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et dem ehrlosen Weibe nachlief, bas ihn mit dem ersten besten Maler betrog?
Und doch! Wie dar unschuldige Kind so sanft schlum* werte! Vielleicht war da« auch nur Lüge, was dis Padrona aus der Luna der Carducea gesagt.
Diese ging geschäftig im Hause ab und zu.
„Ich rüste die Gastkammern; im Schloß brennt Aller, war Holz ist, wie wenn dar Feuer an allen vier Enden ausgebrochen wäre," sagte sie und forderte keine Antwort von Paula, sondern lief geschäftig weiter.
(Fortsetzung folgt.)
Auf der Kkenthierjagd.
Eine Jagderinnerung aus Livland. Von A. v. Stetten.
An einem Spätherbsttage der Jahres 1887 erhielt ich die sehr herzlich abgefaßte schriftliche Einladung einer meiner ehemaligen Bonner Universitätsfreunde, Namens Pettrasch, eines Dmtschruflen, ihn auf seiner schönen Besitzung im nördlichen Livland zur Abhaltung von größeren Jagden zu besuchen. Da ich meinem Freunde schon längst einen Besuch in seinem baltischen Heim zugesaat hatte und es ferner für mich zu Hause gerade nichts zu versäumen gab, so beschloß ich, der liebenswürdigen Einladung trotz der herrschenden rauhen Witterung Folge zu leisten. Nach anstrengender Eisenbahn- reise, welcher eine mehrstündige Wagenfahrt auf ziemlich primitiver Straße folgte, traf ich in K., dem inmitten ausgedehnter Waldungen gelegenen Landsitze meines Freundes, ein, und fand dabei den denkbar besten Empfang. Noch am Abend des Ankunftstages ging ein tüchtiges Schneewetter nieder, und Freund Pettrasch meinte lachend, als ich mit ihm und seiner liebenswürdigen Gemahlin an der wohlbesetzten Abendtafel saß:
„Das gibt einen braven Schnee, lieber/Stetten, Du hättest es gar nicht besier treffen können! Denn nunmehr stehen Dir die schönsten Jagdparthien per Schlitten, wie per Schneeschuh in Aussicht, und ich sage Dir, an Abwechselung wird es nicht fehlen. Aber, ä propos, alter Corpsbruder, vielleicht wirst Du erst ein bischen Unterricht im Schneeschuhlaufen nehmen müssen, oder hast Du Dich seit unserer Bonner Studentenzeit auch schon auf dieses Gebiet gewagt? '
„Keine Angst, alter Junge," erwiderte ich, einen kräitigen Schluck aus dem vor mir stehenden Glase voll alten Rüdesheimer nehmend, „ich glaube es im Wettlaufe selbst mit einem norwegischen Skiläufer aufnehmen zu können, und gerade hier in Euren baltischen Ebenen werden sich der Entfaltung meiner „Kunst" wohl nicht so große Hinderniffe entgegenstellen. Erlaube indeffen meinerseits eine Frage: Bei welcher Jagd sollen denn die Schneeschuhe in Thätigkeit treten?"
„O, das ist ziemlich gleichgültig," meinte der Hausherr und strich, wiederum lächelnd, seinen mächtigen Bart, „Du wirst sie auf unseren Ausflügen schon brauchen, denn wir pflegen hier zu Lande mit S vnee gesegnet zu werden. Ich will Dir jedoch verrathen, daß ich im Speciellen an eine Elenthierjagd denke, womit ich Dir jedenfalls etwas Neue» bieten darf, und wollen wir an die Ausführung dieses Unternehmens gehen, sobald das Wetter nur einigermaßen dies gestattet."
Das Tischgespräch wandte sich dann d-n gemeinschaftlich verlebten schönen Zeiten an den Ufern des Vater» Rhein zu, dennoch vergaß ich darüber nicht die von meinem Freund gegebene Anregung, und noch ehe ich mich zur Ruhe begab, mußte mir Pettrasch nochmals die Versicherung ertheilen, daß ich in der That das aufregende Vergnügen einer Jagd auf da« mächtige Elen genießen solle.
Am zweiten Tage nach meinem Eintreffen forderte mich denn auch der Schloßherr von K. früh auf, ihn auf einer Pirsche gegen Elenthtere zu begleiten. Seine Waldläufer
hatten die Spur diese« immer seltener «erdende» Wildes auf* gefunden und ihn unverzüglich von ihrer Entdeckung in Kenntniß gesetzt. Rasch waren die nöthigen Vorbereitungen getroffen und wir folgten nun auf unseren Schneeschuhen, die sich angesichts der die Gegend ringsum bedeckenden Schnee- maffen allerdings als auch sehr nöthig erwiesen, dem Forst, oder Waldaufseher nach, der die Meldung von den entdeckten Elenthierspuren ins Schloß gebracht hatte. Wir, mein Freund und ich, führten jeder einen hochbeinigen Jagdhund aus der gutbesetzten Meute des Ersteren mit uns, und die Ungeduld, mit welcher die klugen Thiere an der Leine zerrten, bewies hinlänglich, daß sie zu wissen schienen, an welch' besonderem Unternehmen sie heute mitwirken sollten.
Nach etwa einstündigem schnellen Dahinschlürfen auf dem prächtig tragenden Schnee erreichten wir den Fleck, an welchem der Forstläufer am Tage vorher zuerst auf die Spuren der Elenthtere gestoßen war. Zunächst zeigte sich allerdings nur eine Spur, diejenige eines alten Bocke», wie mein Freund behauptete, nach etwa halbstündigem Äeitermarschiren er* blickten wir jedoch eine dritte und vierte, und vereinigten sich sämmtliche letztere Spuren dann mit der zuerst ausgefundenen Fährte. Die drei zuletzt entdeckten Spuren characteri- sirte Pettrasch al» von einer Kuh und zwei Kälbern herrührend und fuhr dann in seinen Erläuterungen fort, indem er sich auf den Schnee niederbückte und die Fährten der Elenthtere einer nähern Untersuchung unterwarf. ■
„Es ist so, wie ich sagte, ein Bock, der ein recht stattlicher Bursche sein muß, sowie eine Kuh sind hier vorübergegangen, und zwar kann dies kaum erst vor einer Stunde geschehen sein, die Spuren sind ja noch ganz frisch. Möglicher weise sind die Thiere gar nicht weit entfernt — ah, wahrlich, da drüben sind sie — still!"
Mein Freund hatte sich bei den letzten Worten wieder emporgerichtet und deutete nach einem etwa dreihundert Schritt entfernten Dickicht hin. Ich verfolgte mit den Augen die angegebene Richtung und sah nun zwischen den bereiften Zweigen die dunkeln Umrisse des Rückens eines großen Thiere» mit ungeheuerem schaufelartigen Geweih, welche» über da» Unterholz herausragte. In der Nähe entdeckte ich dann bei schärferem Zusehen noch drei andere kleinere Thiergestalten, kein Zweifel, wir hatten den Elenbock und die drei weiblichen Thiere vor uns.
Wir hielten rasch entschlossen Kriegsrath, zu dem auch der Waldläufer beigezogen wurde, und das Ergebniß der Conferenz bestand in dem Beschlüsse, die Hunde auf das erspähte Wild loszulassen und ihnen mit möglichster Schnelligkeit zu folgen. Wüthend Laut gebend schoflen dis beiden Köter auf das Dickicht los, während wir drei Jäger auf unseren Schneeschuhen hinter den Hunden dreinsausten. Die Elenthiere warteten natürlich dar Herankommen der Hunde nicht ab, sondern stürmten auf der uns abgewendeten Seite des Gebüsches heraus und auf einen Hochwald zu, welcher in einiger Entfernung von dem erwähnten Dickicht begann. Rasch umliefen wir dasselbe, als wir jedoch die Haidefläche erreichten, welche sich bis zum Saume des Hochwaldes htn- zog, da waren die Elenthiere unseren Blicken entschwunden, nur ihre Fährten und das immer eifriger ertönende Gebell der Hunde deuteten die ungefähre Richtung an, in welcher sich das verschwundene Rudel befinden mußte. Ohne Zeitverlust eilten wir indeflen nach der Gegend de» Waldes zu, von welcher her das Gekläff immer lauter und schärfer erscholl, und bald erreichten wir eine kleine Lichtung, auf welcher sich das männliche Elen nit Hufen und Geweih energisch gegen seine ihn hart bedrängenden vierfüßigen Verfolger zur Wehr setzte; von den drei weiblichen Eienthieren war dagegen nichts mehr zu bemerken. Als wir uns der kämpfenden Gruppe näherten, setzte sich der Bock in eine« schwerfälligen, aber trotzdem rasch fördernden Trab und war mit den ihm folgenden Hunden bald auf» Neue unseren Blicken entschwunden. (Fortsetzung folgt.)
Redaktion: A. Gcheyd«. — Druck und Verlag der Brühl'sch«, UniversikSts-Buch- und Steindruckerei (PietsH & Scheyda) in Gießen.


