Ausgabe 
12.5.1896
 
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Der Richter sah ihn aufmerksam an; dann schüttelte er rnit ernster Miene den Kopf.

Sollten sich besser in's Bett legen, junger Freund! Will mir Ihr Gesicht ganz und gar nicht gefallen."

Ich fühle mich stark genug, den Ritt zu machen. Und es muß fein. Gewisse Umstände haben mich auf die Ver- muthung gebracht, daß dieser Ermordete ein Mann sein könnte, den ich gut kenne. Ich kann nicht in dieser entsetzlichen Un­gewißheit unthätig auf Ihre Rückkehr warten. Geben Sie sich deshalb keine Mühe, mich an meinem Vorhaben zu ver­hindern."

Wenn Sie sagen, daß es sein muß. habe ich natürlich nichts dagegen, obwohl es, wie gesagt, besser wäre, Sie ließen Kch nicht auf ein solches Unternehmen ein. Werde sogleich den Befehl wegen Ihres Mustangs geben."

In raschen Worten theilte Fred nun auch Mister Burnet mit, zu welchem Zweck sich die Beisitzer des Ayuntarniento hier zusammengefunden und welche Gründe er habe, einen Zusammenhang zwischen Bobs verbrecherischer That und dem räthselhaften Fernbleiben George Neals zu argwöhnen.

Burnet war auf diese Aufklärung hin natürlich sofort bereit, den Ritt zu dem Patriarchen;mitzumachen, und er übernahm es, den beiden Damen gegenüber, die unterdessen allein im Hause zurückbleiben mußten, einen glaubhaften Vor­wand für diesen Ritt zu erfinden.

Noch bevor eine Viertelstunde vergangen war, sprengte die stattliche Cavalcade durch das Gitterthor hinaus.

Fred Houston wurde eigentlich nur noch durch seine furchtbare Erregung und Spannung aufrecht erhalten; denn er konnte sich jetzt nicht länger darüber täuschen, daß ihn ein heftiges Fieber gepackt hatte, und jeder Schritt seines Pferdes bereitete ihm fast unerträgliche Schmerzen. Manchmal fürch­tete er allen Ernstes, daß er nicht mehr im Stande sein würde, das unheimliche Ziel zu erreichen; aber wenn er dann die Zähne zusammenbiß und für ein paar Secunden die schmerzenden Augen schloß, kam er doch immer wieder glücklich über die fatalen Anwandlungen von Schwäche hinweg.

Dachte rnir's schon vorhin, daß da etwas Apartes fein müsse," meinte der Pcocurator Mister Mythe, als die un­geheure, silberglänzende Pflanzenmasse des Patriarchen vor ihnen auftauchte.Flog doch, als wir vorbeiritten, eine ganze Nation von Aasvögeln und Geiern und Turkeyluzzards über dem Baume umher. Saht Ihr es nicht auch, Mister Heürt?"

Sah es, Mister Mythe! Glaubte aber, es müsse ein gefallenes Stück Wild unter dem Baume liegen."

Als sie unter dem uralten Baumriesen angelangt waren, von dessen Aesten und Zweigen in einem gewaltigen Umkreise die silberweißen Bartmoose bis zur Erde niederhingen, wurde es ihnen nicht schwer, die rechte Stelle zu finden; die hastig aufgewühlte und nur nothdürftig wieder festgetretene Erde verrieth ihnen auf den ersten Blick das Grab des unglücklichen Opfers.

Schweigend machten sich einige der Männer mit den Spaten, die sie vorsorglich mitgeführt hatten, an die traurige Arbeit und nach wenig Minuten schon hatten sie die Gewiß­heit erlangt, daß Bobs furchtbare Selbstbezichtigung nicht der wüste Fiebertraum eines Deliranten, sondern volle Wahrheit gewesen war.

Armer Mann!" sagte der Alcalde, als man die Leiche des Ermordeten behutsam blosgelegt und von Gras und Erde gesäubert hatte, und alle die rauhen Männer falteten wie un­willkürlich ihre Hände zum Gebet; Fred Houston aber, der bis dahin mit abgewandtem Gesicht an dem Stamme der Lebenseiche gelehnt hatte, raffte sich, den ganzen Rest feiner Kraft zusammennehmend, auf und trat wankenden Schrittes in den Kreis. jVor feinen Augen flimmerte, es, so daß er int ersten Moment überhaupt nichts unterscheiden konnte. Dann aber rang sich ein wilder, herzzerreißender Schrei von seinen Lippen.

Er hatte George Neal erkannt!

Derselbe Mensch, der ihm das Leben gerettet, hatte den

Vater Ellmors getödtet. Der Unglückliche würde nie mehr zu seinem angstvoll harrenden Kinde zurückkehren nie nie mehr! Seine freudigen Hoffnungen auf eine gesegnete, glück­liche Zukunft hatten ihn betrogen. Er war nur in da» fremde Land gekommen, um hier feinen letzten, langen Schlaf zu thun.

Halloh, Mister Houston was ist Euch? Was ficht Euch an?' schallte es plötzlich von verschiedenen Seiten.

Und diese Worte waren das Letzte, was Fred vernahm; denn int nächsten Augenblick brach er bewußtlos zusammen.

(Schluß folgt.)

Gemeinnütziges.

Wirksames Mittel großer Erhöhung der Tragfähigkeit der Obstbäume. Jetzt ist es Zeit, daß Landwirthe und Gartenbesitzer daran denken, auf welche Weife sie die Erträge ihrer Obftbäume erhöhen, zumal in dieser Hinsicht viele irrthümlichen Auffassungen existiren. Wenn ein sogenanntes Obstjahr gewesen ist, nehmen viele O rstbaum- besitzer als selbstverständlich an, daß ihre Bäume im folgenden Jahre geringe Fruchtbarkeit zeitigen werden, daß dieselben nun ein Jahr oder mehrere brauchten, um sich von der An­strengung zu erholen. Diese Ansicht ist jedoch nur zutreffend, wenn man die Bäume vollkommen sich selbst überläßt; wenn der Baum dann zur Ausbildung der Früchte alle vorhandenen Nahrungsstoffe verbraucht, wird natürlich die gleichzeitige Aus­bildung der Fruchtknospen verhindert. Die Unregelmäßigkeit in der Tragbarkeit wird aber verhindert, wenn man die Bäume durch Zurückschneiden verjüngt. Em guter verständiger Baumschnitt hat somit die Ausgabe, alle überflüssigen Theile zu beseitigen, und dafür zu sorgen, daß neben der besseren Ernährung der Früchte auch Säst genug übrig bleibt, damit die Entwickelung der Fruchtknofpen für das nächste Jahr vor sich gehen kann. Durch zweckmäßige Düngung muß ferner für Ersatz derjenigen Stoffe gesorgt werden, welche die Ernte dem Boden entzog. Diese Düngung ist so einzurichten, daß sie auch zu den Wurzeln in den Untergrund gelangen kann. Und das kann erreicht werden mit Hilfe eines Locheisens oder eines Erdbohrers.

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Wenn Obstbäume den Brand haben, was man an der Rinde leicht sieht, so schneide man die abgestorbene Rinde so weg, daß auch etwas von der gesunden mit wegge­nommen wird. Man entfernt soviel als stich das ungesunde Holz mit einem Messer ober Meißel und bestreicht dann die Wunde mit einer Salbe die aus Pech und Schweinefett besteht, beides gleichviel. Diese Rinde wächst in einigen Jahren wieder ganz bei. Manchmal bildet sich im ersten Jahre eine Blase, in welcher Wasser ist (Saft vom Baume). Diese zerdrückt man, so daß das Pech sich wieder fest an das Holz anschließt.

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Geflügelzucht. Weil jetzt die Hühner täglich legen, müssen die Eier täglich mehrmals gesammelt werden, damit sie nicht angebrütet und zum Aufbewahren untauglich werden. Alle eingesperrten Hühner müssen mit frischem Grün (Gras, Salat ec.) gefüttert werden, welches freien Auslauf habende Hühner sich selbst suchen. Alle Hühner lasse man früh hinaus, Kücken jedoch erst, wenn der Thau eingetreten ist. Sl'te Gänse werden ins Freie geführt. Der Canarienzüchter hat in diesem Monate in der Vogelstube besonders viel zu beauf­sichtigen. Das Futter ist täglich mehrmals und mannigfaltig zu geben, wie wir die Anweisung bereits gegeben haben. Das Stiften geschehe vorsichtig, um die Mittagszeit, Zugluft ist zu vermeiden. Diejenigen Weibchen, welche bis jetzt keine Anstalten zum Nisten machen, kann man aus der Hecke ent­fernen. Fremdländische Vögel, besonders australische Sittiche und Prachlfinken, kommen zahlreich an, und zur Beschaffung resp. Bervvllständigung der Bewohnerschaft von Vogelstuben