Ausgabe 
9.6.1896
 
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UntrrlMungsblatt ptm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

Die Magdalena des Correggio.

Erzählung nach actonmäßigen Quellen von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Die Bildergallerie mit ihrer Sammlung köstlicher Werke war doch der Stolz der sächstschen Hauptstadt und mußte darum die mit beispielloser Dreistigkeit ausgeführte Entwendung gerade dieses Glanzstückes nothwendig die aller­schmerzlichsten Empfindungen Hervorrufen.

So ließ es sich denn recht wohl erklären, wenn eine für die damaligen Verhältnisie außerordentlich hohe Summe al« Belohnung ausgesetzt wurde-

Ein Anschlag, der noch im Laufe des Tages gedruckt und während der Nacht an allen Straßenecken angeheftet worden war, gab den Bewohnern der Residenz von dem be­trübenden Ereigniß Kunde und verhieß zugleich eine Prämie von nicht weniger alsEintausend Stück Ducaten" Dem­jenigen, der die biet gestohlenen Bilder wiederbringen würde.

Voll banger Spannung sahen die zumeist betroffenen Personen vor Allem Graf Marcoltni und der treffliche Riedel dem Erfolg dieser Bekanntmachung entgegen.

In ganz Dresden aber sprach man selbstverständlich an diesem Tage von nichts Anderem, als von dem frechen Bilder­diebe und von der Magdalena des Correggio.

Pünktlich um die verabredete Stunde war der junge Goldschmied Hermann Stelzner am Orte des Stelldicheins er­schienen. Er konnte nicht fehl gehen, denn die Liebesleute trafen sich hier nicht zum ersten Mal.

Ein kleines, halboffenes Bretterhäuschen, das schon auf dem Boden des Nachbarbesitzers August Klimsch stand und von diesem vor langer Zeit zur Aufbewahrung von Arbeits- geräth errichtet worden war, bezeichnete die Stelle, wo er Christine zu erwarten hatte und nicht lange brauchte er ihrer zu harren. v ,

Von Weitem schon sah er sie leichtfüßig auf dem schmalen Wiesenpfad daherkommen, Kopf und Oberkörper zum Schutz gegen den schneidenden Wind, der noch immer in fast un­

verminderter Heftigkeit tobte, mit einem großen Tuche ver­hüllend.

Er lief ihr ein Stück entgegen und legte seinen Arm zärtlich um ihren schlanken Leib, während sie langsam Seite an Seite dem alten, hinfälligen Wetterhäuschen zuschritten. Der Sturm trieb ihnen jetzt auch ein paar große, eiskalte Regentropfen in's Gesicht und Christine sträubte sich darum nicht, als er sie aufforderte, mit ihm in den Verschlag ein­zutreten, der ihnen wenigstens einen nothdürftigen Schutz gegen die Unbilden de« Wetters gewährte.

Davon, daß ein paar scharfe Augen hinter dem Stamm einer breitästigen Linde hervor aufmerksam nach ihnen spähten und jeden ihrer Schritte beachteten, ahnten sie nichts. Auch konnten sie es nicht wahrnehmen, wie nach kurzer Weile die Gestalt eines auffallend langen und hageren Mannes hinter dem Stamme zum Vorschein kam, um sich mit dem behutsam schleichenden Gang einer Katze dem Bretterhäuschen zu nähern.

Es war ein grauköpfiger Alter in der Kleidung eines Bauern und mit einem faltigen, verwitterten Gesicht, das eher alles Andere, als eine weiche und gütige Gemüthsart zu ver- rathen schien.

Der Wind und der Regen machten ihm offenbar wenig aus, denn sein Wunsch, die Unterhaltung der Beiden in dem Bretterhäuschen zu belauschen, war so lebhaft, daß er seinet­wegen die Unbequemlichkeit bereitwillig auf sich nahm.

Sein Ohr dicht an eine der breiten Fugen zwischen den morschen Planken drückend, blieb er unbeweglich stehen, so daß ihm nicht eine Silbe von dem drinnen geführten Gespräch entgehen konnte.

Und die jungen Leute bemühten sich durchaus nicht, ihm seine Aufgabe zu erschweren. So sicher fühlten sie sich hier vor jeder Beobachtung, daß sie ihre Stimmen nicht dämpften und frei vom Herzen weg miteinander plauderten. Hermann war es, der zuerst über ein bedeutsames Ereigniß zu berichten hatte.

Weißt Du auch, Liebste, daß ich heute Mittag eine halbe Stunde und länger mit dem Wogaz gesprochen habe und daß ich wirklich nahe daran war, die günstige Gelegenheit für eine Werbung zu benutzen?"

Es wäre schlimm gewesen, wenn Du'« gethan hättest.