Ausgabe 
13.8.1896
 
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Helenen zu scheu, wie ste langsam die Treppe herabstleg. Höflich zog er den Hut und machte eine tiefe Verbeugung. Aber da» junge Mädchen starrte ihn staunend mit ihren großen dunkeln Augen an und sagte kein Wort.

»Gnädige« Fräulein, St» erkennen mich wohl nicht gleich," rief er erstaunt.

»D doch, Sie find der höfliche Kutscher der Frau von Trebnitz," antwortete fie kühl und versuchte zu lächeln.

Oswald schoß da» Blut nach dem Kopfe- Die graue Joppe, di» Gamaschen und der kleine grüne Hut hatten ihn in de» Augm der Angebeteten wieder seiner verwünschten ehemalige» Kutscherrolle ähnlicher gemacht, al» er voraurgesehen.

S^erehrt» Fräulein, Sie täuschen sich," rief er erregt, der leibhaftige Oswald von Burgstedt und nicht der Kutscher meiner Cousine."

»Aber diese ganz unverkennbare Aehnlichkeit, ja voll» ständige Gleichheit des Gesichts und der Stimme bei Ihnen und dem Kutscher," entgegnete das junge Mädchen,und Sie lenkten doch auch vorhin die Pferde des Wagens als Kutscher."

»Aber verehrtes, liebe» Fräulein, erkennen Sie mich denn nicht vom letzten Balle bei Pellheims her noch."

Ich weiß das Räthsel nicht zu lösen," entgegnete die junge Dame,denn nach meiner Ansicht find Sie und der sonderbare Kutscher, der mich in jener Nacht zu Hause fuhr, dieselbe Person/

Oswalds Nulfe hämmerten und der AHzstfchweiß trat ihm vor bi» Stirn aus Verlegenheit. Sollte « das Räthsel durch ein offene« Eingeständniß der Thatsachs lösen, daß er damals seiner Cousine zu Liebe den Kutscher gespielt hatte? Aber dies« Affaire kam ihm doch zu lächerlich vor und schließlich glaubte ihm die heute sehr mißtrauisch angelegte Helene doch nicht, und dann hatte er sich umsonst blamirt. Auch fürchtete er noch immer den Zorn seiner Coufinen, wenn er sich selbst verrathe und diese und sich lächerlich mache.

Also Sie glauben und vertrauen mir, dem ehrbaren Oswald von Burgstedt, nicht mchr, Fräulein Helene," frug er dann in wehmuthsvollem Tone.

Nein!" erklärte sie kurz und scharf.Erst muß bas seltsame Räthsel gelöst sein, ehe ich Ihnen wieder mit Ver- trauen begegnen kann."

Oswald seufzte tief und suchte verzweifelt nach einem Auswege.Es kann ja fein, daß ich das Räthsel später Ihnen vollständig lösen kann, aber heute ist es mir unmög' lich," stotterte er dann verlegen.

Nun, so kommen Sie später einmal wieder, wenn das Räthsel gelöst ist," bemerkte fie ablehnend und wandte sich mit einer leichten Verbeugung zum Gehen.

Oswald biß sich vor Aerger dis Lippen wund. Diese Worts Helenens klangen ja wie ein Korb und er stand nun ohnmächtig und abgchlitzt da.

Da eilte auf einmal vom Schloßhofe der Kutscher Martin daher und rief mit lauter Stimme:

Herr von Burgstedt! Herr oon Burgstedt! Der Herr Baron läßt bitten!"

Diese Worte trafen Oswald wie ein electrischer Schlag, aber auch Helene wandte sich plötzlich um und den dicken Martin schwerfällig herbeispringen sehend, sagte ste:

Also Sie sind der Kutscher der Frau von Trebnitz." Jawohl, gnädiges Fräulein!" antwortete Martin prompt und zog nach der Art der Diener den Hut.

Sind Sie schon lange in Ihrem jetzigen Dienste?" frug Helene weiter.

Ja, gnädiges Fräulein, schon viele Jahre."

Warum fuhren Sie aber da neulich, als die Baronin von Sagan einen Ball gab, Ihr» Herrin nicht?" forschte da» junge Mädchen peinlich wie ein Untersuchungsrichter.

Weil ich den Fuß vertreten hatte."

Wer fuhr denn da Frau von Trebnitz zum Balle und holt» auch mich mit dem Wagen ab?"

Herr von Burg .... nein, darüber muß ich ja schweigen," stotterte der alt» Martin und wurde ganz roth vor Verlegenheit, daß er sich »erschnappt hatte.

Ich danke Ihnen," entgegnete Helene und fügte freund» lich hinzu,melden Sie meinem Onkel, dem Herrn Baron von Rudorf, daß Herr von Burgstedt gleich kommen wird."

Oswald verstand den zarten Wink und blieb «och einen Augenblick.

Bin ich denn nun endlich gerechtfertigt," sagte er lrise zu Helenen,und erkennen Sie mich nun vollständig al» den Referendar von Burgstedt an."

Ja, ich thue es vollkommen, Sie stolzer, hartnäckiger Mann, der mir nicht zutraute, daß ich ihm die allerliebste Kutscherrolle verzeihen würde," erklärte Helen» und reichte Oswald die Hand.

Aber Fräulein, liebst» Helene, ich bin nicht stotz und hartnäckig, ich hatte aber meiner Cousin» Verschwisg«cheit gelobt und ein Mann darf sein Wort nicht brechen."

So achte ich Sie nun um so mehr."

Achten, nur achten," bemerkte Oswald mit einem wehmüihigen Tone.Ich glaubte, daß sich unser» Herzen zu einem schönen Bunde für» Leben füdan würde«. Darf ich nicht mehr hoffen, Helene?"

Da» schöne jung» Mädchen senkt» in holdseliger Ver­wirrung die Augen unb Oswald zog sie stürmisch an sein Herz und jubelte:

So bist Du nun mein und sch«» morgen werde ich osficiell Deinen Onkel um seinen Segen für un» bitten."

Der Mensch lebt nicht vom Brod allein.

- (Nachdruck nerßetee.)

Die Bewohner Europas verzehren in einem Jahre nicht weniger al« 6,470,000 Ton« (1 To« = 1015 Ktlogr.) von Rind«, Schaf- und Schweinefleisch, ungerechnet da» in neuerer Zeit immer mchr in Gebrauch kommende Pferdefleisch. Paris allein schlachtete im letzten Jahre 11,862 Pferd» für menschlichen Gebrauch, Amerika »xportirte nach Europa in derselben Zeit 514,000,000 Pfund Speck, 84,000,000 Pfund Schinken und 81,000,000 Pfund Schweinefleisch. Auf jeden gesunden Europäer kommen tm Durchschnitt 61 PfuM Fleisch pro Jahr.

An Zucker verbraucht er ungefähr 29 Pfund. England importirte letztes Jahr 3,556,000,000 Pfund fremden Zuckers, ungeachtet des Produktes der englischen Colonien.

Die Austernfischereien der Welt produziren jährlich 4,439,000,000 Austern, die mehr als die Hälfte frisch ver­zehrt werden müffen, und Frankreich allein erzeugt und ver­braucht 350,000 Fäßchen anderer eßbarer Muscheln und 2000 Tonnen Wetnbergaschnecken. 18,000 Dutzend Frosch­schenkel ist der jährliche Verbrauch der Pariser Restaurant». Der Verbrauch von Radieschen ebendaselbst beträgt 5000 Tonnen das Jahr.

Zur' Würze zunserer Speisen dienen 5000 Tonnen von Gewürznelken unb für etwa 600 000 Pfund Sterling schwarzer Pfeffer. Italien exportirte im letzten Jahr 480,000,000 Dutzend Eier-

Für unsere Kuchen und andere Backwaaren werden 56,000 Tonnen Korinthen, sämmtlich griechische» Gewächs, verbraucht.

An Orangen exportirt Italien 2,500,000,000 Stück, Spanien 1,400,000,000, Portugal 80,000000, Paraguay und Florida 60,000,000 jährlich. 95,000 Tonnen «epfel sendet Amerika nach England.

Der Werth der alljährlich erzeugten Coeurnüffe wird auf 12,000,000 Pfund Sterling geschätzt.

Frankreich und Spanien versenden jährlich, zumeist nach England und Amerika 93,000 Tonnen Sardinen-

140,000,000 Gallonen (1 Gallone= 4/2 Liter) Olivenöl kommen in den Handel. Vieles davon ist nicht echt, und es ist erwiesen, daß allein über 500 Tonnen Baumwollen­samenöl raffintrt und al« Olivenöl verkauft werden.

Unter allen europäischen Nationen verbraucht di» eng­lische das meiste Salz, nämlich etwa 40 Pfund jährlich pro