Ausgabe 
11.2.1896
 
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Paula »rhob sich und gab der Frau einen Theil von dem ihrigen. Die Wirthin schwätzte weiter. Morgen müffe ein Bote gleich nach Salerno hinab, einen Arzt für das Kind und tausend Dinge zu holen. In Amalfi sei nicht« Gute« zu haben. Ob fie auch Wünsche hätte? Paula wollte sich be* sinnen, sie war im Augenblick ganz unfähig dazu.

Kommen Sie später am Abend noch einmal, Donna Therefina," bat sie.Ich habe ein Tuch gefunden, welches Sie vielleicht gebrauchen können, rothe Seide."

Die Augen der Wirthin glänzten- Sicher kam sie. O, Ercellenza hatte nur zu befehlen.

Und dis Zeit, bis sie wieder erschien, wurde Paula lang, sie mochte nicht lesen, noch malen, noch sticken.

(Fortsetzung folgt.)

Redaction: A. Scheyda. - Druck und »erlag der Brühl'schen UmverfiMS-Buch- und Steindruckerei (Piets» & Scheyda) tn ©Rgett-

Feines Ragout in Muscheln. In frische Butter schwitzt man zwei Eßlöffel Mehl hellgelb, fügt etwas Weiß­wein, einen Eßlöffel siedendes Waffer und einen Theelöffel Liebigs Fleifchextract, sowie einige klein gehackte Sardellen hinzu und verkocht Alle« zu einer dicken Sauce, in die man etwas Citronensaft träufelt und unter die man ^»dann in recht feine Würfel geschnittene Reste von Kalbfleisch, Kalbs­milch und Huhn sowie kleingehackte Krebrschwänze und Cham­pignons mischt. Dieser Ragout füllt man in mit Butter dick aurgeiirichene Musckeln, legt auf i-de derselben ein Stückchen Krebsbutter, streut geriebene Parmesankäse darüber und bringt die Muscheln kurz vor dem Anrichten in den heißen Backofen, damit sie eine hübsche Farbe bekommen.

V-viMchtes.

»Wie prüfe ich mein Gehör?" ist eine Frage vom allgemeinsten, brennendsten Jntereffe. Wie oft kommt es vor, daß Kinder in der Schule für träge und unaufm^k- sam gelten und daß Eltern und Lehrer vergeben« nach den Ursachen dieser anscheinenden Getsterarmuth forschen! Sehr häufig stellt es sich dann zur allgemeinen Ueberraschung heraus, daß dieselben schwerhörig sind und nur ganz laut ge­sprochene Worte zu vernehmen vermögen. Aehnliche Faue begegnen uns im Leben auf Schritt und Tritt. Wie nämlich das Auge, so ist auch das Gehör bei den einzelnen Personen ganz verschieden ausgebildet, alle Abstufungen von der gänzlichen Taubheit bis zur kaum merklichen Schwächung des Gehörsinns ausweisend. Manche auffallende Erscheinung be- ruht auf einer Herabsetzung der Gehörfchärfe, deren sich der Betreffende nur nicht bewußt ist. So manchesmal könnte daher der Entwickelung von unheilbaren Ohrenleiden vorge­beugt, so manche folgeschweren Mißverständnisse im Leben ver- mieden werden, wenn die Fähigkeit der Gehör «Prüfung weiter verbreitet, ja Gemeingut aller Menschen wäre. Und dieses Ziel zu erreichen sucht in erschöpfender, populär gehaltener Weise das neueste Heft der bekannten Familtenzeitschrifl Zur Guten Stunde" (Berlin W., Deutsches Berlagrhaus Bong & Co: Preis des Vrerzehntagsheftes 40 Pfg), welches außer­dem noch eine Fülle beachtenswerther Artikel bringt. Annie Bock'« RomanFühre uns in Versuchung" ent« wickelt sich in spannender Weise zu einer glänzenden Ge- sellichaftsschilderung und Wilhelm Herbert's frische Ge- birgserzählungGebüßte Schuld" steigt in dieser Nummer zu höchster dramatischer Wirkung. Meisterwerke moderner JllustrationSkunst vereinigen mit der werthvollen Gratisbeilage Jllustrirte Klasstkerbibliothek," die Eichendorff's Gedichte bringt, zu jener glanzvollen Fülle an Unterhaltung, Belehrung und Anregung, durch dieZur Guten Stunde" seit Langem schon zum Lleblmg der deutschen Familie geworden ist.

Verbesserte Grabschrift. Bon Bischof Wilmer, einem bekannten amerikanischen Geistlichen, wirb folgende Anecdote erzählt- Einer seiner Freunde verlor seine Frau und ließ auf deren Grabstein die Inschrift setzen:Das Licht meiner Augen ist erloschen." Ein Jahr darauf war er schon wieder verheirathet und man fragte den Bischof, wie er nun über jene Grabschrift dachte.Sie ist sehr gut," antwortete er, nur sollte der untröstliche Gatte hinzusügen: Aber ich habe mir ein anderes angezündet."

Empfindlich.Das *ist ja ein klassisches Mädchen, Ihr Fräulein Tochter!"Oh,, bitte, so alt ist sie nicht."

Anerkannt. Stammgast: Run laßt endlich die Sonn­tagsjäger in Ruhe, das sind meist brave Leute." - Förster: D ja, die haben schon manchem Hasen da« Leben geschenkt.

Literarisches

Das Leben und Treiben auf einem Leuchtthurm, der auf einsamem Felsen draußen im Meere der anprallenden Brandung trotzt, muß in der Winterzeit ein schrecklich eintönige« fern; wenn auch die Pflicht die treuen Wächter immer von Neuem ermuntert, so find sie doch ost wochenlang von jeder Verbindung mit dem Festlande abgeschlossen, und sehen nichts anderes, als ihre eigenen wetterharten Gesichter. Um nun das Getriebe da draußen auf dem umbrandeten Thurm gerade m der rauhen Jahreszeit aus eigener Anschauung schildern zu tonnen, hat die geistvolle Schriftstellerin und muthige Seefahrerm Helene Pichler es unternommen, kurze Zeit die Gesellschaft der Thurmwächter zu Heilen, und was sie dort erfahren, erzählt sie den Lesern m Heft 16 der be­liebten FamilienzeitschriftFür Alle Wett" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) tn frischer und humorvoller Weise. Damit nun diese interessanten Erlebnisse dem Leser noch näher gebracht werden, sind sie von einer großen Anzahl trefflich gezeichneter Illustrationen begleitet. Dann enthält dieses Hest noch neben den beiden ganz eigenartigen, fesselnden und spannenden RomanenGlücksspiel am Hofe" von Carl Ed. Klopfer undVer­geltung" von Hektor Malot eine launige PlauderskrzzeEifersüchtig oder nicht" von Dietrich Theden, eine durchaus gemeinverständlich ge­schriebene Würdigung der Verdienste Johann Heinrich Pestalozzis um die moderne Volksschule, eine nach den Berichten von Augenzeugen ab­gefaßte Schilderung des Kampfes des preußischen KanonenbootsMeteor mit dem französischen AvisoBouvet" im Jahre 1870 vor Havana mit einer vorzüglichen Zeichnung dieses Seegefechts von Willy Stoewer. Weiter finden wir unter vielem Anderen einen Artikel über den Ge­sichtsausdruck bei Menschen und Thieren, einen solchen über d'e epoche­machende Entdeckung der Röntgen'schen X-Strahlen und eine illustrirte HumoreskeDie Liebesprobe." Der künstlerische Schmuck dieses Heftes weist neben den Porträts Pestalozzis, des Prinzen Alexander, des Afrikareisenden Ehlers und des Generals v. d. Goltz-Pascha, die Holz- schnittreproduetionen des Josö Gallegos'kchen GemäldesKriegsbeute, des Modler'schen GemäldesEin Hochzeitsfest tn der Bretagne, dann Manuela" von Konrad Kiesel,Erdpyramiden in Tyrost von E. Heyn, Münchener Kindl" von Friedrich Bodenmüller undWafsenhändler in Kairo" nach dem Gemälde von G. Simoni auf. Wie so oft schon tn & Alle Welt" werden auch in diesem Hefte wieder die Bnefmarken- liedhaber durch Abbildungen äußerst seltener Marken erfreut, em Zeichen, daß dieses weitverbreitete Familienjournal den verschiedensten Jnteressenkreisen gerecht werden will. *

Unbedingt hängt die Behaglichkeit eines Hauses von der Frau ab. Die praetische, den Verhältnissen angemessene Einrichtung, die wohlbe­gründete Ordnung und mit in erster Reihe: eine gute Küche alles wirkt zusammen, um den Besucher und den Ehegatten ju feifetn. Welche Hausfrau Belehrung in ihrem Wirken sucht, der sei die Monats­schrift für das geistige und wirthschaftliche Leben der Frau:Wein Aatt6 meine Wett * herausgegeben von Johanna Sydow (Verlag von Max Pasch, Berlin SW., Ritterstr. 50), empfohlen. Aus dem reichen, die praetische Thätigkeit fördernden Inhalt des vorliegenden Februarheftes führen wir nur an:Der Einkauf tnt Februar, von S. Ort:Der Fasan des Meeres," von Ilse Horn;Die Poesie der Kochkunst," von S. Olden;Wie soll die junge Hausfrau kaufen? Zur Kenntniß der Maaren und ihrer Verfälschungen" ein zeitgemäßes und von keiner Hausfrau zu übersehendes Thema!Neuheiten: für

Küche und Haus;"Der Garten im Februar." Für die Unterhaltung ist durch spannende Novellen und Skizzen gesorgt. Eine sehr beachtens- werthe Arbeit ist:Das deutsche Bürgerhaus am Ende des 19. Jahr­hunderts," von Luise Müller. Interessante Plaudereien wie:Der sechste Sinn," von Ulla Kremsier;Der Fünfuhrthee";Von der Mode wird jede Frau mit Vergnügen lesen. Der Preis des Hefteo >f 50 Pfg.; vierteljährlich Mk. 1.50. Probenummern versendet die 45er- I lagshandlung gratis.