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und Käfigen ist also genugsam Gelegenheit geboten; doch mutz da« Einbringen neuer Gäste natürlich mit Vorsicht geschehen. Staate, Drosseln, Lerchen und viele andere Vögel haben jetzt schon flügge Jungen. * ,
Zur Vertilgung der Blattläuse au Obstbäumeu und Rosen werden alljährlich in den verschiedensten Blättern eine Menge von Mitteln angesührt und gewiß könnte mancher unserer Leser zu den tausenden dahingeschiedenen Bäumen, welche in Folge Anwendung untrüglicher Mittel sammt Blattläusen und Ameisen zu Grunde gingen, ein kleines Schärftet« beitragen. Wer seine Bäumchen schon mit flüssigem Theer, mit Petroleum u- s. w. bestrichen hat, wird drese Mittel nicht weiter loben- Der „Practische" besitzt nur ein einziges Mittel, und dieses wendet er mit bestem Erfolg seit Jahren an. Billig, bequem avzuwenden und von Jedermann leicht herzu» stellen, wirksam und unschädlich für die Pflanzen. Das MÜtel besteht in Tabakwafler, das man sich durch Kochen von 1 Kilo Rippen- oder sonstigen geringen Tabak bezw. Ctgarrenstummeln in 8 bis 10 Liter herstellt. Mit diesem Absud bespritzt man die Bäume, kleinere mit einer Gläserbürste, größere mit einer Blumen- oder sogenannten Mehlthauspritze, von unten nach oben, damit die Unterseite der Blätter benetzt wird, wo die Blattläuse sitzen. Nach 5» oder höchstens 10 Minuten, während die Blätter noch naß sind, spritzt man in gleicher Weise mit reinem Wasser nach und so den Tabaksabsud wieder herunter- In dieser Zeit nämlich sind die Blattläuse getödtet; sollten sich hin und wieder nach einigen Tagen doch noch eivige lebende zeigen, dann spritzt man noch einmal. Das Bespritzen fottfcei trübem Wetter oder in den Abendstunden vorgenommen werden.
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Zur Pflanzung der" Stangenbohnen. Man setzt zwei Reihen Stangen auf ein 21/2 Fuß breites Beet in l1/, Fuß gegenseitigem Abstand, oder man setzt im ganzen Gemüsegarten vertheilt je 4 Stangen l!/2 Fuß im Quadrat auseinander, die man oben fist zusammenbtndet, pflanzt hier wie dort später 12 Bohnen um jede Stange und erntet so an den feststehenden Pyramiden, selbstredend durch Dünger und Wasser unterstützt, großartige Erträge Unter diesen Haupt- sächlich auf den Beelen stehenden Bohnevpyramiden kann ruhig jedes andere Gemüse stehen. Diese Doppelcultur hat gute Erfolge. Die Bohnenernte wird durch stetiges Adpflücken der gebrauchsfertigen Früchte sehr in die Länge gezogen; diese Hauptsache sollte doch nie versäumt werden. Zu Samen bestimmte Beete dürfen durchaus nicht gepflückt werden.
Blumenpflege. Mit dem Auspflavzsn der Georginenknollen wird fortgefahren, blühende Pflanzen sind anzubinden. Rach Mitte des Monats sind die härteren Topfpflanzen, wie Geranien, Fuchsien, Lantanen, Verbenen, Helilorop, Pentstemon, Lobelien, Cupheen, Knollenbegonien rc. in Gruppen zu vereinigen- Ende Mai Mai werden die feineren Sommerblumen wie Wunderbaum, Perillen, Zinnien u- bergt, ausgepflanzt. Der Rasen ist, wo er nicht zur Heuberettung verwendet wird, mindestens alle 10 Tage zu befchneiden, zu walzen und zu bewässern. Im Zimmerqarten stellt man nach der Mitte des Monats härtere Topfpflanzen auf Blumentragen vor das Fenster, auf Balkone rc. Beste Cacturverpflanzzeit. Die Topfpflanzen sind, je nach der Trockenheit, Morgens und Abends zu begießen, wobei das Ueberfpritzen nicht vergessen werden darf.
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Keller-Ungeziefer kann man vertreiben, wenn man frische Birkenbesen aufrecht stellt. Dieselben werden mit Vorliebe von Tausendfüßlern und Affeln ausgesucht und als Zu- flnchtsortsort benutzt. Schüttelt man von Zeit zu Zeit dre Besen aus und tritt ldie herausfallenden Thiere tobt und taucht man sie schnell in heißes Waffer, fo kann man auf leichte Weise das Ungeziefer vernichten.
V-viiMehtes.
♦* Viel genannt wurde dieser Tage die dem Dichter Richard Voß gehörige Villa Frascati bei Rom. Von einem Besuche des ihnen seit Jahren bekannten Dichters zurückkehrend, wurden der Herzog von Sachsen-Meiningen und seine Ge- mahlin von vermummten Räubern angehalten und mußten sich durch Opferung ihrer Baarschaft loskaufen. Wenn auch die Banditen schnell ermittelt und verhaftet wurden, so erregte es doch großes Aufsehen, daß ein solcher Ueb erfüll unmittelbar vor den Thoren Roms geschehen konnte und die Sicherheit der Campagna erscheint in recht trübem Lichte. Ein eigener Zufall nun fügte es, daß zu derselben Zeit, da das Ereigniß stattfand, ein neuer Roman von Richard Voß in Druck ging, deffen Handlung eben auf jenem Boden sich abspielt, welcher der Schauplatz des Raubanfalles war. Natür- lich nimmt der Roman auf jenes Abenteuer keinen Bezug, immerhin aber ist es intereffant, aus den farbenreichen Schilderungen des Dichters diesen Schauplatz kennen zu lernen. Ja der „Deutschen Romanbibliothek ' (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) erscheint der feffelnde Roman unter dem Titel „Villa Taverna".
Literarisches
Das Ba llongesp enst, eine nur den Luftschiffern bekannte Spiegel-Erscheinung im Wolkengebiete, lernen wir in dem von einem sachkundigen Aeronauten verfaßten, sehr gemeinverständlich geschriebenen Artikel „Eine Reise in die Wolken" kennen, der, mit buntfarbigen Illustrationen von der Künstlerhand Ewald Thiels versehen, die allgemeine Aufmerksamkeit in dem soeben erschienenen Hest 21 der beliebten Familienzeitschrift „W AU- SBeit* (Deutsches Verlagshaus B°nz und Co, Berlin W., Preis des Vrerzehntagsheftes 40 Pfg.) auf sich rieht Nicht nur eine Ballonfahrt allein, sondern auch die complizirte Herstellung des Ballons, die Füllung desselben, der Aufstieg, die Landung Entle-rung, Verpackung und der Rücktransport sind auf das Eingehendste beschrieben und farbenprächtig dargestellt. Außerdem enthält dieses Heft eine hochinteressante Skizze von Conrad Alberti „Gefangene Fürsten", die Fortsetzungen der Romane „Glücksspiel am Hofe" von Carl Ed. Klopfer und „In der kleinsten Hütte" von F. v. Kapfs- Essenther einen illustrirten Artikel über Norderney, eine reizende Er- . Ästung von Osear von Krücken, eine kleine Plauderei „Die X-Strahlen im Reichstag" mit einer Originalzeichnung von Fritz Gehrke, einen ein= gehenden Bericht über den Brückeneinsturz in Freiburg i. Br. mit einen, Bilde der eingestürzten Brücke und den Porträts der beiden Opfei jener Katastrophe und viele kleinere, zumeist illustrirte Nachrichten und Mitiheilungen aus allen Interessengebieten. Aus dem reichen Jlluftra- tionsmaterial in diesem Hefte wollen wir nur noch hervorheben das Doppelbild „Die Einführung des Christenthums in Rhätien", nach dem Gemälde von W. Riesstahl, ein reizendes Kinderidyll: „Der deutsche Kronprinz und Prinzeß Victoria Luise", „Hoppe Reiter!" nach dem Gemälde von Franz Dvorak, die Porträts des Generals Baldistera und Kaiser Meneliks, letzterer zu Pferde im Kriegscostüm, dann die Holz- schnittreproduction des SB. Wachsmuth'schen Gemäldes „Trara, trara!1 und eine Originalhumoreske in neun Bildern von W. Grögler, die ungemein drastisch ist. Schon beim Durchblättern des Heftes drangt fich uns die Ueberzeugung auf, daß der textliche und artistische Inhalt von
Für Alle Welt" mit Verständniß und Sorgfalt ausgewählt wird, um jedem Geschmacke ohne Ausnahme gerecht zu werden.
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Schillers Briefe. Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Fritz Ionas. Kritische Gesammtausgabe. Sechster Band. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) — Von dem großen nationalen Werk der ersten Gesammtausgabe der Briefe Schillers, die Fritz Ion« mit ebenso viel Fleiß als kritischer Gewisienhaitigkeit herausgrebt, ist soeben der sechste Band erschienen. Er umfaßt die Jahre 1798 1802 die Zeit, in welcher Schiller nach Vollendung der Wallenstem- Trilo'qie „Maria Stuart" und die „Jungfrau von Orleans" schuf un» die „Braut von Messina" und den „Teil" begann. Er steht auf d-r Höhe seines Schaffens und die Genialität des großen Dichters, die Vielseitigkeit und Gedankenfülle des philosophisch geschulten, erfahrenen Denkers, des Menschen- und Weltkenners kommen in keinem Bande I» zum Ausdruck als in diesem. Eine Reihe von Abbildungen: RwÜchei», Schiller- und Goethedenkmal in Weimar, die Porträts von Fiq>°, Jsfland und dem Herzog Earl August von Weimar find dem Ban i zur besonderen Zierde beigegeben.
«edaction: «. Sch-Yda. - Druck und Verlag der Brühl'schen UurversMtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m ®ießen.


