Ausgabe 
11.8.1896
 
Einzelbild herunterladen

UntechaltungMatt jiiut Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

g

1

t L-4 V

^43

I:

,____ l

SS-- P

___AEag i>ea)il. August

' . - - "-> .

jgfeg;

S^WWP EeWM'iMW^

SWWMOM^ 8MWWWMMA

MD

Der Doppelgänger.

Novelle von I. Piorkowska.

(Nachdruck verboten.)

I.

D, ich bin außer mirl Daß das gerade heute passtren muß! und noch dazu im letzten Augenblick!" rief verzweifelt eine vornehme junge Dame im Ballstaat, und vor Aerger traten ihr die Thränen in die Augen.

»®ie Sache ist sehr fatal, liebe Hermine, aber leider nicht zu ändern," versetzte achselzuckend die noch jugendlich schöne Frau von Trebnitz.

Warum erlaubtest Du Thomas aber auch, heute früh nach Haus zu reifen?" sagte Hermine ihre Schwester in fast vorwurfsvollem Tone.

Liebe Schwester, wie hätte ich ihm verweigern können, feine sterbende Mutter noch einmal zu sehen! Meinst Du, ein Diener habe nicht so ein gutes Herz im Leibe wie unsereins? Wir können doch auch nicht im Voraus wissen, daß der Kutscher heute solch' ein Unglück haben und stch den Fuß verrenken würde!"

»Man möchte wahrhaftig meinen, er hätte es absichtlich gethan," stieß Hermine gereizt hervor.

Sie trat vor den großen Spiegel, der von der Decke bis zur Erde reichte, und betrachtete mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns die schlanke Gestalt in der eleganten Balltoilette, die ihr in dem Spiegel gegenüberstand.

Wenn ich denke, wie viel Mühe dieses Kleid gekostet hat! seufzte sie,ich habe die Modistin bald zur Verzweiflung damit getrieben und ganz umsonst I kein Mensch be­kommt es nun heute Abend zu sehen."

Was nützt dieses Klagen, Hermine!" entgegnete Frau von Trebnitz etwas ärgerlich,ich bin in derselben Lage wie Du; aber was hilft's? dem Unvermeidlichen muß man sich fügen."

Ich mag mich aber nicht fügen!" und Herminens kleiner Fuß kam mit dem dicken Smyrnateppich in nicht allzu zarte Berührungich kann Dir gar nicht sagen, me ich mich auf diese Gesellschaft gefreut habe! Wenn ich nur irgend einen Rath wüßte, was man thun soll-

Sie stockte.

Da wurde einige Secunden später die Thür mit leb­hafter Bewegung geöffnet und ein schlanker, junger Mann in hellgrauem Anzug trat ein.

Wie! Du bist es, Oswald?" begrüßte Frau von Trebnitz mit frohem Erstaunen den jungen Mann.Woher kommst Du? Jetzt zu dieser Stunde?"

, - "Direct von zu Haus. Mit Papas Befinden geht es bester; da habe ich schnell einmal der Stabt den Rücken ge­ehrt, um zu sehen, wie es meinen beiden Cousinen geht. Wie geputzt Ihr seid? Wollt wohl in Gesellschaft gehen?"

Frau von Trebnitz ließ sich seufzend in einen Stuhl sinken, Hermine machte eine ganz verzweifelte Miene.

Mein Gott, was ist denn geschehen?" fragte der junge Mann, jetzt wirklich etwas erschrocken.

Etwas höchst Aergerliches!" stieß Hermine hervor.

Vor zehn Minuten kommt die Köchin und meldet, daß der Kutscher sich den Fuß verrenkt hat; der Diener ist heute früh zu seiner kranken Mutter gereift; und wir sitzen nun da, fik und fertig in Toilette, und haben Niemand, der uns fahren kann. Die Baronin Sagau hat Ball heute Abend, Graf Boltin und seine Gemahlin werden auch dort fein ich habe mir ein neues Kleid dazu anfertigen lassen, kurz und gut, ich bin außer mir!"

Das ist Pech!" meinte Oswald von Burgstedt mit aufrichtigem Bedauern,aber ist denn hier in der Nähe nirgends ein Wagen aufzutreiben?"

Nirgends," entgegnete Frau von Trebn'tz kopfschüttelnd.

Ach, Vetter, sinn doch auf irgend eine Aushülfe!" bat Hermine und sah dabei mit ihrem hübschen Gesicht flehend zu dem jungen Manne auf.

Dieser überlegte einen Augenblick.

"SV, ®u^ etwas sagen," meinte er bann, während es muthwillig in feinen blauen Angen aufleuchtete,gebt mir des alten Kutschers Martin Handschuhe, Rock und Hut, und ich selbst will Euch fahren."

Hermine machte zu diesem Vorschlag ein etwas un­gläubiges Gesicht, ihre Schwester aber sprang auf und klatschte vergnügt in die Hände.

Das ist ja eine herrliche Idee!" ries sie,Oswald,