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sie selbst geschwunden ist. Eie wird Dir keinen Kummer mehr bereiten." ~ „
„War soll das heißen?" fragte Liffa besorgt.
„SDie Vergeltung hat sie schnell ereilt- Au» Furcht, al« St. Claire Mitschuldige entdeckt zu werden, ist sie vergangene Nacht freiwillig in dm Tod gegangen. Zuvor hat sie mir reuig bekannt, wie schwer sie sich an Dir vergangen hat."
Momentan war Liffa stumm und regungslos, dann sah sie mit bleichem, tiefbekümmertem Gesicht zu dem Geliebten empor.
„Ach, könnte ich doch fort, weit, weit fort von dieser Un- glückrstätte, die in den letzten Wochen nur Tod und Jammer brachteI"
„Ja, e« waren zu viel der Anstrengungen für Dich, mein arme» Lieb!" suchte Asten sie zärtlich zu trösten. „Du mußt bald die Meine werden, dann machen wir vorerst eine schöne Reise. All' das Neue, Dir Unbekannte, das Du da zu sehen bekommst, wird das Traurige, das Du in jüngster Zeit erlebt hast, schnell in den Hintergrund drängen. Onkel Martin und Guilda müffen dann mit in unser Heim ziehen, sie dürfen uns nicht mehr verlaffen. Komm', Geliebte, faffe Muth. Liegt die Zukunft doch klar und sonnig vor uns."
„Halloh! Was ist denn das? Maat, was soll ich von Dir denken?"
Dieser unerwartete Ausruf rief Liffa schnell in die Gegenwart zurück.
Schuldbewußt, mit dunkelroth erglühendem Gesicht stammelte sie etwa» Unverständliche«, doch kam Asten ihr schnell zu Hilfe.
.Da» soll heißen, daß Ihr erster Osfizier einen zweiten Maat an Bord gebracht, um die Lebensreise mit ihm zu wagen! Herr Capitän, Liffa hat versprochen, die Meine zu werden, wenn Sie un» Ihren Segen geben wollen."
Lang und durchdringend ruhte der Alten Blick auf Curt von Asten, dann fanden ihre beiden Hände sich zu einem warmen Freundschaftsbund, dem sie treu blieben bi» an ihres Lebens Ende.
„Ich heiße Sie willkommen!" sagte der alte Seemann mit biederem Händedruck und fuhr dann, zu Liffa gewendet, fort: „Maat, nicht Dein Hilfsoffizier, sondern Deine ganze Mannschaft für'» Leben macht er un», steh' Deinem Schiffe stet» treu zur Seite, wohin e» geht, folge ihm und finkt es, so finke mit ihm. Je heftigere Stürme kommen, je höher die Wogen gehen, um so fester steht zu einander, bi« die Reise feinem Ende naht und Ihr den letzten großen Hafen vor Euch seht."
.Zu Befehl, Capitän I" gelobte der kleine Maatßfeierlich.
Die Küche des Sultans.
Die Blutthaten in Armenien haben die Aufmerksamkeit von ganz Europa auf die Türkei und ihren Souverän gelenkt und e« wird gewiß viele unserer Leser interesstren, über den letzteren einiges Nähere zu erfahren.
An seinem Hofe, da« heißt im Palast von Dolma-Bagdsche, nehmen Tag für Tag nicht weniger (eher mehr) al« sechstausend Personen ihre drei Mahlzeiten ein! E» ist wahrlich keine Kleinigkeit, da« Räderwerk einer solchen Maschine „einzufetten".
Die Aufgabe wäre schwierig und eomplicirt genug, wenn jeder zu einer regelmäßigen Stunde und nach'einem ein für allemal festgesetzten Speisezettel effen würde — aber es muß immer mit den Launen de« Souverän» oder denjenigen seiner Favoritinnen gerechnet werden, und mag nun da» Verlangte noch so unvernünftig, unerwartet und geradezu unmöglich sein — man erwartet jede»mal, daß ihm sofort entsprochen werde. Beim geringsten Verzug, beim bescheidensten Einwand entladet fich die Schale der kaiserlichen Ungnade Über dem Haupte de» verantwortlichen Angestellten, und wenn dieser auch nicht immer den Verlust der Freiheit bedeutet, so bedeutet fie doch
stet» den der Stelle, oft auch die Confiscation der Güter in der Türkei — denn beide» ist sozusagen solidarisch verbunden.
Die Art, wie der Sultan bedient wird, ist wahrhaft wunderbar, und e« kann kaum eine Lücke oder ein Verstoß im Dienst eintrete«. Jede» Departement steht unter der Leitung einer verantwortlichen Oberhaupte», welches über ein ganze« Heer von Dienern oder Sclaven gebietet, seinerseit« aber dem Schatzmeister streng untergeben ist. In diesen verschiedenen Zweigen der Verwaltung ist kein einzige« Weib thätig. Die im Palaste angestellten Weiber stehen jede im persönlichen Dienste ihrer Herrin und haben nur für diese zu sorgen. Im tUfcfgen ist die Theilung der Arbeit im kaiserlichen Hause so seit getrieben, daß sich Niemand braucht zu überanstrengen, außer dem Großkammerherrn und dem Schatzmeister.
Der Großkammerherr ist der offizielle Dolmetsch aller Wünsche und Befehle seine» Herrn, darum steht er auch zu jeder Stunde de« Tage» und der Nacht zu dessen Verfügung. Was den Schatzmeister betrifft, so hat auch er in seiner Eigenschaft als oberster Chef de» ganzen im Hause beschäftigten Dienstpersonals eine schwere Last auf seinen breiten Schultern. Schon seine „Einkäufer," die Jeder mit einer ganz bestimmten Specialität betraut find, bilden ein förmliche» Heer. Der Eine z. B. beschäftigt sich mit dem Ankauf der Fische, und alle Tage den Fischvorrath für sechstausend Mäuler zu besorgen, zumal in einer Stadt, welche keinen ordentlichen Fischmarkt besitzt, ist nicht gerade eine Sinekure; die Rotten der Einkäufer müffen ein bi» zwei Dutzend Straßenoiertel durchwandern oder direct mit den Fischern unterhandeln, und jeder von ihnen ist von zwei Mann begleitet, welche seine Einkäufe nach dem Palast zu bringen haben. Wöchentlich sind ungefähr zehn Tonnen frischer Fische für die Palastküche nöthig.
Täglich werden im Palast achtzehntausend Pfund Brod verspeist; eher mehr al» weniger, denn die Türken sind starke Brodeffer. Da» Brod wird in coloffalen Oefen, die (tote an anderen Orten die Küchen) außerhalb des kaiserlichen Palastes aufgestellt sind, gebacken. Ein gar.zes Regiment von Bäckern knetet den Teig, andere bringen das Gebackene in den Palast, andere kaufen da« Mehl und das Brennmaterial, welche» von einer Karawane von Kameelen vor den Palast gebracht und dort abgeladen wird. Uebrigens rst da« türkische Brod sehr schmackhaft, leicht verdaulich und in jeder Beziehung vortrefflich, fein Hauptbestandthetl ist Weizen-, welchem Roggen- mehl beigemischt wird.
Die speciell für den Sultan bestimmten Speisen werden von seinem Leibarzte zubereitet und niemand sonst darf daran rühren. Die Schüsseln find von gediegenem Gold oder Silber und mit einem breiten Streifen verstegelten Papier« zuge- schloffe«, welches der Großkammerherr vor den Augen seiner Majestät aufbricht, um von jeder Speise zu koste», bevor der Herrscher sie zum Munde führt. Die Speisen werde» immer in demselben Behälter servirt, in welchem sie gekocht worden sind, außer wenn ein itbene« Gesäß gebraucht werden mußte, in welchem Falle es zum Zwecke de« Servicen« in eine Art goldener Glocke eiugeschloffen wird, welche ein Sklave hält, während der Sultan speist. Jede» Gericht erfordert seinen besonderen Dienst und daneben muß ein zweiter Sklave da» Brod oder sonstige» Backwerk auf einer goldenen Platte aufwarten. Für jeden „Gang" braucht er also mindesten« zwei Sclaven — und diese Gänge find zahllos.
Gewöhnlich setzt sich der Sultan zum Essen auf einen Divan, der an einem dem Bosporus zugekehrten Fenster steht. Dabei ist er fast immer in Hemdärmeln, und wen» er satt ist, streckt er sich der Länge nach auf dem Divan au», um im Friede» seine Pfeife zu rauchen und dazu einige Taffen Kaffee zu schlürfen. Wehe dem, der fich unterstehen würde, ihn in diesem selige» Momente zu stören!
Zum Effen bedient er sich niemals eines Tellers oder einer Gabel; er langt direkt mit den Fingern in die Schüssel, höchstens nimmt er einen Löffel, wenn er Confitüre auf fein Brod träufeln will.


