Ausgabe 
10.10.1896
 
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UntechaltungsbLM zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger),

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Falsches Spiel.

Roman von E. v. Linden.

(Fortsetzung.)

Erichsen schob den Riegel vor und entfernte sich dann durch eine Nebenkammer, um seine Frau zu benachrichtigen, die auch bald erschien, um den Tisch zu decken. Ihre ehr­lichen blauen Augen hefteten sich forschend auf Rombergs Gesicht und füllten sich plötzlich mit Thränen.

Ich war bei der seligen Frau Baronin als Kammer­mädchen," sagte sie dann, sich hastig die Augen trocknend, und wenn ich Sie änsehe, junger Herr, so ist's mir genau so, als sähe mich meine gütige Herrin aus ihren Augen an. Ja, gewiß, meine Baronin steht leibhaftig vor mir, und gut war sie, so lieb und so gut wie ihr Aeltester, unser Herr Rittmeister, der ihr goldenes Herz geerbt hat. Und wenn Sie sich auch einen anderen Namen beigelegt haben, junger Herr, mir machen Sie nichts weiß, Sie find der rechte Enkel meiner seligen Herrschaft und auch just zur rechten Stunde gekommen, um uns von einem Bösewicht zu befreien."

Da kommt der Wagen mit der Baroneffe zurück," rief der Förster, in einem triumphirenden Tone,schieb' den Riegel hinter mir zu, Altei"

Es ist nur wegen dem Klatschmaul, dem Barbier," erklärte Paulsen, als die Frau verwundert den Kopf schüttelte.

Ja so, das ist richtig," sagte sie nachdenklich, indem sie den Riegel vorschob.Es ist wohl besser, daß der den jungen gnädigen Herrn nicht zu früh sieht, obschon er von hier nicht fortkommt. Nun essen Sie aber, liebe Herren, und verzeihen Sie es einer alten Frau, daß ihr Herz mit der Zunge davongelaufen ist. Ich habe es immer gesagt, der liebe Gott lebt noch und verläßt die Seinen nicht. Frühstücken Sie erst ein wenig, in einer Stunde wird zur Mittag gegessen."

Sie haben aber bei einer solchen starken Einquartierung doch sicherlich keinen Raum mehr für uns übrig, Frau Förster I" bemerkte Romberg besorgt.

D, das Haus ist sehr geräumig, gnädiger Herr! Der

selige Herr Baron hat es für meinen Schwiegervater, Gott habe ihn selig neu erbauen lassen. Deshalb brauchen Sie sich nicht zu sorgen, ich fürchte nur, daß es schwer halten wird, Sie auf längere Zeit vor den neugierigen Augen des Barbiers zu verbergen, der feine Nase überall hineinsteckt. Aber trinken Sie doch, gnädiger Herr, selbstgebrautes Alting- Hofer Bier, auf welches unser Herr Rittmeister sehr stolz ist."

Sie füllte die beiden Gläser und freute sich, als Rom­berg das seinige auf die Genesung de« Rittmeisters leerte. Im selben Augenblick wurde an die Thür geklopft und nun erschien auch der Förster, um den Riegel zurückzuschieben und die Baronesse eintreten zu lassen.

Die beiden Fremden erhoben sich rasch und begrüßten die Dame mit einer tiefen Verbeugung.

Bleiben Sie hier, lieber Erichsen," sagte sie, als der Förster Miene machte, seiner Frau, die sich entfernte, zu folgen. Als der älteste und treueste Beamte meines Adoptivvaters, als mein aufrichtigster Freund, dürfen Sie das vollste Ver­trauen beanspruchen und auch deshalb Alles anhören, was die fremden Herren mir zu sagen haben."

Wir würden selber darum bitten, mein gnädiges Fräulein," sagte Romberg,weil wir von der Treue und Anhänglichkeit des Försters gegen seinen Herrn bereits über­zeugt sind und auch ihm unser volles Vertrauen schenken. Da mein alter Freund hier doch verzeihen Sie meine Vergeßlichkeit," unterbrach er sie plötzlich verwirrt,wir haben uns nicht vorgestellt mein Name ist Justus Rom­berg aus Amerika"

So heißt mein junger Herr nämlich nach feinem Pflegevater, fein rechter Name ist Justus von Alting, ältester Sohn des vor sechsundzwanzig Jahren nach Amerika ausge­wanderten dänischen Lieutenants Hans Joachim von Alting."

Der alte Paulsen hatte sich bei dieser eigenmächtigen Mittheilung straff aufgerichtet und sah mit einer heraus- fordernden Miene auf den jungen Mann, der verlegen vor sich hinblickte.

Natürlich ist er ein echter Alting, das hab' ich mir gleich gedacht," sagte Erichsen freudig erregt.Haben Sie es gehört, meine gnädige Baroneffe? Er ist der älteste Sohn!"

Freilich habe ich's gehört," erwiderte Ellen, tief auf- athmend,Sie tragen nicht blo» die Züge Ihrer Großmutter,