Ausgabe 
13.6.1896
 
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Falle nicht. Brand ist nach meiner Usberzeugung ein Mann, der mit seinem Herzen keine Scherze vertragen kann und dann wirst Du nur hemmend und störend auf seine Künstler- laufbahn einwirken."

Hemmend und störendI Ich werde ihn begeistern! Seine Seele wird die Flügel entfalten und wird Großes leisten in seiner Kunst," erklärte die Comteß in plötzlicher Be­geisterung.

Du vermöchtest es vielleicht, eines Künstlers Seele zum Höchsten zu entflammen," entgegnete der Graf ernst,wenn Du selbst eine große Seele und einen festen Character be­säßest, Isolde. Aber Dein Wankelmuth, Deine Launen und Dein noch zu sehr an Aeußerlichkeiten hängendes Herz richtet ja viel eher Schlimmes als Gutes an. Denke doch an Hagen!" Isolde zuckte lächelnd mit den Schultern.

Pepa wird wirklich ein rechter Philister," murmelte ste dann, als dieser sie verlassen hatte.Ec thut ja gerade, als wäre dieser schöne Herbert B-and ein Engel, der sich auf diese böse Erde verirrt hat und über dessen Unschuld er wachen müsse. Wozu ist man denn jung, schön, reich und vornehm, wenn man sich diese Vorzüge nicht zu Nutze machen soll.

Zweites Capitel.

Am andern Morgen trat Comteß Isolde, kokett wie sie nun einmal war, in einem malerischen Phantasiecostüm zu dem jungen Maler in den Mustksaal, ihn fragend, ob sie vor seinen Augen Gnade fände, wenn er das Bild nach ihr malen wollte. Sie sah in dem farbenreichen Gewände und dem aufgelösten dunklen Haar, in welchem sie funkelnde Edelsteine I befestigt hatte, wunderschön aus.

Herbert betrachtete ste mit prüfenden Blicken und ohne irgend welche begeisterte Beifallsbezeugungen war er nur ganz Künstler ihr gegenüber, und Isolde verdroß es fast, wie er so ernst und ruhig seine Anordnungen traf, als wäre sie nur em Modell und nicht dis schöne Gräfin Isolde!

Ihr Vater hingegen beobachtete von einer Fensternische aus mit den Augen des idealen Kunstfreundes das junge Paar I mit innerer Genugthuung. Isolde schien schon nach der ersten halben Stunde sehr gelangweilt, während in Herberts Zugen sich die echte künstlerische Begeisterung widerspiegelte, seine Wangen rötheten stch und seine Augen strahlten.

Er ist wirklich recht hübsch," dachte Isolde und sie fragte sich dann, ob er immer so künstlerisch ernst bleiben und niemals eine Herzensregung für sein schönes Modell haben würde. Fast schien es so trotz des täglichen Zusammenseins, trotz der bezaubernden Liebenswürdigkeit der jungen Gräfin ! Herbert gegenüber. Sie blieb für ihn die hochgeborene Dame, i welcher er, der arme Beamtensohn, mit keinem Blick aus­zudrücken wagte, was er für sie empfand. Sie war so schön und er so jung, so unerfahren, kannte die Ge allsucht der Comteß gar nicht und da war es ja ganz natürlich, daß sein Herz in erster Liebe heiß zu Comteß Jsoloe erglühte, aber er sagte sich täglich, daß diese Liebe eine ungestandene bleiben müsse, da ste wegen des großen Rangunterschiedes zwischen der Gräfin und ihm doch hoffnungslos war.

Die Tage gingen hin, das Bild näherte sich der Voll- endung, die Sitzungen der jungen Gräfin waren nicht mehr nöthig, nur dann und wann erschien sie noch tm Musiksaal, dort den jungen Künstler und sein Werk voll Jntereffe be­obachtend. Bisweilen auch kam sie, um ihn seiner Muse untreu zu machen, wie ste sich lachend ausdrückte, nämlich um ihn nach dem Gesellschaftszimmer herüberzulocken, wo ver­schiedener Besuch angelangt war. (Fortsetzung folgt.)

Warum nicht!" erwiderte diese und ließ sich dann das | Bild, welches er den Auftrag hatte zu malen, näher erklären. Ihr größter Interesse schien der Geigenspieler darauf zu er­regen. I

'Ist es ein Portrait, ist es ein Freund von Ihnen?" forschte sie. L

Gewiß, es ist einer meiner besten Freunde.

Welche Liebesgluth leuchtet in seinen dunklen Augen, aber die Geliebte fehlt noch."

«Sie darf doch Ihre Züge tragen, Gräfin."

Meine Züge ich ich soll es sein!" rief Isolde. O, dar ist eigentlich seltsam! Aber warum nicht? Ja, ver- suchen Sie er, mich zu malen. Wählen wir recht lebhafte Farben, dar Haar aufgelöst, nicht wahr? Morgen schon können wir damit beginnen."

Lachend Herbert zunickend, schwebte sie zur Thür hinaus, und diesem war es, als hätte er einen wunderschönen Traum gehabt. Er packte Pinsel und Palette zusammen und dann saß er eine Stunde später, nachdem er stch umgekleidet, Isolde wieder gegenüber in dem mit Eichenholz getäfelten Speise­saale des Schlosses.

Die junge Gräfin machte die liebenswürdige Wirthin und erklärte lachend, daß sie mit ihrer plötzlichen Ankunft ihrem Herrn Papa eine Ueberraschung nach der Art neckischer Kobolde habe bereiten wollen. Nun treffe es sich aber gerade so, daß ihr Papa in der Nachbarschaft einen Besuch mache. Sicher werde er aber zu Tisch zurückkehren.

Draußen im Park flöteten die Nachtigallen, große Flieder- sträube, mit welchen die Tafel geschmückt war, dufteten so süß, berauschend.

Traumverloren schaute Herbert in die schwarzen Augen I ihm gegenüber.

Doch eines schwarzen Auge Gefunkel Ist stets wie Gottes Wege dunkel.

Hörst Du es nicht, das Dichterwort, wie es neckffche | Kobolde, die da in den dämmerigen Ecken des Saales herum- huschen, leise flüstern und spöttisch dazu lachen. Siehst Du nicht, wie um die feinen Lippen der jungen Gräfin auch so ein eigen spöttisches Lächeln zuckt. Nein, er sah und hörte nichts, er empfand nur voll und ganz all die zauberische Schönheit dieses Tages, sah Alles im idealen Lichte-

Mit etwas nüchternen Augen blickte Graf Tannen, der soeben hereintrat, auf das junge, heitere Paar und begrüßte dann seins schöne Tochter ziemlich kühl. Offenbar war ihm die Ueberraschung, die ihm seine Tochter mit ihrer unangemel­deten Heimkehr bereitet, nicht ganz recht.

Man saß wohl eine Weile im Gespräch zusammen, dann zog sich Herbert zurück, da er annahm, daß Vater und Tochter noch allein zu sein wünschten, ihm hatte ja auch der Tag genug des Glückes gebracht und er wollte nun ruhen und davon träumen. , t , ,,1£ ..

Ich will nicht hoffen, Isolde, daß Du in leichtfertiger Gefallsucht dem guten Maler Thorheiten in den Kopf setzest, sagte der Graf, nachdem sie allein waren, in ziemlich herbem Tone zu seiner liebreizenden Tochter. Und in sehr ernster Weise fuhr der Graf fort:Selten ist mir eine so reine, vom Staub der Welt so wenig berührte Jünglingsseele wie Herr Herbert Brand begegnet."

Ja, aber solche Menschen sind auch ziemlich unintereffant, meinte Isolde spöttisch. !r

Es sollte mir lieb sein, wenn Du das Gegentheil Deiner oberflächlichen Behauptung fändest," bemerkte Graf Tannen streng,denn in seiner Arglosigkeit, seinem kindlichen Glauben an die Menschheit wäre er natürlich unrettbar ver­loren, wenn er in die Schlingen einer hochmüthigen und gefallsüchtigen Dame fiele."

Aber Papa, welche bösen Worte läßt Du mich hören. Es wäre doch sicher sehr harmlos, wenn ich mich ein wemg amüsirte mit diesem hübschen jungen Maler. Sein Herz wird nicht gleich davon brechen, wenn er auch ein wenig Gefallen an mir findet." . ., . k.

Nein, nein, dieser Anschauung huldige ich in diesem

Gesundheitspflege im Juni.

Von Dr. Otto Gotthilf.

(Nachdruck verboten.)

Der Mai war diesmal im Allgemeinen ein rauher, un­freundlicher Geselle, welcher seinen NamenWonnemonat wahrlich keine große Ehre gemacht hat. Am unangenehmsten