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geben lassen, ihn ganz unzweifelhaft als den Verfasser der anonymen Briefes an den Kurfürsten verrathen habe, brachte ihn nicht aus der Fassung.

Ich weiß von keinem Briefe und von keinem Bilde. Ich bin ein ehrlicher Mann, dem unerhörtes Unrecht geschieht."

Das waren die einzigen Antworten, die man aus ihm herausbringen konnte, und seine Haltung wie der Ton seiner Rede waren dabei von einer Sicherheit, daß der Polizeidirector vielleicht wieder an seiner Ueberzeugung irre geworden wäre, wenn sie nicht schon gar zu fest in ihm Wurzel geschlagen hätte.

Eines freilich machte ihn von Viertelstunde zu Viertel- stunde bedenklicher: die Thatsache nämlich, daß trotz alle« Suchens weder das Bild noch sonst etwas Verdächtige» zum Vorschein kommen wollte.

Nach zweistündiger angestrengter Thätigkeit durften sich die Beamten mit gutem Gewissen sagen, daß es im Wohn­hause wie in den WirihschaftSgebäuden kein undurchforschtes Fleckchen mehr gab und doch hatten sie nichts gefunden, was die ausgewandte Mühe belohnt hätte.

Man brachte den gefesselten Wozaz, aus dessen kleinen Augen es jetzt wie triumphirende Schadenfreude funkelte, in da» Wohnzimmer zurück, wo sich das bedauernswerthe Lieber- paar noch immer unter der strengen Aussicht der beiden grimmigen Stadtsoldaten befand.

Hermann Stelzner, dessen Geduld endlich erschöpft war, wollte in energischem Tone seine und Christinens Freilassung verlangen. Aber der Polizeidirector, ärgerlich über den Miß­erfolg seiner Maßregel, kam ihm zuvor.

Auch diese Beiden werden als verdächtig in's Gefäng- niß gebracht!" verfügte er.Man wird schon erfahren, ob sie wirklich gar nichts von dem Bilderdiebstahl wissen."

Mit Verlaub, Herr!' sagte der Goldschmiedsgeselle, indem er einen Schritt vortrat.Von dem Diebstahl wissen wir freilich nichts weiter, als was alle Welt aus dem öffent­lichen Anschlag hat ersehen können. Was aber den Johann Wogaz betrifft, so möchte ich wahrlich nicht, daß meine Braut oder ich selbst in den Geruch kommen könnten, wir hätten irgend was mit seinen Heimlichkeiten zu schaffen. Es sind erst wenige Tage vergangen, seitdem Christine mir erzählte, daß sie ihn manchmal mitten in der Nacht mit einem gefüllten Sack habe nach dem Heuboden hinaufsteigen sehen. Wenn die Herren also meinen, daß gestohlenes Gut im Hause ist, sollten sie nur noch einmal auf dem Heuboden gründlich nachsehen."

Christine batte ihrem Verlobten einen ängstlichen, halb vorwurfsvollen Blick zugeworfen; den Wogaz aber hatte an­gesichts dieses unerwarteten Verraths seine Selbstbeherrschung doch wieder für einen Moment so weit im Stich gelassen, daß er durch eine Verzerrung der Gefichtszüge und durch eine zwischen den Zähnen hervorgestoßene wilde Verwünschung seinen Gemüthszustand mehr als zur Genüge verrieth.

Als der Polizeidtrector von Christinen eine nähere Aus­kunft über ihre Wahrnehmungen verlangte, suchte sich der Gefesselte in die Nähe des Mädchens zu drängen, um sie auf irgend welche Art am Sprechen zu hindern. Aber er wurde von seinen Wächtern ziemlich unsanft zurückgestoßen und mußte es zähneknirschend geschehe« lassen, daß seine Nichte, wenn auch mit zitterndem Widerstreben, vor dem Beamten Alles wiederholte, was sie damals ahnungslos dem Geliebten an­vertraut hatte-

Nun war allerdings der Heuboden gleich allen übrigen Gelassen vorhin bereits aufmerksam durchsucht worden; auf diese gewichtige Anzeige hin aber machte man sich unverzüg­lich noch einmal an'« Werk und verfuhr dabei noch viel gründ­licher als vorhin.

Das vorhandene Heu wurde durch die Luke hinab­geworfen und dann wurden Zoll für Zoll die Wände wie der Fußboden beklopft, um zu ermitteln, ob sich etwa irgendwo darunter ein Hohlraum befände. Und endlich, nach langem Suchen, als man schon nahe daran war, die neuerwachte Hoffnung wieder aufzugeben, entdeckte man in derjThat, wo­nach man so lange vergeblich gesucht.

Die Dielen neben dem Schornstein gaben beim Drrauf- schlagen mit dem Hammer einen etgenthümlich hohlen und dumpfen Klang, und als man sie vorsichtig aufriß, blickte man in eine kleine Höhle, deren Inhalt noch bei Weitem alle an diese Haussuchung geknüpften Erwartungen übertraf.

Da sand man allerlei goldene und silberne Geräthe, die vor kürzerer oder längerer Zett au» der katholischen Kirche und au» der Kunstkammer auf schier unerklärliche Weise ver­schwunden waren. Auch seltene Steine, die er, ohne ihren Werth zu kennen, auf'» Gerathewohl au» dem Naturalien- cabinet gestohlen, hatte der gefährliche Verbrecher hier ver­wahrt und in ihrer Gesammtheit mochte die aufgespeicherte Beute an Kostbarkeiten und edlen Metallen wohl eine Summe von mehreren tausend Thalern darstellen.

Da» Wichtigste und Erfreulichste von Allem aber war doch die Wahrnehmung, daß die auf eine Kupferplatte gemalte Magdalena des Correggio keinerlei Schaden erlitten hatte und daß somit der befürchtete unersetzliche Verlust von der Gallerie glücklich abgewendet geblieben war. Au» dem silbernen Rahmen freilich hatte der Dieb die Steine bereits herausgebrochen; doch fand man auch sie allesammt sorglich verwahrt in einem kleinen'zernen Kasten.

Al» man dem Wozaz das gefundene Gemälde entaegen- hielt, begann sich sein Gesicht bläulich zu verfärben, Schaum- flocken traten ihm auf die Lippen und nach einem vergeblichen Versuch, seine Fesseln zu zerreißen, brach der riesenstarke Mann ohnmächtig zusammen.

Hermann Stelzner und Christine Neubert mußten aller­dings bis zur vollen Aufklärung des Sachverhalts ebenfalls in's Gefä ngniß wandern. Aber sie wurden freundlich behandelt und schon nach wenig Tagen wieder in Fceche-t gesetzt, da sich ihre Schuldlosigkeit als unzweifelhaft herausgestellt hatte.

Zwei Monate später schon war die blonde Christine eine gar schmucke Frau Meisterin und die Erinnerung an die trüben Stunden, die sie im Hause ihre» Oheims und Vor­mundes hatte durchleben müssen, vermochte ihr das sonnige Glück ihrer jungen Ehe nicht zu trüben.

Johann Georg Wogaz wurde vor Gericht gestellt und in Anbetracht seiner lange fortgesetzten, in so hohem Maße gemeingefährlichen Verbrecherthäligkeit zu einer Zuchthausstrafe von vierzehn Jahren verurtheilt. In der Strafanstalt zu Zwickau mußte er sie verbüßen und er hat die Freiheit nicht mehr gesehen, da er schon am 9. Mai des Jahres 1797 starb.

In ihren silbernen, mit Edelsteinen und goldenen Ver­zierungen geschmückten Rahmen aber ist die heilige Magdalena des Correggio nach jenem Abenteuer nicht wieder eingefügt worden. Er befindet sich seit dem Jahre 1874 in dem Königlichen Grünen Gewölbe zu Dresden, während das Ge­mälde selbst noch heute eine Juwel jener herrlichen Sammlung bildet, die den Schmuck und den Stolz der schönen sächsischen Hauptstadt ausmacht.

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Frische Eier. Er kommt nicht selten vor, daß frische Eier einen schlechten Geschmack haben, den man sich nicht erklären kann. Wir haben noch kürzlich Eier gekauft, die vollständig frisch waren, wie uns glaubhaft machgewiesen wurde, die man aber trotzdem kaum genießen konnte, weil sie gerade schauderhaft schmeckten. Der schlechte Geschmack der Eier kann verschiedene Ursachen haben: Unreinlichkeit im Hühnerstall, ungeeignetes Futter und dergleichen. Häufig er­halten die Hühner, wenn es im Frühjahr warm geworden ist, und sie anfangen, fleißig zu legen, überhaupt kein Futter, mehr. Der erste Gang der Hühner, sobald sie aus dem Stalle gelassen werden, ist dann nach dem Pferdedung und es wird der frisch auszebrachte Pferdedung sehr sorgfältig nach dem Körnchen Hafer, nach jedem Wurm, der sich im Dünger findet, durchsucht. Die Folge davon ist, daß das Ei