mit den anderen Salben wurde nun aber keineswegs die Wunde selbst, sondern vielmehr die Waffe, welche die Wunde hervorgebracht, bestrichen. Konnte man, wie es doch oft im Kriege geschah, der Waffe nicht habhaft werden, so wurde nur ein mit dem Blute des Verwundeten benutzter Stecken damit verbunden. Ja, später wurde man auch dieses müh' samen Gebrauches überdrüssig und begnügte sich damit, ein wenig Blut des Verwundeten in Fett aufzubewahren. Gerade das war aber für die Heilung sehr vortheilhaft. Denn während nun die Waffe aufs sorgfältigste mit der Salbe beschmiert wurde, spülte man die Wunde täglich nur mit Waffer oder Weiu aus und bedeckte sie jedesmal nur mit einem gemeinen Tüchlein, d. h. mit einem reinen und nicht mit der unreinen Schmiere bestrichenen. Das tiefe, aber unbekannte Geheimniß dieser ganzen Wundbehandlung lag also offenbar darin, daß bei der einfachen, reinlichen, natürgemäßen Be- Handlung die Wunden beffer heilten, als bei der sonst üblichen Application von Pflastern und Salben. Gerade weil die Aerzte die Wunden nur so nebenbei behandelten und ihre ganze Aufmerksamkeit bei der üblichen Wunderschmierkur den Waffen zuwandten, wurde der natürliche Heilungsproceß nicht gewaltsam unterbrochen, und an den Waffen konnten sie ja glücklicherweise nichts verderben. Der Arzt Purmann erzählt: Im Mai 1674 übernachtete er mit zwei Fremden in einem Gasthause eines Städtchens nahe bei Halberstadt. Als in der Nacht einer der Fremden, welche wacker gezecht hatten, aufstand, fiel er auf ein Hirschgeweih und trieb sich einen Zacken desselben in den Leib. Purmann wurde gerufen, stillte das Blut, spülte die Wunde aus und verband das Geweih sehr sorgfältig mit einer Wundsalbe. Anderen Tages reisten die Fremden weiter. Purmann aber zog mit dem Geweih nach Halberstadt, es dort noch vier Wochen täglich auf's Sorgsältigste verbindend. Wie sich später herausstellte, war die Wunde ohne Schmerzen und Beschwerden schnell geheilt.
Sehr wunderbar ist er, daß trotz des Aberglaubens die Heilkunde in manchen Dingen schon weit vorgeschritten war, z. B. daß sie schon die Rhinoplastik, das Ansetzen von Nasen aus der Haut eines Anderen, ausführte. Dieses spsciellen Gebietes bemächtigte sich nun aber auch die Sympathie mit ganz besonderer Vorliebe. Man war fest versichert, daß der betreffende Patient das körperliche Befinden des Anderen mit all seinem Wohl und Wehe theilen muffe, was nicht selten zu großen Fatalsten führte. Pfeizer, Stadtphysikus von Nürn- berg, erzählt, wie ein Edelmann sich aus dem Arme eines seiner Knechte eine neue Nase machen ließ. Alles ging nach Wunsch. Als aber der Knecht drei Jahre später erkrankte, „empfand der Edelmann, wiewohl abwesend, eben zu jener Zeit nicht geringe Schmerzen an seiner Nase, von welchen er sich nicht ersinnen konnte, woher solche kommen müßten, bis der Knecht starb, da denn zugleich die Nase des Edelmannes mit erstarb und seinem ersten Herrn im Tod Gesellschaft leistete, zum großen Wehklagen des Edelmannes."
Besonders verbreitet war natürlich, auch unter den Aerzten der Glaube an das persönliche Eingreifen des Teufels. So hat Fabrizlu» eine Art von Todtenschein ausgestellt, worin er den 1583 in Düsseldorf plötzlich eingetretenen Tod eines Mannes durch „eine vom Teufel ausgeführte Verrenkung des Rückgrats" erklärt.
Es gab eben in der Wundarznei der früheren Jahrhunderte kaum eine Krankheit, für welche nicht irgend ein „Arkanum" oder eine sympathische Kur exlstirte. Manches lehnte stch unmittelbar an den Volksglauben an, und — gestehen wir es offen — steht auch heute noch in Ansehn- Oder giebt es Niemand mehr, der sich z. B- bei Halsschmerzen „um Gotterwillen nicht" den rechten Strumpf umbindet, sondern stets nur den linken, weil nur der allein hilft, denn — „er kommt von der Hsrzseits des Körpers?" Ich glaube aber auch, daß es keine noch so thörichte Wunderkur oder noch so albernes sympathetisches Heilmittel giebt oder gegeben hat,
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dem nicht einst ein Körnchen von gesundem Menschenverstand zu Grunde gelegen hätte, durch welches seine Anwendung doch den Schein der Begründung erhält. Freilich waren die dabei leitenden Gedanken oft sehr seltsame. Dies sahen wir z. B. bei dem Krebspulver, bei dessen Anwendung sich deshalb die Fremdkörper aus der Wunde zurückziehen sollten, weil ja auch die Krebse rückwärts zu gehen pflegen. Die Quintessenz aber aller damaligen medicinischen Weisheit scheint mir doch die Begründung der Anwendung des Gänsefetts gegen Frostschäden zu sein: „weil nicht leicht erfriert eine Gan« die Füße, ob sie gleich oftmalen im kalten Wasser ist und auf dem Eise wandert und spazieren geht."
Gemeinnütziges.
Das Gießen der Gemüsebeete in der jetzigen Jahreszeit muß durchdringend geschehen, sonst wird es beffer unterlaßen. Leider wird aber hierbei immer viel zu ängstlich verfahren; man meint, wenn der Boden oben feucht ist, haben die Pflanzen schon hinreichend genug Wasser. Untersucht man aber nach einem derart oberflächlichen Gießen den Boden, so wird man finden, daß ebenso wie nach einem kurzen Regen der Boden oben naß ist; gräbt man jedoch etwa« in die Tiefe, so wird der Boden in den meisten Fällen noch vollkommen trocken fein. Es ist demnach auch ein kleiner Regenschauer durchaus kein Grund, das Gießen zu unterlassen; ebenso ist nach oberflächlichem Gießen bei trockenem Wetter die feuchte Schicht in kurzer Zeit wieder trocken und dadurch die Oberfläche noch stärker verkrustet als vorher und nimmt in Folge dessen bei einem folgenden Regen gar kein Waffer mehr an. Und selbst wenn man bei anhaltend heißer Witterung jeden Abend gießt, bi« das Wasser abläuft, leiden trotzdem die Pflanzen noth. Gewöhnlicher Gartenboden kann eben nicht auf einmal aufsaugen, was die Pflanzen an Feuchtigkeit gebrauchen. Man muß deshalb die Aufsaugungs- fähigkeit des Bodens durch häufiges Hacken der Beete vermehren. Soll das Waffer aber tiefer eindringen, dann müssen mit der Hacke gleichmäßig vertheilte Vertiefungen gemacht werden, in denen das Waffer stehen bleibt.
Literarisches.
„Fort soll's gehen in die weite Welt!" Mit diesen Worten beginnt der Modenbericht in der neuesten Nummer von „Mode «Nd jenen, herrlichen Moden- und Familienjournal, welches der Firma John Henry Schwerin, Berlin W. 35, einen Weltruf verschafft und welches selbst eine Wanderung über die ganze bewohnte Erde angetreten hat. Diesen Einleitungsworten entspricht denn auch der gesammte, überaus reiche Inhalt dieser Nummer, sowohl in den von Künstlerhänden geschaffenen, herrlichen Moden-Genrebildern, die das Reise- und Badeleben zum Hintergrund haben, wie auch in dem viele Seiten füllenden Text, in welchem (in der belletristischen Beilage) u. a. die neueste Novelle von Max Kretzer „Die steinerne Insel" und die Autobiographie des jüngst verstorbenen Romanschriftstellers E. v. Wald- Zedtwitz (mit Bild) enthalten sind. Mehrere seitengroße Holzschnitte von künstlerischem Werth, ein großer Schnittmusterbogen, Naturgröße Stickereivorlagen, das Damen-Witzblatt „Humor", eine Beilage „Aerzt- licher Rathgeber", der große, vielseitige Haustheil und vieles andere zeichnen diese Nummer besonders aus. „Mode und Haus", mit 36 Seiten reich illustrirtem Text, kostet nur eine Mark vierteljährlich, und mit Colorits, 8fettiger Romanbeilage „Aus besten Federn", Musterfrisuren rc. nur 1,25 Mk. Gratis-Probenummern durch alle Buchhandlungen und durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35; Abonnements durch erstere und durch die Post.
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Redaction: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfNRS-Buch- und Steinbruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«.
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