Samstag den 14. März
Nr. 31
LtMOWNsk
Anzeiger (General-Anzeiger)
Schwester Ilse.
Roman von Clarissa Lohde.
-- (Fortsetzung.)
„War es der Baron wirklich?" fragte Mrs. Graham, die, mit ihrer Tochter von Riva kommend, im Hotel Austria Wohnung bestellt hatte.
„Kein Zweifel, Mama!"
„So hätte wirklich nicht viel gefehlt und wir wären mit dem neugebackenen Ehepaare Gäste desselben Hauses ge- worden." ,, M Q„ , .
„Hast Du Dir seine Frau angesehen, Mama? fragte Adeline, ohne auf die Bemerkung der Mutter zu achten. „Diese simple bürgerliche Erscheinung! Und neben diesem Manne, dem die Vornehmheit auf der Stirne geschrieben steht!"
„Ich habe nur den Baron gesehen," entgegnete die Mutter kühl, „und fand ihn sehr verändert und krank aus» foTtPtih "
Der Wagen hielt!; der Wirth mit seiner stattlichen Ehehälfte stand vor der Thüre des Hotels, die neuen Gäste zu bCQtfi&SH*
„Nicht wahr," bemerkte Adeline ganz beiläufig gegen die Wtrthin, die sie und die Mutter persönlich nach ihren Zimmern geleitete, „das war der Baron von Wenzelen-Gattersberg mit Gemahlin, die gerade fortfuhren, als wir ankamen?
„Ganz recht! Kennen die Damen die Herrschaften?"
>tn wenig, aus Gesellschaften von Berlin her. Der Baron hat im Frühling bei einem Duell eine schwere Wunde davongetragen, er ist noch immer leidend."
„Das scheint so, die Herrschaften sind kaum von ihren Zimmern heruntergekommen. Und die Frau Baronin ist so besorgt um ihren Gemahl, sie läßt ihn keinen Augenblick allein; wie uns der alte Diener erzählte, eine Seele von
Warum blieben sie nicht länger hier?" warf jetzt Mrs. Graham fragend ein. „Gries ist doch gerade ein berühmter Curort für Lungenleidende."
„Der Diener sagte, der Arzt habe ein noch südlicheres
Klima verordnet. Sie gehen von hier direct nach Corfu, wo sie den Winter über bleiben werden."
„Ach so," sagte Adeline, „Corsu soll ja herrlich sein."
„Das wohl," meinte die Wirthin, „doch schöner als hier wohl kaum, selbst was das Klima betrifft; aber der Baron soll zugleich stärkende Seelust einathmen und die haben wir hier freilich nicht-" , c
„Mama," rief Adeline, als die Wirthin das Zimmer verlaffen hatte, „für wie lange hast Du hier Wohnung be- stellt?"
„Für eine Woche vorläufig. Doch warum fragst Du?"
„Weil es mir hier gefällt und ich den Wunsch hege, längere Zeit hier zu bleiben."
„Es gefällt Dir hier, obwohl Du noch kaum etwas ge« sehen hast? Das ist ja wunderlich. Ich denke, wir wollten von hier nach Wien und dort die Wintersaison verleben."
„Aber, Mama, begreifst Du denn nicht, daß fich letzt Alles ändern muß? Ich möchte Wien aufgeben und dafür eine Reise nach dem intereflanten Corfu in's Auge fassen.
„Adeline!" schrie die Mutter auf. „Du willst nach Corfu, vielleicht gar diesem Baron nachreisen? Bedenke
„Alles, Alles bedenke ich! Da der Zufall es so fügt, darf ich mir nicht dis Gelegenheit entgehen lassen, ihn über die Umstände aufzuklären, die mich zu der unglücklichen Verlobung mit Axel drängten."
Um Miß Grahams Lippen zuckte es fpöttifch.
„Und wohl auch über die, die Dich zur Auflösung dieser Verlobung bestimmten? Ich gestehe, daß ich Dich durchaus unbegreiflich finde. Indessen —"
„Du willigst ein?" unterbrach Adeline sie rasch.
„Wie kann ich Deinem Eigensinn gegenüber wohl anders? Auch hoffe ich bestimmt, daß diese Wiederbegegnung am ersten Dich von der thörichten Neigung curiren wird, die Du für den durch feine Verwundung und abenteuerliche Verheiratung Dir doppelt interessant Gewordenen zu hegen Dir einbildest; ja, schüttle nicht den Kopf, ich wiederhole es: Dir einbüdest- Verwöhnte Kinder müssen nun einmal ihren Willen haben. Und die Cur hat ja keine Gefahr, da Baron Wolf nicht mehr frei ist."
Adeline antwortete nicht; aber auf ihrem Gesichte lag


