Ausgabe 
14.1.1896
 
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Was dar Hauspersonal betrifft, so ißt diese» zu jeder Zeit, wie er jedem gerade beliebt; den niederen Angestellten wird auf einem Tafelbrett, mit Zuthat eine» großen Stück Broder, serviert; einzig die hohen Beamten haben da» Recht zu feinerem Backwerk.

Um den Bedürfniffen an Geflügel, Obst und Gemüse für die Küchen zu genügen, läßt der Sultan mehrere große Domänen in der europäischen wie in der astatischen Türkei be- wirthschaften. Zwei davon, nämlich die von Tchachaldia und von AH'Bey-Kani find nahe bei Konstantinopel gelegen, die von Kutschuksch-Kmedge und Boynkchuksch-Kmedge sind nicht weit davon entfernt; die anderen liegen jenseits de» Bosporus. Aus diesen Domänen stammt auch zum größeren Theil die Gerste, der Hafer und das übrige Futter für die kaiserlichen Marställe. Lange Zeit hindurch wurden sie von den Bulgaren gestellt, welche durch eine Art von Conscription zu diesem Dienst ausgehoben waren; der Dienst war ein Frohndienst und mußte gratis geleistet werden. Die Bulgaren waren dabei zu zweien aneinander gekettet, und wurden wie Vieh behandelt; das dauerte für jeden mehrere Monate lang. Da der Boden in der Türkei sehr ergiebig ist, so werden ganz enorme Quantitäten von Gemüse, Obst, Geflügel, Eiern, Butter und Käse gewonnen, welche theils auf der Achse (von Eseln gezogen), theils auf kleinen Schiffen nach dem Palast trans« portirt werden.

Reis' wird keiner auf diesen Domänen gebaut, man muß ihn also kaufen, um jeden Tag ein große» Faß mit dem Piaff" zu füllen, der im Palast confumirt wird, nebst sechs Centnern Zucker und einem gleichen Gewicht von Kaffee (um vom Fleisch, Gewürz und anderer Zubehör gar nicht zu sprechen). Reis und Schaffleisch bilden den Hauptstock der türkischen Nahrung; speciell für den Hof de» Sultans ist täglich obendrein eine halbe Tonne Kalbfleisch erforderlich; dazu kommen noch die Fische, das Gebäck, das gedörrte Obst rc.

Der gesammte, für bett Sultan bestimmte Wasservorrath stammt aus den beiden QuellenBaicon" undKanil-Korak" welche, nicht weit vom Schwarzen Meere weg, in den Bos» porus fließen; es wird dort in Fässer geschöpft und dann in den Palast geführt.

An dieser Hausordnung im Palast wird nichts geändert, wenn ihn der Hausherr auch zeitweise mit einer andern feiner Residenzen" vertauscht. Er verlangt, daß man überall und zu jeder Stunde aus seine Ankunft gefaßt, daß folglich alle» für ihn in Bereitschaft sei. Wenn es ihm einmal beliebt, mitten in der Nacht zu kommen was durchaus nichts seltenes ist so darf sich niemand überraschen lassen, und er will jeden seiner Befehle sofort vollzogen wissen. Au» diesem Grunde muß ein gesatteltes Pferd und ein bespannter Wagen jederzeit zu seiner Verfügung stehen für den Fall, daß er eine Wohnungsveränderung vornehmen wollte. Sein Lieblingsaufenthalt ist übrigens Mdtz-KMk.

Er braucht kaum gesagt zu werden, daß diese» System von Haushalt ganz enorme Verschwendungen und Ver­schleuderungen verträgt und daß Tag für Tag eine solche Masse von Lebensmitteln unbenützt verloren geht, daß sie zur Speisung von hunderten von Familien genügen würde. Allerdings fällt für die Bettler etwas ab, aber der größere Theil kommt den Hunden zu gut, von denen die Straßen wimmeln. Man schätzt die täglichen Ausgaben für das kaiserliche Haus auf eine durchschnittliche Jahressumme von nahezu 200 Millionen, nämlich:

Erneuerung des Mobilars, Bettzeug und Teppiche 15 Mill. Kleider, Pretiosen, Kosmetika rc. für die Fraue« 50

Diverse Liebhabereien 65

Geschenke und Löhne 20

Gold- und Silbergeräth 12*/2

Ankauf und Unterhalt und 474 Wagen und Gespannen 2/s Küchenbedarf 25

Wahrscheinlich ist diese Totalsumme noch unter der Wirklichkeit, denn man muß auch die Launen und Gelüste der Favoritinnen in Anschlag bringen, und diese Launen find unberechenbar. (Barl. Nachr.) Z

Gemeinnütziges.

Ist ein Local feucht? Die Beantwortung dieser Frage, die oft genug an den Arzt herantritt, ist nicht leicht. Denn ein Raum kann auch feucht sein, wenn nicht gerade der Salpeter auf den Wänden blüht oder die Pilze in den Ecken sprossen. Hier eine leicht auszuführende Probe: Man giebt in den verdächtigen Raum genau ein Kilogramm frisch ge­löschten Kalk, schließt dann hermetisch Fenster und Thüren. Nach 24 Stunden wiegt man den Kalk von neuem. Wenn bis Gewichtszunahme mehr als 10 Gramm, d. h. mehr al» ein Proeent beträgt, dann ist der Raum als seucht und ge­sundheitsschädlich zu erklären. Um Wohnungen trocken zu halten, ist e» unbedingt nöthig, die Fenster längere Zeit offen zu halten. Wo die» nicht geschieht, entsteht durch in Küchen und anderen Räumen sich ansammelnden Wafferdunst Feuchtig­keit an Wänden und Fenstern, an der Decke und auf dem Fußboden. Die Klagen Über feuchte Wohnungen würden seltener, wenn die Fenster mehr geöffnet und der Wafferdunst nicht an seinem Entweichen in'» Freie gehindert würde.

Das Keimen der Spetsekartoffekn wird häufig im Frühjahr beklagt, was jedoch nur möglich ist, wenn die Kartoffel fest liegt, d. h. so liegen bleibt, wie sie im Herbste eingebracht worden ist. Ein Umschaufeln mit einem hölzernen Geräthe alle 14 Tage vorgenommen, verhindert da» Keimen.

Literarisches

So sehr auch die Erziehung des modernen weiblichen Geschlechts berechtigter Weise dem Erwerbsleben zudrängt unbestritten ist es, daß der wahre Berus der Frau im Hause liegt. Die Erziehung für das Haus sollte deshalb schon früh beginnen, ehe diejenige für einen Beruf überhaupt in Frage kommt. Diesem wichtigen Princip huldigt die Monatsschrift: »M«i« Ha«S tWtltt« Wett", herausgegeben von Johanna von Sydow (Verlag von Max Pasch, Berlin SW., Ritterstr. 50). Der Inhalt des vorliegenden Januarheftes ist wieder ein so reichhaltiger und practischer, daß wir das Blatt nur auf das Wärmste empfehlen können. Eingeleitet durch einen tief poetischen Meujahrsgruß von Frida Schanz, beginnt der neue Jahrgang mit einer stimmungsvollen Novelle von Zoo von Reuß:Alle z'sammen". W. von Gehren bespricht dieGesellschaftliche Repräsentation", W. Gleim: Hygiene und Hausfrau"; I. Berger plaudert überOrdnungsliebe und Sauberkeit", A. Ludwig über denDamenhut im 19. Jahrhundert." Der practische Theil enthält: denEinkauf im Januar" von H. Ort; Eine gastronomische Plauderei über die Auster";Speisezettel" von Marianne Bremer;Englische und amerikanische Recepte" von S. Olden;Neuheiten für Küche und Haus", sowie den Ansang einer Serie:Wie soll die junge Hausfrau kaufen ? Zur Kenntniß der Maaren und ihrer Verfälschungen" von Louise Holle, ein Artikel, den kerne Hausfrau ungelesen lassen sollte. Eine reiche Auswahl von practischen Notizen beschließt das interessante Heft. Der Preis ist 50 Psg, vierteljährlich Mk. 1,50. Probenummern werden gratis von der Ber- lagshandlung geliefert.

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Redae^on: A. Schehda. Druck und 8 erlag der Brühl'schm UniversiMS-Buch- mi» Steindruckerei (Pietsch & Scheyd«) in Gieße«.