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Samstag den 13. Juni

Nr. 68

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UnterhaUungsblatt pim Gießener Anpiger Meneriü-Anrciger)

Die Vergeltung.

Novelle von F. Stöckert.

------- (Nachdruck verboten.)

Erstes Capitel.

Aus dem Tannendunkel einer bewaldeten Hügelkette trat an einem herrlichen Maitage ein junger Wandersmann und schaute mit hellen Künstleraugen um stch.

Welch' ein Anblick bot stch ihm dar! In erster lichter Frühlingsschönheit lag die Welt vor ihm; dort unten die Häuser im Dorfe erschienen wie eingehüllt in Blüthevpracht, von den Bergen drüben stürzte der Gebirgsbach herunter und seine klaren Wellen glitzerten im Morgensonnenschein.

Herbert Brand, so hieß unser Wanderer, war jung, war Künstler, und hatte jetzt zum ersten Male einen ehrenvollen, lohnenden Auftrag bekommen, der ihn nach jenem Schlößchen, das dort in der Ferne mit seinen zierlichen schlanken Thürmen auftauchte, berief. t ,

Es war daher kein Wunder, daß er, als er so in der berauschenden Schönheit des Frühlingsmorgens inmitten einer herrlichen Natur stand, jubelnd den breitrandigen Hut vom Kopfe nahm und Ulrich von Huttens Worte:Es ist eine Lust zu leben!" stch jubelnd von seinen Lippen drängten.

Und wer den jungen Künstler so gesehen hätte, die schlanke, elastische Gestalt, das blühende, lebensfrohe Antlitz, ein Bild heiterer Jugend, der würde gerufen haben:Es ist eine Lust, ihn zu sehen!" It

Aber Niemand sah ihn, denn die Zeit, wo Touristen aller Art dieses paradiestsche Fleckchen Erde bevölkerten, war noch nicht da; einsam zog er seine Straße, lauschte auf den Gesang der Vögel und ließ den FrühlingSwtnd mit seinen ^0^'Einsam"'«« auch das Schloß, das Ziel seiner Wanderung, vor ihm, als er jetzt um die Mittagsstunde stch demselben näherte; einsam wie das Schloß im Märchen mit seinen weißen, von Schlinggewächsen umsponnenen Säulen. Nur eine Nachtigall flötete ihm ihr süßes Willkommen. Wohnte eine böse Zauberin in diesem Märchenschloß und war die Nachtigall rhre Dienerin, die mit süßem Gesang den arglosen Wanderer heranlockte?

Das Gitterthor des groben Schloßgartens war gastlich geöffnet. Der junge Maler Herbert Brand trat ein und als er jetzt seinen Fuß auf die breite Freitreppe des Schlaffes setzte, da war es ihm, als schaute aus den Fenstern die Romantik und sah ihn verwundert an mit großen, dunklen Märchenaugen, als wollte ste ihn fragen: Was willst Du hier, Du Kind einer Zeit, die alle Romantik verachtet, in der Niemand mehr nach der blauen Blume frägt.

Ach, willkommen, seien Sie herzlich willkommen, Herr Maler!" Mit diesen Worten begrüßte ihn jetzt eine freund­liche alte Frau, die aus einer Seitenthür trat- Sie hatte ein weißes Häubchen auf und machte in ihrem dunklen Cattunkleide und der großen weißen Schürze durchaus keinen romantischen Eindruck. _

Der Herr Graf sagte mir gestern, daß Sie in diesen Tagen kommen würden, ich habe Aller hergerichtet im Thurm­zimmer, welches Sie bewohnen sollen," berichtete ste, indem ste Herbert in das Schloß führte.Auch im Mustksaal ist Alles bereit, Sie können die Wände gleich bemalen."

Herbert lachte-Das geht so schn ll nicht, liebe Frau, erst müflen Pläne entworfen, Skizzen gemacht werden."

Na ja, davon versteht Unsereins ja nichts, aber der Herr Graf versteht'-, der wird's Ihnen schon sagen, wie er Alles wünscht. Er ist heute auszeritten, kommt aber zum Abend wieder. Wenn der Herr Maler es stch vielleicht bequem machen wollen, dann bitte, hier links geht es herauf."

Sie stiegen eine zierliche eiserne Wendeltreppe herauf und betraten dann das Thurmzimmer, welches eine herrliche Aus­sicht bot in's Gebirge.

Der junge Maler warf sich, nachdem die redselige Alte ihn verlassen, auf einen Sessel am Fenster und blickte träumend hinaus in die Landschaft. Leuchtende Zukunftsbilder stiegen vor ihm auf; es war ihm, als müsse hier des Schicksals Flügelschlag ihn umrauschen, sein Leben stch um Vieles inhalt- reicher gestalten wie bisher-

Am Abend kam der Graf- Er begrüßte seinen rungen Gast auf das herzlichste, ste nahmen gemeinschaftlich da« Abendessen ein und saßen dann noch lange draußen unter der Säulenhalle bei einer Flasche guten Weines.

Graf Tannen theilte Herbert seins Pläne mit betreff» der Wandgemälde, die dieser malen sollte- Welche reiche

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