Nr. »4
1896.
DsrmerStag bett 13. August
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UiltrrhaUmgMatt ;um Meßmer Anzeiger (General-Anzeiger)
Der Doppelgänger.
Novelle von I. Piorkowska.
(Schluß.)
Rasch trat Oswald hinzu, um ihr bet dem vergeblichem Bemühen, sich wieder loszumachen, behülflich zu sein.
„Sie gestatten, mein gnädiges Fräulein I"
Diese einfachen Worte berührten eine verwandte Saite in ihrer Brust. Wo hatte sie dieselben schon einmal von seinen Lippen gehört?
„Ah, jetzt weiß ich es!" sprach sie und sah lebhaft zu ihm auf.
Oswald erblaßte. Wußte sie es wirklich? Was bedeutete der muthwillige Blick in ihren schwarzen Augen?
„So erinnern Sie sich wirklich, wo Sie mich — oder vielmehr meinen Doppelgänger gesehen haben?" fragte er.
„Ihren Doppelgänger — Sie entschieden nicht," erwiderte sie lachend, „Ihre Cousine — Frau von Trebnitz ist doch wohl Ihre Cousine? — sie hat den komischsten Kutscher, den meine Augen je gesehen haben!"
„Und diesem komischen Kutscher soll ich ähnlich sehen?"
„Ich will Sie nicht beleidigen," fuhr Helene munter fort, „aber wahrhaftig, diese Aehnlichkeit ist ganz wunderbar! — Uebrigens knüpft sich eine kleine Geschichte an diesen Kutscher — wenn Sie wollen, erzähle ich sie Ihnen."
„Wie Sie soeben sagten," fuhr Helene fort, nachdem sie mit ihrer kleinen Geschichte zu Ende war. „Sie gestatten, mein gnädiges Fräulein," mußte ich unwillkürlich daran denken, wie er vom Bocke sprang und mir den Klingelknopf aus der Hand zog. Sein übergroßer Eifer machte mich ein wenig stutzig, doch flößte mir seine ganze Erscheinung solche Furcht ein, daß ich nichts zu sagen wagte. — Vor Ihnen braucht man sich sicher nicht zu fürchten? — und doch," sprach sie wie sinnend weiter, „haben sowohl Ihre Züge wie Ihre Stimme eine ganz wunderbare Aehnlichkeit mit dem Kutscher. Es darf Sie das wirklich nicht kränken, denn wie ich schon sagte, war es ein Kutscher ganz außergewöhnlicher Art."
Wieder derselbe Blick! War das Bosheit, die aus diesen schönen dunklen Augen sprach?
„Wissen Sie," Hub sie, müßig mit ihrem Fächer spielend, nach kurzer Pause in unschuldigem Tone wieder an, „noch nie in meinem Leben habe ich aber auch eine so wunderliche Livree gesehen, wie die Trebnitz'sche!"
„Ich habe darauf wirklich noch nicht geachtet," versetzte Oswald, geflissentlich ihrem Blicks ausweichend, „warum aber machen Sie Frau von Trebnitz nicht darauf aufmerksam? Sie find ja wohl sehr befreundet mit ihr?"
„Sehr — wir haben überhaupt kein Geheimniß vor einander."
Wieder schaute sie schalkhaft lächelnd zu ihm auf. War es nun der eigenthümliche Ausdruck seine« Gesichtes oder ein spaßiger Gedanke, der ihr durch den Kopf fuhr, genug, plötzlich brach sie in ein heiteres Lachen aus und sagte dann:
„Da fällt mir noch etwa« höchst Komischer von dem Kutscher ein, was ich Ihnen zu erzählen vergaß; er grüßte nicht wie ein Kutscher, sondern nahm wie ein feiner Herr den Hut vor mir ab. Das Wunderbarste aber kommt noch. Denken Sie," und wieder suchte ihr muthwilliger Blick seinem ausweichenden Auge zu begegnen, „denken Sie, beim Abschied reichte der Mensch mir die Hand!"
„Wie? Soweit hat sich der Mensch, dieser dreiste Kutscher, vergessen!" stieß Oswald unwillkürlich hervor. „Das muß ich meiner Cousine, Frau von Trebnitz melden, und wenn sie ihn nicht über diese Dreistigkeit zur Rede setzt, so werde ich e» thun."
„O, Herr von Burgstedt, ich bitte, strafen Sie den Kutscher nicht, denn er war in jener Nacht mein treuer Beschützer und hat es sicherlich gut gemeint, als er mir herzlich die Hand reichte. Sicherlich hat der Kutscher ein gutes Herz!"
„Meinen Sie!" kam es jetzt mit seltsamer Betonung von Oswald» Lippen und verlegen und doch innig hing sein Blick an den Augen des schönen Mädchen».
„O, gewiß hat dieser Kutscher ein gute« Herz, denn er konnte e» nicht über sich gewinne», mich so allein an der verschlossenen HaMhür stehen zu lassen," entgegnete Helene und ihre Stimme wurde wärmer. „Also Sie versprechen mir, Herr von Bsrzstedt, daß Sie Ihrer Frau Cousine nichts vLvo« daß deren Kutscher sozusagen au» Edel« muth, au» Nächstenliebe eine kleine Taktlosigkeit beging."
„Ja, ich verspreche es Ihnen, und zwar sehr gern," er«


