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»tat Wußte sie doch gar nicht, was sie von dem Allen I Überraschung das Bild seiner Braut in ihrer Wohnung vor- - - p 1 gefunden habe; ob er das so bestimmt habe.
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Käthe sagte nichts mehr. Wozu auch das Herz dem Armen noch schwerer machen, als es vielleicht schon war?
In München erhielt sie noch einen Brief von Axel aus Magdeburg, der auch durchaus ruhig und gefaßt erschien. Er theilts ihr mit, daß er seine Braut und deren Mutter noch selbst auf den Bahnhof gebracht habe. Sie seien direct nach Riva am Gardasee gegangen, wo sie sich einige Wochen auf- zuhalten gedächten. Er selbst benutze jetzt seine freie Zeit zu einer wiffenfchastlichen Arbeit, für die er schon lange den Plan in sich getragen habe. So würden denn auch diese bitteren Tage der Trennung wohl vorübergehen.
Als sie heimkehrte und nach Begrüßung von Tante und Cousine in ihr Zimmer trat, war das Erste, woraus ihr Blick traf, das Bild Adelinens, auf der Staffelei, uneingerahmt, wie sie es am letzten Sitzungstage in der Wohnung der Grahams zurückgelaffen hatte.
„Wer hat das Bild hierher geschickt? Ich glaubte, es sollte in einem von mir schon ausgesuchten Rahmen Axel zugesandt werden?" wandte sie sich fragend an Elly, die sie begleitet hatte, um ihr beim Auspacken ihrer Sachen behilf- li$ ^DaAxel nicht hier ist," entgegneteElly, „haben es die Graham» wohl hierher geschickt. Uebrigens kam es erst vor wenigen Tagen an. Ein Dienstmann brachte es mit der Karte der Dame, bet der sie gewohnt haben, und jenem Briefe von Adeline selbst."
Käthe erbrach den letzteren sogleich und las die wenigen Worte kopfschüttelnd. Sie verstand nichts.
„Mit bestem Danke sende ich Ihnen Ihr Meisterwerk zurück, da ich unter den obwaltenden Umständen nicht glaube, er behalten zu dürfen!"
„Unbegreiflich," rief Käthe. „Da muß etwas Besonderes vorgefallen fein. Ist denn von Axel keine Nachricht vorhanden?"
„Nein, keine."
Käthe dachte in diesem Augenblick gar nicht daran, daß diese Zurücksendung des Bilde» an sie einen großen Verlust für sie bedeutete. Das Bild sollte, wie ihr bei der Bestellung gesagt worden war, ein Geschenk für Axel sein. Sie erwartete ein ihrer Arbeit entsprechendes Honorar dafür und sie, die von dem Ertrage ihrer Kunst lebte, hatte sich feste Rech- nung darauf gemacht. Ihre Sorge drehte sich nur um den Freund. Sie sandte sogleich einige Zeilen nach Magdeburg mit der Nachricht, daß sie heimgekehrt sei und zu ihrer
denken sollte. t , ..
„Noch nicht; doch werden wir es ihm heute noch mittheilen. Der entscheidende Ausspruch des Arztes fiel erst heute Morgen." u
Mit schwererem Herzen als je verließ Käthe heute das Haus der Amerikanerinnen. Sie ahnte Unheil für den Freund; dieser indessen nahm den unerwarteten Entschluß seiner Braut sehr gelassen auf.
Als er am anderen Tage kam, um Käthe Lebewohl zu sagen, erklärte er sich ganz einverstanden damit, daß die Grahams, während er seine Strafhaft in Magdeburg abbüßte, nicht in Berlin blieben.
„Und wenn Du wieder frei bist ?" warf Käthe fragend ein.
„Dann hoffe ich, meine Ernennung zum Consul in Porto Allegre hier vorzufinden, und wir können an unsere baldige Hochzeit denken."
„Adeline mag aber nicht nach Porto Allegre gehen, sie hat es mir ost bei unseren Sitzungen wiederholt. Du solltest diese Idee fallen lassen."
Axel runzelte die Stirn.
„Wie Du nur sprichst, Käthe. Bleibt mir etwas Anderes? Ich muß mich glücklich schätzen, wenn ich überhaupt so bald schon eine feste Anstellung erhalte. Und ich meine, eine Frau, die ihren Mann liebt, folgt ihm überall hin, wo es auch sei. Das Glück liegt doch nicht in dem Ort, in dem wir wohnen, wir tragen es in uns. Traurig genug, wenn es nicht so
Die Antwort erfolgte prompt.
„Lies einliegenden Brief von Adeline, den ich am selben Tage wahrscheinlich erhalten habe, als das Bild an Dich ab- gesandt worden ist. Er sagt Dir Alle». Käthe, ich war ein Thor! Die Leidenschaft hat mich blind gemacht. Ich wähnte hinter diesem schönen Antlitz, hinter dieser süßen Miene, diesem versührerischen Lächeln eine Seele. Maske, alles Maske! Ich bin geheilt sür alle Zeit; aber die Wunde brennt und der Schmerz wird bleiben, so lange ich athme. Wie bevorzugt ist der Wolf und wie kann er seinem Schöpfer danken, daß er vor einer Erfahrung, wie ich sie gemacht habe, befreit geblieben ist. Und er glaubte so sehr mein Glück mir neiden zu müssen, daß e» ihn nicht ruhen ließ, ehe er Blut fließen sah. Jetzt wünschte ich lieber, die Kugel in der Brust zu tragen, als so mit dieser nie heilenden Wunde fortleben zu müssen, ein um den Glauben an Liebe und Treue für immer Betrogener. Bitte, vernichte ihren Brief. Möchten die Flammen auch die Erinnerung an diese Sirene auslöschen, die anzog, um zu verderben. Auch Du, arme Käthe, hast unter der elenden Gesinnung dieser Fremden zu leiden. Monats lange Arbeit umsonst! Aber nein, nicht umsonst! Dein Porträt ist ein Meisterwerk, nimm ihm das Individuelle und schicke es in die Welt, es wird Dir einen Ruf machen, davon biu ich überzeugt."
Käthe legte aufseufzend den Brief fort und entfaltete dann ein zweites Blatt, das mit der langgezogenen englischen Schrist Adelinens bedeckt war.
„Mit bekümmertem Herzen, mein guter Axel, setze ich mich nieder, um Dir diesen ersten Brief aus der Fremde zu schreiben, der leider auch der letzte sein muß. Ich habe Dir ein Geständniß zu machen, das mir, weiß Gott, nicht leicht wird. Aber weder meine Mutter noch ich wagten Dir münd- lich zu sagen, was doch gesagt werden muß. Wenige Tage, ehe wir Berlin verließen, erhielten wir eine Nachricht aus New-York, die uns beinahe zerschmetterte. Unglückliche Spreu- lationen haben uns beinahe um unser ganzes Vermögen gebracht. Wir sind jetzt arm und es bleibt uns nichts, als sobald wie möglich den Heimweg nach Amerika anzutreten, um zu retten, was noch zu retten ist. Nur so lange bleiben wir noch in Europa, bis der Ausenthalt in der milden Lust des Südens meine sehr angegriffene Gesundheit wieder gekräftigt haben wird. Ich setze dem nichts hinzu. Du wirst mir mit Deinem bedächtigen Sinn zustimmen, daß ein Band, unter dem wir Beide uns gedrückt fühlen würden, wenn es weiter festgehalten würde, gelöst werden muß. Denn Axel, auch Du bist ja vermögenslos, wie Du es neulich erst meiner Mutter auseinandergesetzt hast," — hier hatte Axel mit einem Bleistift an den Rand geschrieben: Das ist des Pudels Kern I — „weder ich noch Du sind aber gewöhnt, uns einzuschränken; wir bedürfen eines gewissen Luxus, um das Leben erträglich finden zu können. So giebt es für uns nichts Anderes, als von einander zu scheiden. Möge es von Deiner Seite ebenso ohne Groll geschehen, wie von der meinen. Das ist der letzte Wunsch, die letzte Bitte von Adeline."
Es dauerte lange, ehe Käthe mit dem Lesen des Briefes fertig war. Immer wieder überflog sie die Zeilen. Giebt es denn keinen Ausdruck von Gefühl, von Wärme in ihm, der, wenn auch nur ein wenig, mit dieser eiskalten Absage an einen Mann versöhnt, von dem sie sich wahr und aufrichtig geliebt weiß? — Nein, sie fand einen, nur wohlgesetzte, mit Bedacht ausgeklügelte Worte. Axel hatte Recht, dieses Schriftstück mußte vernichtet werden. Jedes Wiederlesen würde den Schmerz ja nur verschärfen, die Wunde wieder aufreißen. Mechanisch fast zündete sie die auf ihrem Nachttisch stehende Kerze an und hielt das Papier an die aufblitzende Flamme. Dann trat sie vor das Bild Adelinens hin und betrachtete es lange nachdenklich. _
„Sirene," murmelte sie leise. «Ja, Axel hat Recht, sie I ist eine Sirene, die anlockt, um zu verderben. Unter keinem


