Untrchaltungstrlatl jnm Meßmer Anzeiger (Genrral-Anpiger).
Gamstag -e» 12. September
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Roman von E. v. Linden.
(Fortsetzung.)
r, «Ra, der Herr Rittmeister war dabei, als der Fuchs o bemerkte der Kutscher, „und er ver
steht sich auf die Pferde und wie sie behandelt werden müssen. Das kommt nur von's dolle Reiten —“
Der Amerikaner hob mit einem Fluch die Peitsche, ließ sie dann, sich gewaltsam bezwingend, wieder finken, weil er der drohenden Mahnung des Onkels gedachte. Run, es sollte diesem anfsässtgen Gestndel später eingetränkt werden.
Der Stall des Barons bestand meistens au» kräftigen Acker-Gäulen und einigen schönen Wagenpferden. Es wurden nur vier Reitpferde gehalten, von denen eine Stute besonders seschont wurde, während der Fuchs das schönste und werth. vollste Thier gewesen war- Hans Justus, derüber diese „philisterhafte Knauserei«, wie er fich ausdrückte, schon öfters in seinem Bekanntenkreise gespottet hatte, sah fich nun durch eigene Schuld in die unangenehme Lage versetzt, entweder auf ein eigenes Reitpferd verzichten zu müssen, da der Onkel ihm sicherlich kein zweites Pferd, abgesehen von der Stute, schenken werde, oder sich selber ein« anzuschaffen, was ihm allerdings in Betreff der Geldmittel keine Kleinigkeit gewesen wäre, dem mißtrauischen Onkel jedoch gegenüber sicherlich zu einer unerquicklichen Auseinändersetzung führen mußte. Wie sollte er eine solche Ausgabe mit seinem schmalen Taschengelde in Einklang bringen?
Blitzschnell flogen ihm diese Gedanken durch den Kopf, S imE. E finster zusammengezogenen Brauen auf das tobte Pferd blickte. -5
„Melwig muß helfen/ mit diesem rettenden Ausweg tthrte er ins Schloß zurück, wo er sich, anstatt nach seinem Thurmzimmer zurückzukehren, ins unverschlossene Wohnzimmer begäb. Sein unruhiger Blick schweifte umher, ohne an irgend einem Gegenstände haften zu bleiben. Was wollte er hier denn eigentlich? Ja so, erhalte die Ahnen-Gallerie der Amngs sich noch nicht einmal genau angesehen und gehörte doch, wie er spöttisch dachte, zu der hochmüthigen Sippe,
war der einzige legitime Erbe und Träger dieses Namens. Wie, eine Fremde sollte es wagen dürfen, ihn um fein Erbe Notlügen? Und er, Hans Justus, hatte nur einen Augen- blick denken können, diese Mondschein-Prinzessin zu heirathen? Bah, was war sie gegen jene, stolze Dänin mit der könia- uchen Haltung und dem königlichen Namen! Ebba Regina Melwig sollte die künftige Herrin auf Alting werden; um dieses Ziel zu erreichen, war er entschlossen, jenes Hinderniß aus dem Wege zu räumen. Was war es weiter als ein Kampf auf Leben und Tod mit Feinden, wie solches in jedem Kriege sanctionirt war! 1
Mit diesen ebenso fürchterlichen als sophistischen Gedanken beschäftigt, betwt er ein offenes Nebenzimmer, wo Baron Justus in der Regel feine Siesta hielt, oder sich bei einer Cigarre von Ellen die Zeitungen vorlesen ließ. Es war ein traukr Raum, mit der Aussicht auf den Garten, der besonders m Winter wie geschaffen zum Plauderwinkel und zum friedlichen Ausruhen war.
°ber auch keinen Funken von Wer- N«dniß für häusliche Gemüthlichkeit und friedliches Behagen. a?re:nb einen Blick umher und meinte halblaut. „Armseliges Volk, alles weibisch von einem Ende zum
* Wen md J-gd.T?°ph--n ww I» dK Raum ansüllen, alle meine Sportr-Geräthschaften sollen hier KgÄ Ä ”' dam' t”m 6661
Er sann einige Minuten nach.
- "Dort muß des Onkels Zimmer sein, mit dem Ausgang "ach der Halle/ murmelte er, von einem plötzlichen Gedanken erfaßt. „Hier links das Speisezimmer, doch weiß ich bestimmt daß es mit dem seinigen nicht in Verbindung steht, während ^^o?/^?b"fimmer aus diesen Raum als Durchgang benutzt hat, sich hier also eine Thür befinden muß. Er wird sein äF&'fiÄ W ttu* verschlossen haben, suchen wir
f ^e Verbindungswand entlang, mit Hand und und tastend, bis er mit einem triumphirenden
Aa! die von ihm vorausgesetzte Tapetenthür entdeckt hatte. Im nächsten Augenblick war Re seitwärts geschoben, Hans Justus blickte in des Onkels Zimmer, das er ohne Zögern betrat und ohne nach rechts oder links zu sehen, bis zum


