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böse Seuche herrschte, an der sein Vater schwer erkrankt war. Als er dort ankam, traf er diesen bereits tobt, die Mutter sterbend und die Schwester und den Schwager ebenfalls hoff« nungslos darniederliegend, auch fchon von der Krankheit er» griffen, die den ganzen Ort verheerte. In weniger als acht Tagen hatte er so seine ganze Familie begraben müflen bis auf das einzige Kind feiner Schwester, den kleinen Aloyr, an dem nun fein ganzes Herz hing. Er war dann mit dem Knaben in fein Pfarrdorf zurückgekehrt, wo dieser durch sein fröhliches, zutrauliches Wesen bald der allgemeine Liebling wurde, so daß feine Rettung bei Jedermann die größte Freude erregte. _
Inzwischen war man auch des Feuers Herr geworden, und nachdem eine Wache an der Brandstätte zurückgelaffen war, suchten die Dorfbewohner wieder ihre Heimstätten auf, um die unterbrochene Nachtruhe noch ein wenig nachzuholen.
Auch der Birkenhofbausr Lorenz Widmet fchlug mit seiner Tochter den Heimweg ein.
Eine Weile schritten Beide schweigend nebeneinander hin, dann begann Lisbeth mit etwas zaghafter Stimme: „Es war doch sehr brav von dem Frieder, daß er den kleinen Aloys aus dem brennenden Haus gerettet- Leicht hält's ihm selbst das Leben kosten können."
„Na, so gefährlich war's just nicht," brummte Widmer.
kD, Vater." rief das Mädchen warm werdend, „Ihr wollt doch dem Frieder feine schöne Thal nicht verkleinern! Es war wahrhaftig ein Heldenstück, durch Rauch und Feuer zu dringen und das Kind zu holen und Keiner außer ihm hätt's gewagt."
„Das kannst Du nicht wiffen," sagte unmuthig der Vater, „er stand am nächsten dabei, so war's natürlich, daß er zuerst in das Haus ging. Aber was kommt Dir eigentlich bei, dem Frieder eine so eifrige Lobfprecherin zu machen?"
„Ei, däs will ich Euch sagen, Vater," fiel eine höhnische Stimme hinter ihm ein, „die Lisbeth findet gar großes Wohl« gefallen an den braunen Augen und rothen Backen des langen Frieder, hat sie doch auf der letzten Kirmeß, als der verstauchte Fuß Euch im Haufe hielt, fast nur mit ihm getanzt."
Der Sprecher, ein untersetzter Bursche von etwa zwei« undzwanzig Jahren, deffen linke Schulter bedeutend höher als die rechte und einen kleinen Höcker bildete, trat an die Seite des Bauern und blickte lauernd in deffen Gesicht, als wolle er die Wirkung seiner Rede erkunden. m f oii
Machst wieder den Hetzer und Ohrenbläser, Valentin?
sagte das Mädchen, deffen hübsches Gesicht, wie man in dem Schein des eben aus den Wolken getretenen Monde» deutlich sehen konnte, von einer dunklen Röthe übergoffen war-
„Hetzer und Ohrenbläser?" wiederholte giftig der Bruder. „Weil ich dem Vater erzähle, was Du doch vor Aller Augen gethan, oder willst Du's etwa leugnen, daß Du auf der Kirmeß kaum mit einem anderen Burschen als dem Frieder
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„Ich leugne gar nichts," versetzte sie trotzig, die weißen Zähne in die Unterlippe klemmend. m
Der Vater sagte kein Wort, mit finsterer Miene schritt er zwischen seinen beiden Kindern dem etwas außerhalb des Dorfes gelegenen Birkenhof zu, der seinen Namen von dem kleinen Birkenwäldchen hatte, das sich hinter dem Hause hin« zog- Mit einem kurzen „Gute Nacht" ging er dann in seine Schlafkammer, ohne scheinbar den Reden des Sohnes irgend ein Gewicht beizulegen.
Am nächsten Morgen aber, al« die Morgensuppe gegessen und Valentin mid den Ehhalten (Dienstboten) an die Arbeit gegangen, rief er Lisbeth, die sich eben in die Küche begeben wollte, zurück. z ,
„Ich hab' Dir etwa» zu sagen," begann er ruhig, «ich bin am vorigen Sonntag drüben beim Oedhofbauer geMen, im Frühjahr kommt fein Aeltester, der Heiner, von den Soldaten frei, dann soll gleich der feierliche Versprich zwischen Euch Beiden gehalten werden." . f
Ohne auf dar Zusammenschrecken und den Farbenwechstt | de» Mädchens zu achten, suhr er in demselben ruhigen, ve«
Oben wimmerte in Todesangst der Knabe, sich an das i Fensterkreuz klammernd und zum Sprung bereit machend, während man hinter ihm schon die Flammen durch die aufgesprungene Thür in das Zimmer lecken sah.
„Sei stark, Aloy», und rühr' Dich nicht, ich hole Dich gleich I" rief ihm der junge Bursche zu und sprang die Stufen der äußeren Treppe des Pfarrhauses hinauf.
„Bleib'zurück, Frieder," riefen ihm Viele zu, „da drinnen ist alles Rauch und Flamme, Du rettest das Kind nicht mehr!" „ , „ r . .
Der Bursche hörte aber nicht auf sie, sondern drang entschlossen vorwärts in den bereits von dichtem Qualm er» füllten Flur des Hauses.
Der Pfarrer lag auf den Knie en, dre Hände flehend zum Himmel emporgehoben, mit zitternden Lippen Gebete murmelnd. Auch die Augen aller Anderen hafteten in größter Spannung an dem brennenden Hause, in welchem jetzt zwei Menschenleben in Todesgefahr fchwebten und eifriger noch als zuvor arbeiteten jetzt die Spritzenleute, um die Gluth zu dämpfen-
Ein neben einem grauköpfigen Bauern stehendes Mädchen hatte einen lauten Schrei ausgestoßen, als Frieder in dem dichten Rauch verschwand, und blickte jetzt mit wsitgeöffneten, starren Augen unverwandt nach der Brandstätte, während ihre ganze Gestalt wie Espenlaub zitterte.
„Was zitterst so, Lisbeth?" sagte mürrisch der Bauer- „Wenn ich oder Dein Bruder in Todesgefahr wären, könntest nicht vergsisteitsr aussehen als jetzt."
Dar Mädchen hörte offenbar die Worte des Vaters nicht; ihr ganzes Empfinden schien fich in ihren Augen zu concentriren, die mit dem Ausdruck qualvollster Seelenangst in dis eben wieder höher au» dem Dach lodernden Flammen starrten, während zugleich Schindeln und Ziegel in Maffe herabprasselten. m ..
Einer der letzteren traf den Mgen Burschen an die Stirn, der in diesem Augenblick mit versengtem Haar und verbrannten Kleidern, das Kind in seinen Armen tragend, aus dem Hause trat, deffen Gebälk unmittelbar hinter ihm zu- sam^Ä^Frieder! Er wankt, er blutet!" schrie Lisbeth und wollte zu dem Verwundeten eilen; aber ihres Vaters Hand legte fich schwer auf ihre Schulter.
„Du bleibst," herrschte er ihr zu, „was schert Dichter Friedrich Mattern, für den werden schon Andere sorgen.
Die Farbe kehrte in die tief erblaßten Wangen Lisbeths zurück, denn sie sah, daß Frieder wieder fest auf seinen Füßen stand. Der junge Bursche legte da» Kind in die Arme des Pfarrer» und sagte ruhig: „Da habt Ihr den Aloys heil und ganz, Hochwürden." Und dann da» Blut mit seinem Tuch von der Stirn wischend, wehrte er die Weiber, die sich zeternd um ihn drängten und ihn verbinden wollten, von sich fort mit den Worten: „Laßt nur, e» ist blos eine Schramme, nehmt lieber das Kind dem Herrn Pfarrer ab und sorgt, daß das arme Hascherl was Warmes auf den Leib bekommt, es friert sich ja schier zu Tode bei der Kälte im bloßen Hemdchen."
„Wie soll ich Dir danken, Aloyr!" sagte der Pfarrer, der das Kind, das er bisher wortlos an feine Brust gedrückt gehalten, jetzt der Magd übergab, „Du hast Dein Leben gewagt, um dem Knaben das seine zu retten, dafür möge Gott Dich belohnen und segnen. Ich kann nur für Dich beten, aber wenn Du je eine Bitte an mich hast, so soll mir kein Opfer zu groß sein, um Dir meine Dankbarkeit zu beweisen."
„Hochwürden," sagte der Bursche, verlegen zu Boden blickend, „ich verdiene ja gar nicht so viel Dank; ich konnte doch da» liebe Buberl nicht vor meinen Augen verbrennen laffen!"
„Bist ein braver Bursch, Frieder," sagte der Pfarrer, „ich und der Aloy» werden Dir's nie vergeffen, was Du heute für uns gethan hast. Das Kind ist der einzige Blutsverwandte, der mir noch geblieben ist; es wäre zu hart gewesen, wenn ich den auch noch hätte verlieren müssen!"
Frieder nickte, er wußte, daß der Pfarrer vor ein paar Monaten plötzlich nach seiner Heimath abgereist war, wo eine


