der alles Elend der Gesellschaft, alle menschlichen Irrwege entspringen. Dabei hat er noch den unbestreitbar großen Reiz, daß er uns unwiderstehlich antreibt, den eigenen Scharfsinn zu gebrauchen und den geheimnißvollen Zusammenhang der Dinge zu ergründen, den festgeschlungenen Knoten zu lösen.
Kein Wunder daher, daß es Biele giebt, denen das Lesen von geistreichen Criminalromanen eine willkommene Erholung nach schwerer, angestrengter Arbeit ist. Hat doch selbst Fürst Bismarck sich einmal im Reichstag als ein Freund der Gaboriau'schen Romane bekannt- — Alles aber, was die Geschichten dieses berühmten Franzosen auszeichnet und noch weit mehr bieten uns die Criminalromane der Amerikanerin A. K. Green, deren beste Werks gegenwärtig in einer billigen Lieferungsausgabe unter dem Titel: „A. K. Greens ausgewählte Criminal-Romane" im Verlag von Robert Lutz in Stuttgart erschienen.
Daß eine Frau sich gerade dieser literarischen Specialiiät gewidmet hat, darf uns mit Recht wundernehmen; aber die Verfafferin besitzt hierfür eine ganz ausgesprochene natürliche Begabung und entwickelt in ihrem Fach ein wahres Genie. Ihr Plan ist durchgängig klug und kühn angelegt und das Geheimniß, in das er sich hüllt, offenbart sich zuletzt, wenn auch unter noch so räthselhaften Umständen, doch immer auf wahrscheinlichen, wenigstens möglichen Wegen. Die Charactere, die sie geschaffen hat, sind psychologisch richtig gezeichnet und durchgesührt; es befinden sich höchst mannigfaltige und sympathische Gestalten darunter, für deren Schicksale wir uns erwärmen und deren Eigenart selbst in den leidenschaftlichsten und erschütterndsten Scenen nicht in's Schwanken geräth. Die größte Anerkennung verdient auch die Art und Weise, wie diese gestaltenreichen und verschlungenen Lebensbilder, die sich vor dem Leser aufrollen, einen gerechten und moralisch befriedigenden Abschluß finden. Das böse Princip wirkt meist nur aus dem Hintergründe wie der Schatten des Gemäldes; oft entstehen die tragischsten Conflicte auch aus den Schwächen und Fehlern der handelnden Personen selbst. Nirgends aber stößt man auf jene Schlüpfrigkeit und Sittenlosigkeit, welche andere Schriftsteller als Zuthat bei dem Criminalroman nicht glauben entbehren zu können.
Und doch weiß uns Frau Green vortrefflich zu feffeln und zu unterhalten. Schon in ihrem ersten berühmten Werke „Schein und Schuld" (the Leavenworth Gase) begegnen wir dem liebenswürdigen Detectiv Gryce, der mit Meisterhand selbst die verwickeltsten Fäden der räthselhaften Vorgänge zu entwirren versteht. Wir wünschten wahrlich unserer Polizei und Justiz ebenso thatkräftige, kluge und dabei wohlwollende Beamte. — Bei der Hochachtung und aufrichtigen Freundschaft, die wir für Gryce empfinden, freuen wir uns, daß wir ihn auch in den andern Romanen begrüßen und im Verein mit seinen Gehilfen in Thätigkeit sehen dürfen. Unter letzteren ist besonders der junge Byrd, der in dem feffeinbett Buche „Hand und Ring" eine so hervorragende Rolle spielt, die anziehendste Persönlichkeit. Zu den eigentlichen Detectiv- romanen der Sammlung zählen außerdem noch „Endlich gefunden", „Um Millionen", „Hinter verschloffenen Thüren", in denen sowohl großartig angelegte weibliche Gestalten wie Imogen, Luttra, Genoveva und Mildred, als auch lebensvolle männliche Charactere, j. B. die Doctoren Kameron und Moles- worth, Craik Mansell, Blaks und Anders, unser größtes In- tereffe in Anspruch nehmen.
Bücher etwas anderer Art, weniger auf dem Boden der Wirklichkeit stehend, als aus der blühenden Phantasie der Verfasserin geschöpft, sind: „Das verlassene Gasthaus", „Der Tag der Vergeltung" und die kürzere Erzählung „Das Geheimniß des alten Hauses". Doch finden wir auch hier dieselbe Verschiedenartigkeit und Originalität der Darstellung, welche die Werks A. K. Green« auszeichnen. Daß sie auch Minder- werthiges geschrieben hat, versteht sich bei ihrer großen Fruchtbarkeit von selbst. Die hier erwähnten Romane aber sind in ihrer Art vorzüglich, und wir können es der Verlagsbuch
handlung von Robert Lutz in Stuttgart nur Bank wissen, daß sie dieselben herausgiebt, um sie auf diese Weise einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Die oben erwähnte Ausgabe wird sämmtliche der hier besonders genannten Romane und Erzählungen umfassen und in 35 Lieferungen L 30 Pfg., die zusammen sieben Bände bilden werden, erscheinen.
Eigenthümlichs ist, daß Deutschland seit Temme keinen namhaften Schriftsteller auf diesem Gebiet hervorgebracht hat, während Frankreich, England und Amerika hervorragende Meister des genannten Faches aufweisen, worunter Frau Green dis bedeutendste ist.
VeriiMehtes.
Unbestimmt. Hauswirthin (zu dem neu eingezogenen Studenten): „Wann wünschen Sie morgen geweckt zu werden . . . um sieben?" — „Meinetwegen; ich kann Ihnen aber nicht versprechen, daß ich dann schon zu Hause binl"
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Combinirt. Guido Tastenhammer: „Zum Besten der Abgebrannten beabsichtige ich ein Wohlthätigkeitsconcert zn geben, in welchem ich den ganzen Abend solo Clavier spielen werde." — Kritiker: „Ja, es kommt eben kein Unglück allein I" ♦ * «
Steigerung. „Nicht wahr, alter Junge, wir haben so manche Dummheit miteinander gemacht!" — „Das will ich meinen! Wenn ich nicht irre, haben wir sogar an demselben Tage geheirathet!" ♦ * e
Man muß es nur verstehen. Gras: „Wie lange dauert es, bi» Dir diese Waldanpflanzung Nutzen trägt?" - Baron: „Gar nicht lange! Vor zwei Jahren hab' ich sie angelegt und in diesem Jahre hab' ich mir schon fünftausend Mark darauf gepumpt!" » * •
Zarte Rücksicht. Frau (zu ihrem Manne, der vergeblich versucht, eine Fliege todtzuschlagen): „Hör' doch endlich auf, Du machst das Thier ja noch ganz nervös!" ♦ ♦ •
Fürchterliche Drohung. Tochter eines Vegetarianers: „Papa, wenn Du mir nicht einen neuen Hut kaufst heirath' ich einen — Wurstfabrikanten! '
Literarisches
Ein Lebensbild von fesselnder Wirkung entrollt der vielgenannte Romandichter Arthur Zapp in seiner neuesten Schöpfung „Bei fremden Leuten", welche soeben in der neuen hochinteressanten Romanbeilage „Aus besten Federn" von »Mode «Ud 6aul* zum Abdruck gelangt. Das treffliche Blatt erscheint alle 14 Tage, 36 Seiten stark, ist mit vielen künstlerischen Illustrationen versehen und seine Lectüre ist äußerst nutzbringend, denn sein Inhalt ersetzt zwölf Specialblätter. Die Abonnenten von „Mode und Haus" — Abonne- mentspreis vierteljährlich Mk. 1,—, mit farbigen Stahlstichcolorits ic. Mk. 1'/« bei allen Buchhandlungen und der Post — haben den Rechtsanwalt sowie den Hausarzt umsonst, sie erhalten ein vorzügliches, umfangreiches, achtseitiges Modenblatt, sowie eine reichillustrirte achtseitige Belletristik (erste Autoren) und eine vierseitige Hausfrauenzeitung mit jeder lätägigen Nummer, außerdem monatlich ein originelles Damenwitzblatt „Humor" 2C. Handarbeiten mannigfaltigster Art in jeder Nummer. — Für Mütter und Kinderfreundinnen ganz besonders zn empfehlen ist ferner das im gleichen Verlag erscheinende Monatsblatt mit der Beilage „Für die Jugend", vierteljährlich 60 Pfg., welches Selbstanfertigung der Kindergarderobe mittels zahlreicher Illustrationen und Schnittbogen und Selbstanfertigung des Spielzeuges (aus Resten des Haushaltes), sowie Unterhaltung der Kleinen bezweckt. Gratis-Probenummern beider vorzüglichen Blätter durch den Verlag: John Henry Schwerin, Berlin W. 35, und die Buchhandlungen.
Kedaetion: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkAs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in


