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Wnlerhaltungsblatt WM Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

Flammen aus der Asche.

Novelle von L. H a i d h e i m.

(Fortsetzung.)

Als Signora Teresina spät erst erschien, trat ihr Paula schon entgegen, nahm sie mit sich eine ganze Strecke vom Hause weg und sagte ihr:Lassen Sie meinen Vater nichts hören von jenen Leuten."

Sie selbst aber hörte Alles, was Frau Teresina wußte.

Im ersten Stock des Schlosses hatten sie Stuben; schön mit Marmor waren der Fußboden und die Wände getäfelt, Glasfenster gab es freilich nicht, ein Linnentuch für die Nacht genügte. Aber, o dio mio, diese Frau! In einer Ecke saß sie wie eine Wüthende, nichts that sie für ihr Kind, sie weinte und schalt nur und schrie, ihr Mann betrüge sie und sie sei nicht von der Art, dazu gutmüthig zu schweigen.

Und was sagt er?" fragte Paula bebend.

Er sitzt bei dem Kind und sicht bleich aus wie ein Kranker, aber er sagt nicht eine Silbe und das macht die Frau noch toller. Geld haben sie auch nicht viel," zuckte Signora Teresina die Achseln-Er fragt bei Allem: Quanto costa? Ah, Agerala braucht keine Bettler, wir haben selbst Arme genug."

Signora, wenn es den Fremden an Dingen fehlt, die ich habe, so kommt und holt sie von mir," sagte Paula und dann fragte sie nach dem Kinde, ob es der Mutter gleiche.

O nein, nein, ein blonder, kleiner Engel. Arme Kleine! Poverina l Aber es schadet ihr nicht, daß sie nicht die Schön« heil ihrer Mutter hat, sie wird sterben und bei der heiligen Mutter Gottes besser aufgehoben sein."

Liebt das Kind den Vater?" fragte Paula weiter.

Ob es ihn liebt? Man kann es nicht sehen ohne Weinen, wie es die mageren Aermchen um seinen Hals schlingt. Das arme Ding! Es ist so matt, kann kaum einen Ton von sich geben und bittet doch kläglich: Mama mia, nicht böse werden, der Papa will gut sein."

Ein Schaudern überlief Paula.

Das war Erich? Sein Kind bettelte um Gnade für ihn, um die Freundlichkeit der Mutter für den Pava? O,

die Schandei War er denn feig geworden? War er kein Mann mehr vor diesem, seinem wunderschönen Weibe? Und die Elende mißhandelte ihn?

In großer Aufregung ging Paula nach der Klippe zurück.

Vollzog das Schicksal diese grausamste Rache an ihm um ihretwillen?

Und konnte es eine Strafe geben, die schrecklicher war al« diese, daß die verlassene Braut Zeugin werden mußte der Schmach, die ihm von seinem Weibe geschah?

Als Paula in das Haus zurückkam, das ihr heute be» sonders eng und düster erschien, rief der Vater sie zu sich. Er lag lesend im Bett, seine Lampe brannte auf einem Tisch hinter seinem Kopfe. Durch da« offene Fenster herein kam eine balsamische Kühle und draußen spannte sich der stern­besäte Himmel über das in metallischem Glanz hier und da aufleuchtende Meer.

Wo steckst Du denn, Kind ? Du wirst mir kopfhängerisch. Wird Dir diese himmlische Stille zu viel, muß ich mit Dir nach Ravello hinauf? Dort sind Menschen genug!" sagte er lebhafter und freundlicher als gewöhnlich.

Sage Ja! Geh' fort von hier!" rief es mahnend in Paula, doch eine andere Stimme protestirte ungestüm dagegen.

Dieser letzteren folgte sie.

Nein, Papa! Dir thut dieses Stillsein hier gut, das ist die Hauptsache," antwortete sie und wußte ganz gut, daß sie bleiben wollte aus Stolz und Trotz und o auch aus grausamer Rachsucht!

Ja, es thut mir gut, ich wußte es wohl," erwiderte der Vater, immer in diesem freudigeren Tone.Keinen Menschen sehen, keine fragenden, neugierigen Blicke, keine Stimmen hören zu müssen! Und hier dieser Frieden, diese Harmonie! Was fehlt uns auch! Die brave Signorina kocht gut und Du machst mir sogar dies Häuschen hier ganz traulich. Weißt Du, Paula, ich habe heute zum ersten Male wieder mit Genuß meinen Shakespeare gelesen. Wie der die Menschen kennt!"

Und all' der Menschenhaß und die Menschenverachtung in ihm klangen sofort wieder au« seiner Stimme-

Wenn Du jetzt anfingest, Deine Erinnerungen zu schreiben, Vater?" ermunterte fie ihn.

Noch nicht, Paula, ich bin noch viel zu krank dazu-