Ausgabe 
11.1.1896
 
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Ein Dämon.

Novelle von I. Pia.

(Fortsetzung.)

Ohne, wie er schien, St. Clairr Worte zu beachten, sagte die Frau plötzlich in gedämpftem Tone:Weißt Du, Armand, seit wie vielen Jahren wir uns nicht gesehen haben?'

Wie ungalant, mich so an mein Alter zu erinnern!* spottete er.

Du bist noch jung noch nicht ganz vierzig," ent» gegnete sie;aber wer weiß, ob die Zeit so spurlos an Dir vorübergegangen wäre, hättest Du die letzten vier Jahre wie ich in einer Irrenanstalt verbracht."

Es wäre mir ganz interessant, zu erfahren, welchem glücklichen Umstand Du es zu verdanken hast, daß Du jetzt nicht mehr dort bist," bemerkte St. Clair gelassen.

Mit seltsamem, halb bekümmertem, halb staunendem Ausdruck ruhte das Auge der Frau auf ibm.

Du hast Muth!" klang es unwillkürlich von ihren Lippen.Kein zweiter Mensch würde mir wohl so ruhig in's Auge sehen können! Aber ich will Deine Frage beant- warten. Ich habe, wie Du siehst, endlich einen Freund ge­funden, der mich vor Deiner Verfolgung rettet, bald wird diese verzehrende Krankheit mich ganz von Dir befreit haben."

Erkläre Dich deutlicher. Noch verstehe ich nicht, was das mit Deinem Hiersein zu thun hat," versetzte ihr Begleiter ruhig.

Mit der Zunahme meiner Schwäche und meines leiden­den Zustandes ließ die Wachsamkeit der Wärter nach," ent­gegnete sie gepreßt;dadurch bot sich mir eine» Tages eine günstige Gelegenheit, die ich schleunigst ergriff, um endlich der verhaßten Kerkerhaft, die ich Dir zu verdanken habe, zu ent­fliehen!"

Verächtlich zuckte St. Clair die Achseln.

Du vergißt, daß mir bei Deinem Eigensinn kein anderes Mittel übrig blieb," sprach er.

So? Weil ich nach zwölf Jahren der Sündenlast, die Du mir aufgebürdet hattest, müde war und begangene schwere Schuld wieder gut machen wollte deshalb sperrtest Du mich ein."

Dazu war e» zu spät dazu ist es zu spät!" stieß St. Clair heftig hervor.

Und ich sage Dir, er ist nicht zu spät!" gab Jene trotzig zurück.Wie thöricht von mir, Dir von meiner Flucht, von meiner Absicht zu schreiben und Dich dadurch zu warnen. Aber trotz dieser Thorheit ist mein Geist stark und völlig klar; und meine Sünde lastet so schwer auf mir, daß ich nicht ruhe, nicht roste, bi« die Schuld gesühnt ist! Dann sollst Du auch wissen, daß ich Dein Geheimniß kenne Du warst es, der sich heimlich Zugang in den Leuchtthurm verschaffte der die Laterne verhängte, damit das unglück­liche Schiff scheitern mußte, weil Du wußtest, daß ich mich auf demselben befand und hofftest, mich so auf dein Meeres­grund für immer zum Schweigen zu bringen!"

Bei dieser furchtbaren, mit krampfhaft bebenden Lippen hervorgestoßenen Anklage zog St. Clair heimlich eine Pistole hervor.

Der Frau aber entging nicht die kleinste Bewegung.

Wage er, mir nur ein Haar zu krümmen und die ganze furchtbare Wahrheit wird der Welt kund," rief sie.Mein einziger Freund, den ich noch aus dieser Welt besitze, hat einen wortgetreuen Bericht der ganzen Angelegenheit tu Händen und hat Weisung, denselben den Gerichten vorzulegen. Glaubtest Du, ich würde mich Deinen Händen anvertrauen?'

Einen Moment zuckte es wuthentbrannt über St. Clair« wild erregtes Gesicht, dann aber umspielte dasselbe wieder jenes beängstigende kalte Lächeln.

Demnach ließe sich nicht« mehr geheim halten," sagte er und verbarg die Waffe wieder.

Nein," antwortete sie ruhig-Kein Mensch ahnt die Wahrheit betreffs de« Schiffbruchs, ich durchschaute aber sehr bald, wer sich hinter dem lothköpfigen Fremden verbarg. Armand St. Clair, wozu sollen wir Zwei noch gegenseitig die furchtbare Wahrheit zu bemänteln suchen? Vor acht­zehn Jahren gelobte ich, die Deine zu werden damals warst Du eTn heiterer, liebenswürdiger, wenn auch unbemittel­ter junger Mann ich die Erzieherin im Hause Deiner Verwandten. Dein Vetter, nur wenige Wochen älter als Du, ward als der Heitere Erbe de« Majorat« und Du voll« ständig abhängig von ihm."

Roch hat mein Gedächtniß nicht gelitten wozu führst