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eWen und menschenfreundliche« Thun ihre unschicklichen Zwecke z« »erfolgen.
Die guten Familien der Stadt, die stch anfänglich Tag für Tag nach dem Befinden des jungen Künstlers hatten er* kundigen lassen, ersahen es unter diesen Umständen al« ihre Pflicht, jede Verbindung mit dem Eggestors'schen Hause adzu* brechen, und Doctor Sott k mußte hier und da sehr spitzige Bemerkungen hören, die stch lediglich mit Rückstcht auf seine stark bekannte Grobheit in den Formen jener allgemeinen Betrachtungen bewegten, auf die sich nichts erwidern läßt, wie deutlich fühlbar auch der in ihnen verborgene Stachel sein mag.
Margarethe hörte von alledem nichts, ja, sie ahnte nicht einmal, daß sie sich während de« ganzen Tages und zumeist sogar bi« tief in die Nacht hinein unter demselben Dache mit ihrem ehemaligen Verlobten befand. Nach jenem ersten Abend hatte sie Werner Eggrstorf nicht wiedergesehen, und sie konnte nichts Anderes glauben, als daß er wie ein Mann von Ehre sein Versprechen erfüllte, stch von dem Hause seiner Bruders so viel al« immer möglich fernzuhalten. Auch sein Name wurde in Margarethens Gegenwart von den übrigen Hausgenossen nie genannt, und nur einmal war sie gegen ihren Willen Ohrenzeugin eine« Gesprächs zwischen dem Sanitätsrath und der Diaconissin gewesen, da« sich mit ihm beschäftigte.
Es hatte sich um die Entscheidung der Frage gehandelt, ob ihm der Zutritt zu dem Kranken gestattet werden solle, und Margarethe war erstaunt gewesen über die rücksichtslose Bestimmtheit, mit welcher der Arzt die Ertheilung dieser Er* laubniß verweigert hatte.
„So lange der Patient ohne Bewußtsein ist, würde e« ja am Ende ganz gleichgültig sei«, wer zu ihm hereinkommt,- hatte er gesagt. „Dieser Zustand de« getrübten Erkennung«, vermögens aber kann in jedem Augenblick einer vorübergehenden oder auch dauernd geistigen Klarheit weichen, und den Kranken vielleicht gerade in solchem Moment starke« seelische« Erschütterungen auszusetzen, wäre ein Verbreche» gegen sein Leben. Nimmt die Sache eine solche Wendung, daß wir auch die letzte schwache Hoffnung aufgeben müsse«, so werde ich den Herrn gewiß nicht daran hindern, sich in der Todesstunde seines Bruders mit ihm auszusöhneu oder doch wenig* sten« ein Zeuge seiner letzten Augenblicks zu sei«. So lange aber die Möglichkeit einer Genesung noch nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen ist, so lange werde ich irgend welche Rührscenen am Krankenbette unter keinen Umständen gestatten/
Die Worte des Sanitätsraths waren nicht für sie bestimmt gewesen, aber gerade deshalb beschäftigte sie die Gedanken Margarethens fast unausgesetzt. Hatte sie doch bis dahin eigentlich noch niemals daran gedacht, was sich er* eignen würde, wenn Hermann Eggestorf vlötzlich mit klarem Bewußtsein die Augen aufschlüge und ste an seinem Lager sitzen sähe. Wie sollte sie ihm dann ihre Anwesenheit er» klären, ohne zugleich das Geheimniß ihres Herz;«« preiszugeben? Und wie sollte sie es verhindern, daß er dabei einer Gemüthsbewegung ausgesetzt würde, die ihm vielleicht nicht weniger verhängnißvoll würde al« die von dem Sanitätsrath so sehr gefürchtete Erregung eines Wiedersehens mit Werner.
Sie nahm sich wohl vor, mit der Diaconissin über diese Möglichkeit zu sprechen und den Rath der erfahrenen Pflegerin einzuholen. Aber die gottergebene Dienerin der Barmherzigkeit war von ihrer immer gleichen Sanftmuth und unerschütterlichen Gemüthsruhe wie von einem Strahlenglanze unnahbarer Hoheit und Würde umgeben, der trotz der besten Vorsätze Margarethen« jede vertrauliche Herzensergießung unmöglich machte; und trotz der gemeinsamen Sorge, die sie nun schon lange verband, standen sie sich in der That innerlich noch eben so fremd gegenüber wie am ersten Tage.
So blieb Margarethe für ihr Benehmen in jenem entscheidungsschweren Augenblick, vor dem sie stch fürchtete, obwohl sie ihn mit der ganzen Inbrunst ihres Herzens ersehnte, ganz auf ihrs eigene Geistesgegenwart angewiesen, und sie
zermarterte stch den Kopf mit der Ausmalung von tausend Möglichkeiten, deren jräe sie zum Heile des geliebten Kranken stark und gewappnet finden sollte.
(Fortsetzung folgt.)
Gesundheitsschädliche Weihnachtsgeschenke für Kinder.
Bon Dr. Otto Gotthilf.
-----— (Nachdruck verboten.)
„Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß", sagt der Volksmund, und er hat Recht daran. Denn wenn wir alle» wüßten, was z. B- mit den Nahrungsmitteln vor sich gegangen ist, von ihrer ersten Gewinnung bis zur fertigen Speise, — wir würden sehr ost vor Ekel und Abscheu nicht» genießen können. Auch hat die Gesundheitspflege keinen Grund, hierüber aufzuklären, so lange die Speisen nicht durch leichtsinnige und nachlässige Behandlung gesundheitsschädlich werden. Die Hysterie hat auch hier erst dann ihre warnende Stimme zu erheben, wenn sie sich von einer Gefährlichkeit für die Gesundheit überzeugt hat; dann aber muß sie ohne alle Rücksicht auf die Fabrikanten dem Publikum ein vernehmliche» „Vorsicht I" zurufen und die Regierungen ersuche«, daß sie durch Gesetze mit strengen Strafbestimmungen denjenigen da» Handwerk legen, welche au» schnöoem Geldgewinn in leichtsinniger Weise da» Leben ihrer Mitmenschen gefährden. Daher sind auch in den letzten zehn Jahren mancherlei hygienische Gesetze in den Kalturstaaten erlassen worden. Aber da» Ideal hierin ist noch lange nicht erreicht; noch gibt es zahlreiche Fabrikate, welche die Gesundheit untergraben, welche Krankheit und Siechthum herbeiführen können. Da nun jeder Stoff um fo schädlicher wirkt, je jünger das Jadtvtdium ist, welches ihn in stch aufnimmt, so ist es von besonderer Wichtigkeit, diejenigen Fabrikate kennen zu lernen, welche dis Gesundheit unserer Kinder gefährden. Und gerade jetzt, wo das fdräne, herrliche Weihnachtsfest naht, ist es für alle Eltern, O kels, Tanten und sonstigen Anverwandten gewiß von höchster Bedeutung zu wissen, welche Geschenke den herzigen Kleinen etwa Schaden an ihrer Gesundheit bringen können. Wehe! wenn die Liebesgaben Leidesgaben würden!
Ein sehr gefährliches, weil äußerst giftiges Spielzeug, welches allerdings jetzt weniger verbreitet zu fein scheint al- früher, ist die sogenante Pharaoschlange. Sie besteht meist aus einem kleinen blechernen Thier mit einer O-ffaung; zündet man die an der Oeffaung hervorschauends Substanz an, so schlängelt stch diese wurstartig hervor. Auch gibt e« sogenannte Dukatenmänner, welche dasselbe Schauspiel darbieten, wie jene Thiere. Der im Innern befindliche Brei entwickelt nun beim Hervorquellen sehr giftige Dämpfe. Man möge da« Nähere ersehen aus dem Erlaß der Kgl. Regierung zu Schleswig vom 16. August 1889: „Nachdem in dem Untersuchungsamt für die Provinz Schleswig-Holstein in K el ein Spielzeug, Kraterschlange, Elbkrokodil, welche» au» einer Staniolhülse von Räucherkerzenform, eine eigenthümlich gestaltete, die Bezeichnung erklärende poröse Asche beim Anzünden entwickelt, untersucht worden ist, hat sich gezeigt, daß die Zündmasse Quecksilberrhodanit enthält und daß beim Abbrennen von 10 Stück des Spielzeuges stch 0,550 Gramm metallisches Quecksilber in Dampfform entwickeln. Da das Quecksilber in dampfförmigem Zustande sehr giftig wirkt, so warne ich vor dem Ankauf gedachten Spielzeuges.
Der Regierungs-Präsident. -
Sehr in Mode sind jetzt als Geschenke für Kinder und auch Erwachsene die billigen japanischen Papierarttkel, wie Fächer und Schirme. Zum Buntfärben derselben werde« natürlich die billigsten und schlechtesten Farben genommen, wögen sie gesundheitsschädlich sei« oder nicht. In der That hat man nun auf den grün gefärbten Partien solcher japanischen Schmuckartikel häufig das giftige Arsen gefunden. Da die


