widerte Oswald von Burgstedt aufathmend, denn es wäre ihm ja sehr fatal gewesen, mit seiner stolzen Cousine die Kutscher-Affair«, in welcher er seine Roll« zuletzt so bedenklich ungeschickt gespielt hatte, nun in diesem Sinne zu verrathen."
„Und Sie sollen erfahren, daß ich für Ihre Verschwiegen- heil nicht undankbar bin," bemerkte Helene von Pellheim lächelnd. Wenn Sie wollen, Herr von Burgstedt, so lasse ich Sie durch meinen Onkel, den Baron von Rudorf, zu seiner letzten großen Jagd einladen."
„O, diese Einladung werde ich mit großem Danke an- nehmen, denn di« Jagden des Barons von Rudorf sind sehr berühmt, und ich hatte noch nicht die Ehre, bei ihm Jagd- gast zu sein. Und nun möchte ich mir eine Frage gestatten, verehrtes Fräulein. Sie find doch hier bei Ihrer Coustne Frau von Pellheim nur zu Besuch. Wann werde ich wohl die Ehre haben können, Sie wieder einmal zu sehen?'
„Ich bin eine Waise, meine Eltern find leider längst tobt,' sagte jetzt das schöne Mädchen ernst. „Seitdem ich voriges Jahr die Pension verlassen habe, lebe ich meistens im Haufe meines Vormundes und Onkels, des Barons von Rudorf.
„Nun, so werbe ich also zur Jagd Ihres Onkels das Vergnügen haben, Sie in dessen Schloß zu sehen."
„ «W hoffe es," erwiderte das schöne junge Mädchen mit leichtem Erröthen und erhob sich von dem Divan, auf welchem sie neben Oswald gesessen hatte. „Unser längeres Verweilen hier könnte von meiner, Cousine mißliebig vermerkt werden, Herr von Burgstedt," flüsterte Helens da«, noch, „und heute verweile ich gerade nicht gern in ihrer Nähe, den« ste scheint es zu wünschen, daß ihr ältlicher Bruder, der Regierung,rath von Wurmb, mir den Hof macht, und offen gestanden, ich kann ältere Herren als Verehrer nicht leidrn."
Diese letzten Worte trafen Oswald von Burgstedt, welcher eben zum Abschied eine Verbeugung vor Helene von Pellheim machte, wie ein elektrischer Schlag. Mit seinem scharfen Verstände übersah er sofort die ganze Situation des jungen elternlosen und wahrscheinlich reichen Mädchens, welches unter der Protection ihrer Coustne, der Frau von Pellheim, ohne Zweifel an deren Bruder verheirathet werden sollte, ohne daß man auf dar Herz der jungen Dame, die diesen Freier nicht leiden mochte, irgend welche Rücksicht nahm.
,,O, wenn Sie gestatten, so werde ich Sie heute Abend vor diesem unliebsamen Verehrer einigermaßen schützen, gnädiger Fräulein," erklärt« Oswald keck. „Ich bitt« noch einmal um Ihre Tanzkarte. Darf ich die Ehre haben, die beiden noch unbesetzten Tänze mit Jhnen?zu tanzen,? Es wird sich auf diese Weise schon Gelegenheit finden, daß Herr von Wurmb nicht allzuviel in Ihrer Näh« weilt." , »IS n^me Ihre Freundlichkeit an," flüsterte das junge Mädchen und reichte Oswald ihre Tanzkarte. Aber kaum hatte er dieselbe in die Hand genommen und noch zweimal seinen Namen darauf geschrieben, als auch schon hinter ihm die laute Stimme der Frau von Pellheim erklang «n -Helene', Helene!" rief die stolze Dame des Hauses. „Wo steckst Du denn nur? Du hast ja noch gar nicht mit meinem Bruder getanzt. Rundtänze liebt er nicht mehr, aber einen Contre wird er sehr gern mit Dir tanzen. Komm Kind, wir müssen eilen, eben soll die Quadrille a la cour beginnen."
„Ach verzeihe, liebe Coustne," bat Helene vor, „ich glaubte wirklich, daß der Herr Regierungsrath gar nicht gern tanze, er hatte ja nur die Polonaise sich von mir aus- gebeten, und da habe ich inzwischen die anderen Tänze vergeben." 0
, . Eine dunkle Blutwelle schoß der Frau von Pellheim
Antlitz, aber ihr Aerger dauerte nur einen Augenblick, dann beherrschte ste sich und sagte:
m «'Das ist aber schade, sebr schade, Helene. Aber wenn die Quadrille vorbei ist, werde ich Dich mehr in meine Obhut nehmen müssen. Du bist noch zu sehr Schmetterling und die müssen gehütet werden."
Mit einem bösen Seitenblicke auf Oswald von Burgstedt
rauschte Frau von Pellheim davon, und dieser bot lächelnd Helene den Arm und führte ste zur Quadrille.
Siegreich zog an diesem Abende di« Liebe zu Helene in Oswald» Herz, aber damit packte ihn auch zugleich der Zweifel, ob er, der junge Referendar, der erst nächste» Jahr sein Affessorexamen machen wollte, wirklich mit Erfolg um Helenens Hand freien und den Nebenbuhler, den offenbar von den Verwandten begünstigten Regierungsrath, verdrängen werde.
IV.
Zwei Wochen nach dem Ballfeste im Hause der Frau von Pellheim erhielt Oswald von Burgstedt richtig eine Ei», ladung von Baron von Rudorf zu dessen Jagd. Oswald schwelgte über diese Einladung, deren liebenswürdige Ursache er ja nur zu genau kannte, in den schönsten Hoffnungen auf sein nahes Liebesglück, und nur der Gedanke, daß auf Veranlassung der Frau von Pellheim, die ja jedenfalls mit dem Baron von Rudorf verwandt war, auch deren Bruder, der ältliche Regierungsrath zur Jagd erscheinen und dann im Hause des Barons als Freier Helenens auftreten werde, störte zuwellen die Glücksträume des jungen Mannes.
Aber frisch gewagt, ist halb gewonnen, das war jetzt Oswalds Wahlspruch, und er beschloß daher, sich bei Helenen, Onkel sowohl als Jäger, wie auch als Freier um die Hand von dessen schöner Nichte in das beste Licht zu setzen. Bald hatte Oswald auch noch von zwei bekannten Herren erfahren, daß sie ebenfalls zu der Jagd «ingeladen waren, und sofort wurde zwischen ihnen verabredet, gemeinsam in einem Wagen nach Schloß Rudorf zu fahren.
Da der junge Referendar von Burgstedt au» Klugheit,- gründen kein Freund unnöthiger Geldausgaben war, so schlug er sofort vor, sich zu der Jagd den Wagen seiner Cousine, der Frau von Trebnitz zu leihen, und er wußte auch ganz genau, daß ihm diese Bitte erfüllt wurde, denn Herr von Trebnitz weilte noch immer wegen einer schwierigen Erbschaft,- angelegenhett in Oesterreich und dessen Kutschpferde hatten wenig zu thun. Zu der Jagd nahm Oswald aber nicht den Landauer seiner Cousine, sondern er wählte dazu den ele- ganten neuen Jagdwagen, welchen Herr von'Trebnitz «st letzten Herbst gekauft hatte. Oswald lenkte stolz, wie es bei Jagdfahrten üblich ist, den Wagen selbst, hinter ihm saßen die beiden bekannten Herren, die mit ihm zur Jagd fuhren, und ganz hinten auf dem Wägen mußte al» Diener der alte Kutscher Martin Platz nehmen.
fuhr an dem schönen Wintermorgen Oswald nach Schloß Rudorf zu. Kräftig hieb er einige Male auf die etwa« faulen Pferde ein, sodaß dieselben schneidig mehr im Galopp als in sanften Trabe die Strecke zurücklegten. Oswald wollte an diesem Tag« in jeder Beziehung einen guten Eindruck in Rudorf machen. Wie die wilde Jagd donnerte der Wagen in den Schloßhof ein, gewandt und keck sprang Oswald vom Wagen und warf dem schwerfällig herbeieilenden Martin die Zügel zu.
Herzlich wurde Oswald von dem ehrwürdigen Jagdherrn, Baron von Rudorf, begrüßt und nebst den anderen Jagdgästen in «inen großen Saal zum Frühstück geleitet. Vergeblich sah er sich aber nach der Angebeteten seines Herzen» um, Helene, die schöne, liebenswürdige und geistreiche Nichte des Baron, war nirgends zu erblicken, und Oswald wagt« es nicht, nach ihr zu fragen. Zu seinem großen Aerger bemerkte er aber bald den Regierungsrath, Frau von Pellheims Bruder, unter den Jagdgästen und schwarz« Gedanken stiegen nun in Oswalds argwöhnisch gewordenem Herzen auf.
Gewiß war Frau von Pellheim auch auf Schloß Rudorf anwesend und wußte dafür zu sorgen, daß er Helenen nicht sah.
Wenig« Mimten später wurde da« Signal zum Aufbruch zur Jagd gegeben, aber Oswald beellte sich heute nicht, der Erste zu fein, der da« Schloß verließ, denn noch immer hoffte er Helenen zu sehen und wenigstens einen Blick von ihr zu erhaschen. Er lief sogar zu diesem Zweck« noch einmal in die Vorhalle des Schlosses zurück, als bereit» alle Jäger aufgebrochen waren. Und da hatte er das Glück,


