaninchen- und anderen Mist, wie sie ihn eben haben können, Urin, der Inhalt der Aborte, Seifen- brühe, Ruß, Spülwasser der Küche, kurz, alle Abfälle zu­sammen, und setzen einige Pfund Eisenvitriol, welcher nicht nur ebenfalls Düngerstoffe enthält, sondern auch die üblen Gerüchte verhütet, in so viel Wasser aufgelöst zu, daß da» Faß vollständig gefüllt wird. Sodann wird da» Ganze un­berührt 14 Tage lang der Gährung überlassen, worauf e« zur Verwendung geeignet ist. Dies geschieht in der Weise, daß man in der Nähe der Pflanzungen Grübchen macht, um dieselben mit dem Düngewasser anzugießen. Die Menge richtet sich nach der Größe der Pflanze, sie überschreitet aber selten 1/2 Liter, da man durch die Erfahrung belehrt ist, daß kleinere Mengen, öfters angewendet, sich wirksamer erweisen al» größere, die nur ein oder zwei Mal zur Verwendung kommen. Unmittelbar nach dieser Düngung wird für den Fall, daß nicht gerade Regen fällt, jedesmal stark mit Wasser nachgegossen. Daß die in den Fässern verbrauchten Stoffe immer wieder ersetzt werden müssen, versteht sich von selbst. Wer es nicht gesehen, hat kaum einen Begriff davon, wie kräftig dieser Dünger auf das Wachsthum etnwirkt- Für den Gärtner von Beruf sind sie eine wahre Goldgrube; al» solche werden sie wenigstens von den französischen Markt- gärinern betrachtet. Daß auch die Landwirthschaft vielfach davon Gebrauch machen könnte, sei nur nebenbei erwähnt.

Zur Frage des Gießens und Düngens der Obstbäume. E» ist fast unglaublich, ein wie großes Wasser­quantum unsere Culturgewächse bedürfen. Abgesehen von dem Wasser, welche» sie zu ihrem Ausbau verwenden, verdunsten die Pflanzen durch ihre Blätter ungeheuere Wassermengen, und zwar um so mehr, je mehr Blätter vorhanden sind. So verdunstet beispielsweise ein 10 jähriger Spalierobstbaum in 10 Stunden etwa 7 kg Wasser und ein mit Obstbäumen be­pflanzte« Hectar Land in 12 Tagen fast 20000 kg. Schon au« diesem Grunde müssen Gewächse, die wir zur höheren Entwickelung bringen wollen, große Mengen Wasser zugeführt erhalten. Im heißen Sommer, wenn die Verdunstung de« Wassers aus dem Boden durch die erwärmenden Sonnen­strahlen oder durch Wind schon an und für sich eine große ist, muß mit diesem Umstande noch besonder» gerechnet werde«. E» wird nicht nöthig sein, täglich zu gießen, auch im heißen Sommer nicht, aber wenn gegossen wird, muß da» Wasser das ganze Erdreich, in welchem die Wurzeln sitzen, durch­dringen, als die Wurzeln gehen. Man steht oft, wie große Bäume dicht am Stamm gegossen werden. Es hat dies gar keinen Zweck, denn die jungen, nahrungsaufnahmefähigen Wurzeln befinden sich nicht dicht am Stamme, sondern weit entfernt von diesem. jDort muß da« Wasser dem Baume zu­geführt werden durch eingesetzte Röhren, durch Löcher, welche mit Spaten oder Erdbohrer gemacht werden, und zwar bei regelmäßig gewachsenen Bäumen senkrecht unter dem Umfange der Krone, beim Formobst je nach dem Alter 60 bis 180 cm vom Stamme entfernt. Aus dem Umstande, daß alle Nahrung von den Pflrnzen nur flüssig ausgenommen werden kann, er­hellt ferner die große Bedeutung des flüssigen Düngers in allen jenen Fällen, wo man eine schnelle, unmittelbare Wirkung de» Dünger» zu erzielen wünscht; nothwendtg ist aber hierbei die Anwendung reichlicher Mengen Flüssigkeit, damit der Dünger auch wirklich von den Wurzeln ausgenommen werden kann und nicht von den oberen Bodenschichten festgehalten wird. Bei größeren Bäumen ist diese Düngung eigentlich die