Ausgabe 
9.5.1896
 
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Kupferstiche und Holzschnitte zn reinige«. Da» Bild wird auf ein glatter Brett gelegt oder befestigt, dünn mit feingepulvertem Salz bestreut und Citronensaft darauf aurgedrückt, so daß durch denselben ein beträchtlicher Theil der Salzer aufgelöst wird. Dann wird dar eine Ende der Brettchens etwas emporgehoben, so daß es eine geneigte Fläche von etwa 45 Grad bildet und siedendes Wasser auf das Bild gegossen, bis Salz und Citronensaft abgewaschen sind. Das gereinigte Bild wird dann auf dem Brett langsam getrocknet, jedoch nicht am Ofen oder in der Sonne, da sonst dar Papier eine gelbliche Farbe erhält- »

Zur Behandlung der Bruten. Die Vertreibung des Ungeziefers bei der Bruthenne kann theilweise durch Be­streuen des Nestes und Einstreuung der Henne unter den Flügeln mit Mortem oder pers. Insektenpulver oder sonst einem trockenen Mittel geschehen; außerdem gebe man der Henne zu einem Bad in trockener Erde, die mit Kalkstaub vermischt ist, recht oft Gelegenheit.

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Wenn die verschiedenen kleinen Sämereien ausgesäet find, bleibt in den meisten Fällen genug übrig, um im nächsten Jahre noch damit aurkommen zu können. Damit aber der Samen seine Keimfähigkeit nicht verliert, schüttet eine praktische Hausfrau denselben in kleine Medictnfläschchen und klebt ein Stückchen weißes Papier an das Gläschen, worauf der Name zu stehen kommt. Hierauf bindet fie eine Schnur um den Hals und hängt das Fläschchen in einem kühlen, luftigen Raume auf. Verkorkt werden die Fläschchen nicht, da die Samen sonst ersticken würden.

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Die rothe Spinne, welche die Blätter der Zimmer­pflanzen mit ihrem feinen Gewebe überzieht und aussaugt, vertilgt man durch Abwaschung der Blätter mit einem in eine Echmierseifenlösung getauchten Schwamm.

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Durch wöchentliches Begießen mit warmem Wasser wird, wie mehrfache Versuche ergaben, bei Trauben, die nicht reif werden, zeitig eine vollkommene Reife derselben bezweckt.

Obstbau. Verpflanzte Bäume sind bei trockener Witterung zu begießen. Besonderes Augenmerk muß jetzt auf die Vertilgung der Raupen und sonstigen Jnsecten gerichtet werden. Unter Veredlungsstellen hervorsprossende Triebe sind zu entfernen. Da« Veredeln ist fortzusetzen. Frisch aufge­gangene Aepfel- und Birnbäume werden verfingert.

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Gartenbau. Die Beete find stets rein zu erhalten, Kohlpflanzen aller Art werden versetzt. Hauptsaatzett für Gurken, Bohnen, Kürbisse, Mais und Spätkartoffeln. Zum Winterbedarf find auszusäen: Kohlrabi, Rosenkohl, Winterkohl und Karotten. Von Erbsen, Radieschen, Sommerrettigen, Petersilie und Suppenkräutern macht man weitere Aussaaten. Erbsen find zu behacken und mit Reis zu bestecken, zu dicht aufgehende Saaten find zu verdünnen und das Unkraut aus­zujäten. Die Spargelernte beginnt jetzt. Die Erdbeerbeete find mit strohigem Miste.oder mit Lohe zu belegen, um den Boden nicht völlig austrocknen zu lassen, und damit die Früchte nicht durch Platzregen beschmutzt werden. Bis Mitte Mai begieße man Abends, später Morgens und Abends.

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Zweckmäßige Kultur der Gurke«. Zur Saat verwende man 2- bis 4 jährige Kerne; sind solche nicht vor­handen, so läßt man den einjährigen Samen in der Nähe eines warmen Ofens mehrere Wochen lang tüchtig austrocknen.

In einer warmen Lage wird womöglich von Osten nach Westen eine Grube gezogen, deren Erde so ausgeworfen wird, daß sie auf der Nordseite eine Art Schutzdamm für die Pflanzen bildet. Diese Grube wird etwa handhoch mit'ckurzem, verrotteten Mist ausgefüllt, worauf 8 cm hoch gute Erde kommt. In diese werden die Kerne ganz seicht, so daß sie kaum bedeckt sind, gesteckt. Darüber kommt dann eine 5 bis 8 cm hohe Lage Sägespähne, welche mit einer Brause ange­gossen werden. So gelegte Gurken gehen sehr zeitig und sicher auf, leiden weder durch Nässe noch durch Trockenheit und widerstehen auch der Kälte besser, als die ohne Säge­spähne ausgesäten.

VermMchtes.

Aus den Fliegenden Blättern. Im Eifer »erschnappt. Emporkömmling (zu einer noblen Tischgesell­schaft):Sie haben Recht, Frau Baronin, die Dienstboten sind gar nicht« mehr werth! Da hätten Sie mich 'mal sehen sollen wie ich noch Hausknecht war!"--In

der Buchhandlung. Bauer: «... An mein'm Advocate möcht i' schreib'», der ma' an' Proceß verlor'n hat und brauchet' i halt an' Briefsteller aber an' recht grob'«!" --Vor der Börse. A.:Na, wa« sagst Du dazu, daß die Course so beängstigend fallen?" B.:Unverschämter Mensch, wie kommen Sie dazu, zu mir Du zu sagen?" A.:Beruhigen Sie sich! Wenn die Course noch so weiter fallen, sind wir doch bald Alle mit einander perdu!" - Erschwerender Umstand. Fremder:Entschuldigen Sie gütigst, wohnt hier ein Zimmerherr »amen« Maier?" Hausherr (ein rechter Protzer):Nein! Zimmerherrn hat- bet uns net nöthig und Maier dürft' er schon gar net heißen!" Fatales Versprechen. Studiosus: Fräulein Clara, Sie sind wirklich eine Perle ihres Geschlecht«! Glücklich Derjenige, der Sie dereinst aufs Versatz . . . wollte sagen: Standesamt bringen darf!"--Der gekränkte

Dichter. Verleger:Solchen Unsinn, wie in Ihrem Manu- script, drucken wir nicht!" Autor:Na, Sie brauchen sich nicht darauf so viel einzubilden. Sie sind nicht der Erste, der es nichtdrucken will!"--Aus einer Vertheidi-

gungsrede. Vertheidiger:. . . . Und dann bitte ich, zu berücksichtigen, daß der Angeklagte zur Mitnahme des silbernen Tischbesteckes förmlich aufgefordert wurde, da die WorteZur Erinnerung" darauf gravirt waren!"--Sein Trost.

Commerzienrath (der durch einen Brand empfindliche Verluste erlitten):Nu, wenigstens hat'« doch geheißen: Beim Commerzienrath war GroßfeuerI" Gipfel der Cultur. Herr (zum Missionär!:. . . Also Sie haben die Eingeborenen schon so weit gebracht, daß einige Geschäftsleute wurden! Finden diese sich denn auch hinein!" Missionär: O, ganz gut! Unlängst hat sogar schon einer Concur» gemacht 1"

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Aus einer Schmiereneinladung. . . Zu der heutigen VorstellungDas Verbrechernest" hatten drei soeben aus dem Zuchthause entlassene Herren die Güte, die Haupt­rollen zu übernehmen, was den Abend hochinteressant ge­stalten dürfte."

Das Glück.

Das Glück ist darum nicht hienieden, Daß Dich allein es stellt zufrieden; Ost kehrt's bei Dem und Jenem ein Und will auch dort gepriesen sein. D'rum, weilt es just bei einem Andern, So freue Dich, daß es schon hier, Denn ist das Glück einmal im Wandern, So kommt es leicht auch bald zu Dir.

Satyr.

Rrdaetion: A. Gcheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen U«it>erstMs-Buch- und Stcindruckerei iPietsch 8t Kcheydaf in Gieße»,