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dumpfig schmeckt und die Eier in den großen Städten als frische oder Trinkeier nicht los zu werden find. Wenn die Hühner auf dem Dünger kratzen, schadet dies nicht, aber man muß fie auch nebenher mit guten Körnern füttern. Als bestes Körnerfutter find zu nennen: Weizen, Buchweizen, Gerste und schwerer Hafer. Mais sollte nur spärlich verabreicht werden, ab und zu im Winter bei kalter Witterung und wenn die Thiere beschränkten Auslauf haben. Etwas animale Kost ist wünschenswert, besonders während des Winters; Spratts Gtflügelfutter ist sehr geeignet, ebenso Eingeweide, gekocht und in kleine Stücke geschnitten und so unter das Weichsutter gemischt- Auch mit grobem Sand müffen die Thiere reichlich versehen werden. Selbstverständlich muß reines Wasser den Thieren stets zur Verfügung stehen. Ebenso ist Grünsutter nothwendig und muß den Hühnern regelmäßig gegeben werden, falls diese nicht selbst sich damit versorgen können, ohne Grünfutter können die Thiere nicht gesund bleiben und auch keine wohlschmeckenden Eier legen. Daß Unreinlichkeit im Hühnerstall den Eiern einen schlechten Ge- fchmack verleiht, wurde schon weiter oben erwähnt. Wer seine Thiere in schmutzigen Räumen unterbringt, darf außerdem auf einen reichen Ertrag der Eier nicht rechnen.
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Um dasAnziehenvonJaquets/Ueberziehrenrc zu erleichtern, die Aermel des Unterkleides festzuhalten und somit deren Heraufziehen während des Anziehens zu »er* hüten, bringt eine Pariser Kurzwaarenhandlung ein zweckmäßiges Instrument ru den Handel, bestehend aus einem gespaltenen, innen gerauhten Metall* oder Holzgriff, der oben in eine Oese endigt. Letztere wird nach einer Mtttheilung des Internationalen Patent«Bureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin N.W. 6., über den Daumen und der Saum des Aermel» zwischen die Schenkel de» Griffes geschoben, worauf man den Aermel durch einen auf den Griff verschiebbaren Ring zwischen den Klemmbacken festklemmt; auf diese Weise ist ein bequemes Anziehen des Aermels bet vollkommen freier Bewegung des Armes möglich.
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Nicotinfreie Cigarren und Tabake find ebenso widersinnig, wie caffeü freier Kaffee, Eier ohne Alkohol u. dergl., obgleich solche Producte häufig genug feilgeboten und auch gekauft werden. Was speciell den Tabak betrifft, so ist deffen Stärke bekanntlich von seinem Nicotingehalte abhängig und liefern gewiffe Länder und Gegenden'schweren, andere leichteren Tabak. Eine ganz besonders leichte Art soll nun, nach einer Mittheilung de» Internationalen Patent-Bureau» Carl Fr. Reichelt, Berlin N.W. 6-, in Syrien cultivirt werden, dkffen Nicotingehalt ein so minimaler ist, daß derselbe kaum nachgewiesen werden kann; trotzdem hat das Gewächs einen angenehmen Geruch und Geschmack, weßhalb sich dieser Tabak für staike Raucher und solche, denen der Nicotingehalt leicht Beschwerden verursacht, empfehlen dürfte.
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Frau oder Fräulein? Frau Irma v.Troll-Borastyani veröffentlicht im Neuen Wiener Tageblatt einen Beitrag zur Frauensrage unter dem Titel „Alte Jungfern/' worin sie den Vorschlag macht, die Anrede „Fräulein" gegenüber älteren Damen fallen zu laffen und durch den Titel „Frau" zu ersetzen. Mit dem gesellschaftlichen Dank und der Zurücksetzung, unter welchen die unverheirathete Frau zu leiden hat, stehe auch das unfertige, unselbstständige Wesen, welches der Mehr« zahl alternder Mädchen eigen ist, in engem Zusammenhang. Für ein voruriheilsloses Auge ist es eine geradezu lächerliche Erscheinung, wenn unverheirathete Damen reifen Alters es für durchaus unschicklich halten, allein in die Welt zu gehen. Höchst lächerlich ist es, wenn dreißigjährige Mädchen sich von einer fünfundzwanzigjährigen Frau ins Schlepptau nehmen laffen; lächerlich, wenn dieselbe Frau, die gestern noch, weil „ledig" nicht ohne Gardedame in das Theater gehen durfte, morgen, weil verheirathet, die Gardedame einer anderen, viel
leicht älteren Frau abgeben darf; ganz besonders lächerlich,, wenn unverheirathete Damen durch die Erwerbung des Titels einer Stiftrdame, mit welchem bekanntlich die Würde und die gesellschaftliche Stellung der „Frau" verbunden sind, sich ur- plötzlich zur freien Bewegung der verheiratheten Frau für berechtigt halten und auch von der Gesellschaft für berechtigt erklärt werden, während denselben Damen, so sie nicht Stists- damen find, die freie, unabhängige Stellung nicht zukommt, als ob sie mit der Verleihung dieses leeren Titels über Nacht klüger und reifer geworden wären, und als ob die Würde des Frauentitels ihnen auf die Stirne geschrieben wäre und es nicht überall, wo man sie nicht kennt, ganz denselben Ein*
■ druck machte, wenn sie sich allein in der Welt bewegen, ob sie nun verheirathet oder Stiftsdamen, oder ob sie es nicht find. Man könnte angesichts dieser gesellschaftlichen Thor* heilen in der That glauben, daß die öffentliche Meinung das spöttische Wort: „Wem Gott ein Amt verleiht, dem gibt er auch den Verstand," für lautere Wahrheit hält und daß sie glaubt, auch der bloße Titel „Frau", ob nun durch die Ehe oder durch einen Stistsplotz erworben, verleihe besonderen Verstand. Schon in dem Unterschied, daß man die unverheirathete Frau selbst bis in ihr weißhaariger, ehrwüidiges Greisenalter „Fräulein" und nur die verheirathete „Frau" nennt, liegt eine Unzukömmlichkeit. Eine alte Dame „das' Fräulein, „das" Mädchen nennen zu hören, macht einen geradezu unangenehmen Eindruck. Deßhalb, weil sie sich nicht verheirathet hat, ist sie doch nicht ein Neutrum! Man sollte mit dieser Unterscheidung ein Ende machen und die Einführung treffen, daß man alle Personen weiblichen Geschlechtes, welche da« Backfischalter hinter sich haben, insgesammt al» „Frau" titultrt. Es wäre dies viel paffender, vernünftiger unv bequemer- Welches Gelächter würde ertönen, wenn Jemand dafür plaidirts, daß man unverheirathete Männer „Jungherr" oder „Herrchen" nennen sollte, oder nur die Ehemänner „Herr" Soundso. Und doch ist die Geflogenheit, unverheirathete Frauen reifen Alters „Fräulein" und nur verheirathete „Frau" zu betiteln, nicht um ein Haar vernünftiger. In allen diesen Beziehungen könnten wir uns an anderen Nationen ein Beispiel nehmen. An dem Franzosen, der jede erwachsene Frau, gleichviel ob Gattin, Wittwe oder Mädchen „Madame" an-- spricht, und an den Engländern und Amerikanern, welche den erwachsenen unverheiratheten Frauen keine Beschränkung in der Unabhängigkeit ihrer Lebensstellung und in der Freiheit ihrer Bewegung in der Oeffentlichkeit auferlegen."
Gerechte Entrüstung. Gläubiger (zum Schuldner): ,,. . . Und jetzt wollen Sie gar eine Frau ohne Geld hei* rathen?! ... Sie sind ja ein ganz böswilliger Schuldner!"
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Höchste Renommage. A.: „Ist es denn wahr, daß in Wien die Fiaker so schnell fahren?" — Schauspieler: ,,Weiß nicht . . . Pferde sind mir dort immer ausgespannt worden!"
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Der kleine Diplomat. Mutter: „Fritz, warum trinkst Du denn schon so früh fast die ganze Kanne mit Waschwasser au« ?" — Fritz: „Damit ich mich nicht so viel — zu waschen brauche!"
Eitelkeit.
Geh' auf den Markt und sieh', wie rings Die Leute sich um dich bemüh'»;
Man ruft dir r> chts, man zerrt dich links Und schmeichelt dir, dich anzuzieh'n.
Du staunst ob deiner Wichtigkeit — Da gehst du fort und Niemand scheert Sich mehr um deine Nichtigkeit — Wie das die Eitelkeit bekehrt I
Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäto Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen..
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