-- 314 —
einen kleinen Ring, der sie wie glühendes Eisen brannte. — Schlaflos brachte sie die Nächte zu.
„Jesus, wie ernsthaft das Mädchen ist!" rief Diotyma manchmal wirklich beunruhigt mit einem fragenden Blick auf den Seminaristen.
„Ernsthaft! Mir ist es recht, ich Haffe die Frauen, die immer lachen. Wenn sie lustig wäre, würde sie mir gar nicht paffen; ich nehme keine Frau, um mich zu zerstreuen, ich bin ja auch ernst."
„Um so bester," sagte Diotyma seufzend, ohne daß sie such nur den Versuch gemacht hätte, ihres Kindes Herz zu ergründen.
XI.
Das griechische Osterfest fiel dieser Jahr mitten in den Monat Mai. Eine prachtvolle Ostermahlzeit, aus kaltem Fleisch und verschiedenen Kuchen bestehend, war in der Eßstube aufgetragen, und man erwartete den jungen Thierarzt, um mit ihm das traditionelle Osterei zu theilen, als plötzlich, lange vor der Messe, die Britfchka Harasims vorfuhr.
Dieser Besuch, der ganz gegen jede Uebereinkunst war, brachte die Familie außer Fassung.
„Olena, schließe schnell die Thür der Eßstube ab, er muß in Papar Zimmer empfangen werden. Und Du, Kasinka, steh' Wache auf der Straße."
„Mein Gott, wenn nur Vincenz nicht früher als ae» wöhnlich kommt!"
Sofronya saß auf glühenden Kohlen, und ihr ganzer Zorn übertrug sich auf die arme Binia.
„Wenn Dein schöner Bräutigam uns oft solche Streiche spielen will, wird man bald gar keine Ruhe mehr haben. Sag' ihm doch, daß er sich wenigstens an dem Tage ruhig verhält, wo ich meinen Vincenz empfange. Was für ein tuet» loser Mensch! Wie hast Du Dir nur so einen Mann wählen können!"
Wählen! Welch' grausamer Hohn! Aber wozu erst auf diese kleinlichen Sticheleien antworten? Und Binia neigte den Kopf, ohne etwas zu erwidern.
„Uebrigens," fuhr Sofronya unbarmherzig fort, „wenn er so große Sehnsucht hat, Dich anzusehen, warum thut er es denn nicht, so lange er hier ist, anstatt die ganze Zeit die Rase in seine Sutane zu stecken?"
Diotyma trat endlich dazwischen.
„Es wird doch nicht anders gehen, als daß man ihm das geweihte Ei anbietet, Kinder, was meint Ihr?"
„Ra, das ist ja wohl Binias Sache, scheint mir, mag sie doch selbst ihrem Freier einen Imbiß hineintragen; Niemand wird ihr das Recht dazu abstreiten."
Der Seminarist schien die Aufregung, die er verursachte, gar nicht zu bemerken. Er war ganz eingenommen von dem Ausfall der bevorstehenden Wahlen und wollte sich deswegen mit Jvanicki berathen, dann aber gleich wieder abfahren.
Zahlreiche Unannehmlichkeiten und Neckereien, denen die ruthenische Geistlichkeit von feiten heißblütiger polnischer Patrioten ausgesetzt gewesen war, hatten den Haß der Parteien verschärft. So waren beispielsweise zwei unkten Priestern mit ausgesprochen chismatischen Neigungen ihre Stiefel abhanden gekommen, gerade als sie sich anziehen wollte«, um für den Reichstag ihre Stimmen abzugsben; auf diese Art sahen sie sich gezwungen, in dem Gasthause, in dem sie abgestiegen waren, zu bleiben. Einem Anderen hatte man, während er in seinem Wagen durch einen breiten Flußarm fuhr, in der Mitte des Stry die Pferde abgespannt und ihn in dieser hilflosen Lage gelassen, bis die Zeit des Wählens vorüber war.
Jetzt, da dis neuen Wahlen herankamen, handelte es sich also darum, sich geschickt gegen ähnliche Streiche zu ver- wahren.
Binia hatte auf Befehl ihrer Mutter eine Schüssel mit kaltem Geflügel, Wein und Kuchen auf ein Präsentirbrett gestellt und auch das traditionelle Osterei nicht vergessen; nachdem sie sich durch die halbgeöffnete Thür überzeugt hatte, daß die beiden Männer ganz in ihr Gespräch vertieft waren,
trat sie leise ein, setzte Alles schnell auf den Tisch und wollte sich heimlich entfernen, als sich der Seminarist plötzlich um- wandte. Sie hatte ihn noch nie bei Hellem Tageslicht ge- sehen und erschrak jetzt über den widerwärtigen Ausdruck in seinem Gesicht.
Als er sie erkannte, ging er feierlich auf sie zu und ehe sie noch seine Absicht errathen konnte, breitete er die Arme aus und küßte sie dreimal auf die Backen, wie es bet den Schismatikern am Ostertage Gebrauch ist, indem er die sacra- mentalen Worte „Christus ist auferstanden" aussprach.
Dann drehte er ihr den Rücken, ohne sich weiter um ihre Gegenwart zu kümmern, und setzte gelaffen die Unterhaltung mit dem Popen fort.
Alles Blut war Binia in's Herz zurückgetreten, sie zitterte am ganzen Körper und wurde bleich wie Wachs.
Hastig verließ sie das Zimmer; Thränen der Entrüstung stürzten ihr aus den Augen; sie war bis in ihr Innerstes gedemüthigt durch diese rohe Besitzergreifung und so wenig Erfahrung sie auch hatte, so kam ihr doch eine grauenhafte Vorahnung davon, was das eheliche Leben mit einem solchen Menschen sein mußte.
In ihrem Zimmer stellte sie das kleine Zinnbecken auf einen Holzstuhl und wusch unausgesetzt mit beiden Händen ihr Gesicht mit srischem Wasser, um jede Spur dieser verhaßten Küsse fortzuwischen. Aber sie konnte thun, was sie wollte: Während der folgenden Tage glaubte sie immer noch, auf ihren Wangen das unauslöschliche Zeichen zu fühlen, welches die eisigen Lippen des Seminaristen ihnen aufgedrückt hatten.
XII.
Jeden Abend, wenn die Hirsche und Rehe im Dickicht schliefen und nur der Ruf der Fledermaus oder das ängstliche Geschrei der Waldeule ertönte, warf Hans die Flinte über die Schulter und machte feinen Rundgang durch den Forst. Aber er schritt nicht mehr stolz gehobenen Hauptes, sorglos und lustig pfetsend wie sonst einher; er war zum Träumer geworden und wenn sein Hund einmal fröhlich zu bellen anfing, wies er ihn mit rauher Stimme zur Ruhe: „Still, Komar, still!"
Der Wald dehnte sich in ungemessene Fernen wie das grenzenlose Meer. Hundertjährige Eichen, riesenhafte Fichten erhoben sich zum Himmelsgewölbe und erfüllten die Luft mit Wohlgeruch, und unter dem Schritte de» Wanderers bog sich weiches Moos und feinblätteriges Farrnkraut.
Manchmal, wenn Hans lange umhergestreift war, ruhte er in einer Karezma aus, die nahe am Petroleumschacht gelegen und nur von Bergleuten besucht war- Das Wtrths- haus blieb bis spät in die Nacht hinein geöffnet; es wurde dort viel getrunken und häufig getanzt. Seit einiger Zeit kam oft ein Deutscher hm, ein Agent, der sich damit beschäftigte, Leute zur Auswanderung nach Südamerika anzuwerben. Er erzählte den Männern, die sich um seinen Tisch drängten, Wunderdinge von jenen fernen Gegenden und gab ihnen dann und wann etwa» zum Besten, um sie noch länger festzuhalten.
Han» setzte sich gewöhnlich abseits an einen Tisch und sprach mit Niemandem; aber die phantastischen Schilderungen de» Fremden und der Ausblick auf unbekannte Länder, deren schillerndes Bild seine geblendeten Augen und besonders sein wundes Herz verführte, hatten seine Neugier erweckt- Daher verlor er, unbemerkt von den Anwesenden, kein Wort von den Reden.
Eines Abends, nachdem die Bergleute einer nach dem anderen fortgegangen waren, wartete er sogar am Ausgang auf den Deutschen, fragte ihn angelegentlich über gewisse, dunkel gebliebene Punkte aus und ließ sich Broschüren, Formulare zu Anwerbecontracten u. s. w. geben.
Han» vermied jetzt, am Tage durch das Dorf zu gehen, oder wenn es doch fein mußte, so machte er wenigstens einen großen Umweg, um nicht am Pfarrhause vorüberzukommen. Die kleine Binia, wie er sie trotz Allem liebte! Mit welcher Zärtlichkeit er die einzelnen Silben ihres süßen Namens äus-
fprach 1 vor, roi erfüllte i sehr neti Wie sch Namen!'
Es die das Kinde de warum f ihr nichi großen, die uttet wieder ii
Jed Stry etil Popadiai Nach mitt los, in fi Kuß, bet wohl da Kuß, so ihre ganz
We> daß in j< der keusä erweckt, t gerade w
Der und seine Melodien,
Sch« Zögling n verschlossen auf stiller eigentlich des Jüng wandern«! ihn bestür er anfangs
„Wo Dies, »Die die mit v, licher Arb Bauern, 1 im Elend
„Baf legt fein, einzelner ! er mit gen einerlei, b
„Rat Dummheit wohl gern herumgeht Militärjah
„Mei zuckte bitt, habe nicht
Sein


