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Farben in der Regel nur sehr leicht aufgetragen sind, so schmutzen und stauben sie schnell ab und kommen in die Alhmungsorgane derj Besitzer, wo sie überaus nachtheilig wirken. Also fort mit diesem Tand!
Unter den schädlichen Mineralstoffen spielt das Bleichromat eine wichtige Rolle als Chromgelb, Kaisergelb, Parisergelb u. s. w. Alle diese find giftig. Professor Lehmann in Würzburg hat bei der Untersuchung von Gebrauchsgegenständen und Spielsachen das Bleichromat mehrfach gefunden. Leider ist nach dem deutschen Ges-tze vom 5. Juli 1887 § 4 für Spielsachen die Anwendung desselben erlaubt, weil man von der Ansicht ausging, daß diese meist mit einem Lacküberzug versehen werden und mit dem Munde der Besitzer nicht in Berührung kommen. Dies ist aber ein Jrrthum. Denn fast alle Kinder pflegen ihre Spielsachen gelegentlich zu küffen oder gar in den Mund zu stecken- Nun hat Proseffor Lehmann Bleichromat auch in den gelben und orangen Federhaltern gefunden, an denen bekanntlich Kinder wie Erwachsene vielfach kauen, wenn beim Schreiben die Gedanken sich nicht einstellen wollen. Ebenfalls sand sich diese giftige Farbe an gelben lackirten kleinen Wägelchen und Eimern. Deshalb ist zu rathen, lieber keine gelb lackirten Spielsachen zu kaufen.
Früher wurde das schädliche Chromgelb auch zum Färben der Zuckerwaaren benutzt; jetzt sieht man allerdings den Herren Conditoren dabet sehr scharf auf die Finger. Daß es aber trotzdem noch vorkommt, beweist ein im August 1889 in München vor Gericht verhandelter Fall, wo zwei Bäcker deshalb zu Gefängniß verurtheilt wurden. Man taufe also jur Ausschmückung des Weihnachtsbaumes mehr schmackhafte, wirklich eßbare Maaren, als solch buntes, namentlich gelb oder orange gefärbtes Zuckerzeug. Um dem Baume ein phantastisch buntes Aussehen zu verleihen, gibt es ja so außerordentlich viele hübsche, unschädliche Gegenstände aus Glas und Papier. Auch die bemalten Zuckerverzierungen aus den Torten gebe man den Kindern nicht zu effen. ;
Die Fabrikanten von Buntpapieren versichern, daß bei der Fabrikation keinerlei schädliche Farben zur Verwendung kommen. Trotzdem hat die Kgl. Untersuchungsanstalt in München unter 181 Buntpapieren, die int Jahre 1891 zur Prüfung gelangten, in 32 arsenhaltige Kupferfarben, in der Regel sogenanntes Schweinfurter Grün gefunden, und im Jabre 1892 betrug die Zahl der giftigen Buntpapiere 14 Procent. Solche Buntpapiere werden nun vielfach verwendet zum Einwickeln von Bonbons, zum Einbinden von Heften, zur Bekleidung von Puppen, Spielwaaren u. s. w. Daher mache man die Kinder darauf aufmerksam, daß sie ja nicht an diesen Sachen lecken oder sie küffen (z- Beisp. Papierpuppen).
§ 11 des deutschen Gesetzes vom 5. Juli 1889 lautet: »Auf die Färbung von Pelzwaaren finden die Vorschriften i dieses Gesetzes keine Anwendung.* Daher werden zum Färben ! der Pelzwaaren giftige Farben, wie Bleiweiß und Queckfilber- | salze benutzt. Der Gesetzgeber gestattet deren Anwendung, | weil er annimmt, daß Pelzwaaren mit dem Munde nicht in ; Berührung kommen und daher Vergiftungen nicht veranlaffen | können, selbst wenn dieselben schädliche Stoffe enthalten. Daß J diese Annahme den thatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht, ist bekannt- Denn man sieht gar nickt selten, daß namentlich Kinder die Pelzwuffe oder den Pelzkragen längere Zeit an Gesicht und Mund drücken. Also auch hier thut Warnung dringend noth!
Am genauesten von allen Geschenken sür Kinder find wohl bisher die Gummispielsacken auf ihre Gefunddeitssckäd- lichtest untersucht worden. Als gtstige mineralische Beimengungen kommen dabei vor allem Blei- und Zwkoxyd in Betracht. Diese kann man aber durch ein einfaches, practisches Verfahren leicht nachweifen. Je mehr mineralische Substanzen nämlich dem an und für sich leichten Gummi zngesetzt find, um fo schwerer wird es; oder mit anderen Worten: wenn da» (ipecifische) Gewicht einer Gummisache
durch mineralische Beimengungen so groß geworden ist, daß fie im Waffer nicht mehr schwimmt, so ist die Waare schädlich. Von den gefärbten Gummisachen haben fich die durch und durch gefärbten als unschädlich erwiesen. Anders verhält es fich mit den nur an der Oberfläche gefärbten. In deren Farben finden sich viele giftige, wie Blei- und Zinkweiß, grüner Zinnober und Chromgelb. Beim Saugen und Kanen solcher Gummiwaaren kann nun leicht die Farbe abspringex, von den Kindern hinuntergeschluckt werden und zu schweren Erkrankungen Anlaß geben. Daher sind alle nur äußerlich gefärbten Gummisachen am besten ganz zu vermeiden!
Zuletzt möchte ich die Eltern noch über ein Spielzeug beruhigen, vor dem fie unröthiger Weise am meisten Angst zu haben pflegen, da« find die Tusckfarben. In der medi. cinischen Literatur findet sich meines Wiffens aus neuerer Zeit kein einziger Fall von Vergistung durch Kindertuschsarden. Diese bestehen aus Honig (daher Honigsarben), Gummi, Leim- wasser oder Hausenblase, bisweilen auch au» Harzen und Balsame, find also unschädlich. Freilich ist Vorsicht zu allen Dingen gut. Deshalb möge man den Kindern lieber verbieten, an Tuschfarben oder Pinseln zu lecken.
Natürlich sollen Kinder auch keine spitzigen und schneiden- den G egenstände, mit denen fie fich auf gefährliche ober tödt- liche Weise verletzen können, geschenkt bekommen. Dieser Gebiet noch genauer zu verfolgen, würde uns aber zu weit führen; dabei muß an die Einstcht der Eltern appellirt werden Wir wollen nur vor denjenigen Spielsachen warnen, welche die hygienische Wiffenschaft der neuesten Zeit als ge- sundheitsschädlich erkannt und bewiesen hat. Mözen die Eltern fich die» zu nutze machen, damit ihre kleinen Lieblinge nicht nur ein gesunves, fröhliches Weihnacht-fest feiern könne», sondern auch im neuen Jahre ihre volle körperliche Frische und Gesundheit fich bewahren.
Humoristisches.
Offenherzig. 3t.: „Wie denken Sie über den projeetirien Aussichtsthurm?* — B.: „Garnicht, denn der ragt bereits einige Meter über meinen Horizont hinaus!'
Literarisches
Rr«es «ochvuch für Vie bürgerliche und fein« Küche, herausgegeben von Frau Emmy Braun. Sechste verbesserte und vermehrte Auflage. Grünstadt, I. Schässers Buchhandlung. Preis 2,20 Mk. Das vorliegende Kochbuch hat in seiner Art einen wahren Triumphzug gefeiert, indem es in verhältnißmäßig kurzer Zeit sechs Auflagen erlebt hat. Natürlich hat diese ersreuliche Erscheinung ihre guten Gründe, und zwar sind dieselben darin zu suchen, daß die Ber- fasserin bei aller Reichhaltigkeit des Inhalts eine gute Uebersicht, bei aller wohlmeinenden Sorgfalt für die Einzelheiten doch klare, auch dem schlichtesten Verstände einleuchtende und verständliche Anweisungen giebt. So hat die Verfasserin das Problem gelöst, einerseits den Anfängerinnen in der Kochkunst einen praktischen Führer zu bieten, andererseits der wohlerfahrenen Hausfrau mit ihrem Buche eine keineswegs als überflüssig erscheinende Gabe zu bieten; denn an sich ist ja die pfälzische Küche sehr reichhaltig und dann beschränkt sich das Buch auch keineswegs auf diese, sondern nimmt das Gute, wo es dasselbe findet. Und eben diese zahlreichen, bezüglich der Quantität der Zugaben genau erprobten Recepte dürften den Beifall der besten Köchin finden und haben diesen, wie die stets anwachsende Verbreitung des Buches beweist, allgemein gefunden. Nicht zu unterschätzen ist bei alledem das durch das ganze Buch sich wie ein lichter Faden hinziehende Bestreben der Verfasserin, sich nicht auf die directen Kochvorschristen zü beschränken, sondern der Hausfrau auch werthvolle andere Winke — und das in schlichter, sachlicher Form ohne einen Anstrich von Wichtigthuerei — die mittelbar und unmittelbar mit der Küche Zusammenhängen, zu geben, Winke, die die Freude am Erfolg verbürgen oder auch nur etwaige Unzuträglichkeiten verhindern sollen. Gerade hierin erkennen wn m» besonderer Freude die stets und überall zuverlässige wahre Freundin °et Hausfrau! Die neue Ausgabe, die auch in der Ausstattung vorzüglich ist, wird dem übrigens sehr billigen Buche eine immer weitere «er- breitung verschaffen.
Reboction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflMS-Buch- und Steindrnckerei (Piets» fr Scheyda) in


