Ausgabe 
11.7.1896
 
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Wir werden es doch nicht vermeiden können, Harasim zur Hochzeit einzuladen," sagte der Priester zu seiner Frau.

Ja, es wird wohl nicht anders gehen," erwiderte Diotyma sorgenvoll.

Es steht ihm ja auch nicht auf dem Gesicht geschrieben," meinte der Gatte,daß er Btnias Verlobter ist, und dann, wenn man ihm Vorsicht anräth.....Uebrigens denkt doch

an einem solchen Tage Niemand daran, von Politik zu sprechen; da hat Jeder andere« im Kopfe."

Eine Sache beunruhigte den ehrwürdigen Herrn noch: Da sich die beiden Gegner nun doch einmal treffen mußten, sollte man da die Russen oder die Polen vom Nagel nehmen, die Czaren oder die polnischen Nationalhelden auf den Boden verbannen? Oder wäre es nicht besser, sie alle zusammen in voller Eintracht an der Wand aufzuhängen, was jedenfalls die Pracht der Decorätion sehr erhöhen würde? Aber nach reiflicher Ueberlegung und auf den Rath der klugen Diotyma beschloß er doch, auf die Gefahr hin, die Wände ganz leer zu haben, alle die großen Männer ohne Unterschied in den Holzschuppen wandern zu lassen; auf diese Art könnte wenig­stens Niemand an ihnen Anstoß nehmen.

Alle diese Festvorbereitungen beängstigten Binia auf's Furchtbarste. Sie wußte, daß, wenn Sofronya einmal ver- heirathet war, kein Grund mehr vorlag, ihre Verlobung zu verheimlichen und die Hochzeit noch lange aufzuschieben. O, wie ihre Pulse schlugen bei diesem unerträglichen Gedanken! Des Abends, wenn ihre Schwestern sich weich und warm in ihre Betten schmiegten und sofort einschlummerten, sehnte sie vergebens den Schlaf herbei. Meist vergrub sie dann ihr armes Köpfchen in die Kiffen und weinte leise, ihre Seufzer unter der Decke erstickend. Oder auch sie erwachte mitten in der pechfinsteren Nacht, keuchend, in Schweiß gebadet, von dem Schreckbild dieser verhaßten Verbindung verfolgt, und rief angsterfüllt mit gerungenen Händen:Nein, nein, ich kann nicht! Gott, erbarme Dich meiner!"

Der Tag vor der Hochzeit war endlich gekommen. An dem Morgen war Binia ganz geknickt aufgestanden. Die Furcht vor dem unerbittlichen Schicksal, das sie erwartete, tödtete sie langsam.

Nein, es ist unmöglich," murmelte sie, ihre rothen Augen waschend,ein solches Opfer kann man von keinem Menschen verlangen."

Warum sollte sie nicht vor ihre Eltern treten, ihnen ihre unüberwindliche Abneigung erklären, ihren Wunsch ausdrücken, sich nie zu verheiratheu, sich ganz ihnen zu widmen und ihrem Glück? Sie mußten sie ja verstehen, sie konnten nicht so un­menschlich sein, waren sie doch auch jung gewesen.

Nachdem sie diesen heldenhaften Entschluß gefaßt hatte, fühlte sie sich stark, durchschritt eilig den sonnendurchleuchteten Saal und klopfte an die Thür des väterlichen Arbeitszimmers.

Was willst Du?" rief die Mutter.Du siehst, daß wir zu reden haben."

Ich wollte nur ein paar Worte mit Euch sprechen." Später. . ."

Nein, ich möchte es lieber gleich thun."

Ihre Stimme klang so entschlossen, daß die Eltern be­troffen aussahen.

Nun, was giebt's? Komm' her, sag' schnell!"

Von meiner Verheirathung wollte ich mit Euch reden." Von Deiner Verheirathung? In war mischst Du Dich? Denkst Du etwa, daß Dich das etwas angeht? Da irrst Du Dich sehr! Das ist eine Sache, die zwischen Piesek und Deinem Vater abgemacht wird. Wenn der Augenblick gekommen ist, wo Du Deine kleine Rolle dabei zu spielen hast, wirst Du es schon erfahren. Bis dahin hast Du Dich um nichts zu küm- mern. Und nun geh' auf den Hof und füttere das Feder­vieh, hörst Du? Hier find die Schlüssel."

Binia rührte sich nicht.

Ich will nicht heirathen," sagte sie, ihre Eltern offen ansehend. Der Vater zuckte die Achseln. Er saß am Tisch und machte Rechnungen für die Gemeinde.

Wird diese Comödie noch lange dauern? Ich habe Anderes zu thun."

Ich will nicht heirathen," wiederholte die Kleine mit fester Stimme.

Und warum nicht? Ich bitte Dich," rief die Mutter.

Binia hatte sich den Eltern genähert, ließ sich langsam auf die Kniee nieder, ergriff ihre Hände und küßte sie.

Zwingt mich nicht," bat sie mit ruhiger Stimme.Ich liebe Harafim nicht; ich würde so unglücklich werden! Ach, wenn Ihr wüßtet, wie ich ihn hasse und fürchte zugleich! In der Nacht, wenn Alles schläft, träume ich, daß er mich weit, weit fortführt und es scheint mir, als müßte ich sterben. Es kann Euch doch nicht betrüben, wenn ich darum bitte, immer bei Euch bleiben zu dürfen; ich will Euch pflegen, Euch dienen wie eine Magd. Lieber Papa, geliebtes Mütterchen, habt doch Mitleid mit Eurer kleinen Binia, die Euch ihr ganzes Leben lang nie um etwas gebeten hat."

Ein Hohngelächter schloß ihr den Mund.

Gott, wie dumm bist Du," rief der Vater,wie dumm! Sie sind alle gleich, diese Mädchen, lauter Zieraffen! Weißt Du, an wen ich dabei denken muß? An den tauben Roman, den früheren Küster, wenn er von Musik spricht. Was ver­stehst Du von der Musik der Ehe, daß Du Dich so davor fürchtest?"

Nicht vor dem Heirathen an sich, sondern vor dem Seminaristen habe ich Angst," flüsterte Binia mit thränen- erstickter Stimme.Ach, ich bitte Euch, zwingt mich nicht, Ihr macht mich unglücklich für'« ganze Leben."

Sie lag schluchzend auf den Knieen vor ihren Eltern.

Genug davon," sagte jetzt der Vater, indem er sie rauh fortstieß,meine Geduld ist zu Ende. Sei froh, daß Gott Dir vorsorgliche Eltern gegeben hat. Dank ihrer Fürsorge wirst Du wie Deine Schwester ein Haus, eine Stellung in der Welt haben. Wenn Du doch Sofronya ein bischen ähn­licher wärest! Wie freundlich und lächelnd begrüßt sie stets ihren Bräutigam Du dagegen! Und doch solltest Du Dich rrkenntlich gegen einen Mann zeigen, der Dich ohne jede Mit­gift nimmt und der Dir ein Glück bietet, das kein Mädchen in der Runde ausschlagen würde. Denn ich wiederhole es Dir, er ist reich und kann es durch seine Verbindungen weit bringen. Aber wozu meine Zeit verlieren, um Dir Aller dies auseinanderzusetzen? Bei den Mädchen hilft nichts als befehlen. Alle Vernunftgründe nutzen nichts. Und jetzt geh' und thu', was Dir die Mutter gesagt; gteb den Hühnern Futter. Nimmst Du nicht die Schlüssel?"

Sie war schon an der Thür, nun kehrte sie in düsterem Schweigen noch einmal um. Ihr Gesicht war bleich wie der Tod. Sie nahm mechanisch das dargereichte Schlüsselbund und ging hinaus.

Die Gleichgiltigkeit ihrer Eltern brachte sie ganz außer Fassung.

Verzweifelt und rathlos trat sie in den Hof. Nachdem sie dem Hühnervolk feine Ration zugetheilt hatte, ergriff sie eine unüberwindliche Abscheu davor, in's Pfarrhaus zurück­zukehren und dort ihre tägliche Arbeit aufzunehmen; zugleich empfand sie ein tiefes Bedürfniß, ihre arme Seele in der friedenbringenden Dämmerung des kleinen Gotteshauses auf­zurichten.

Flüchtig eilte sie durch den Obstgarten, zwischen den fruchtbeladenen Stachelbeerhecken hindurch, stieß die Thür der Kirchleins auf und kniete nieder.

Heilige Maria," flüsterte sie,hilf mir, daß ich mich fügen lerne. Gieb mir die Kraft, zu gehorchen, räume mir die Versuchungen aus dem Wege, laß mich nicht mehr an Han« denken l"

Sie drückte ihr tief erröthetes Gesicht in die glühenden Hände.

Maria, Maria, thue ein Wunder I Erbarme Dich eines armen, schwachen Geschöpfes, das nur leiden, gehorchen und schweigen kann."

Sie war kraftlos niedergesunken und ihre Thränen flössen jetzt unaufhaltsam, von ersticktem Schluchzen begleitet.

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