Ausgabe 
9.1.1896
 
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- LI

wollen Sie mir, so lange ich Ihre Gastfreundschaft noch in I Anspruch nehmen muß, auch ferner treu zur Seite stehen?" Von Herzen gern, wo und wie ich nur immer kann," entgegnete Liffa lebhaft.

Gut. So versprechen Sie mir, Jeden, wer es auch sei, von mir fern zu halten versprechen Sie mir, daß keine Seele außer Ihnen sich mir nahe, gleichviel unter welchem Vorwand. Versprechen Sie mir das schwören Sie es mir es hängt mehr davon ab, als Ihre junge unschuldige Seele ahnen kann."

Ich verspreche es verspreche es feierlichstl" gelobte Liffa mit vor Erregung zitternden Lippen.

Eine halbe Stunde später schritt sie wie gewöhnlich von ihrem Hunde Leone begleitet der Dönhoff'schen Be­sitzung zu.

Sie war noch nicht weit gegangen, als Asten sie einholte und sich ihr anschloß.

Anfangs plauderte sie munter und unbefangen, wie es ihre Art war. Aber je mehr sie sich ihrem Ziele näherten, um so stiller ward sie, bis sie schließlich ganz verstummte.

Wiffen Sie, Fräulein Liffa," bemerkte Asten,daß man Ihnen Ihre Gedanken fast von der Stirne ablesen kann? Wollen Sie mir sagen, was Sie plötzlich so umgestimmt, so ernst gemacht hat?"

Leicht senkte fich des Mädchens stolzer Kopf und doch vermochte sie nicht, so kurz ihre Bekanntschaft war, ihm seine Bitte abzuschlagen.

Ich dachte an Valerie und deren Tante," Hub sie leise an,ich hatte heute Morgen einen kleinen Disput mit ihnen," ein belustigtes Lächeln glitt über Astens Gesichtdabei . . . dabei vergaß ich mich und . . . ließ mich zu häßlichen Worten hinreißen. Ach, es würde mich ganz unglücklich machen, wenn sie mir das nicht vergeffen könnten I"

Inzwischen hatten sie sich dem eisernen Gitterthore ge­nähert, in geringer Entfernung, dem Hause zu, tauchten Valerie und ihre Tante auf-

Wie Valeries Augen die zwei, vom Hellen Mond Be­schienenen daherkommen sah, krampfte ihr Herz sich bitter zusammen. Da also war er in trauter Unterhaltung mit ihr, mit dieser Liffa, während sie selbst voll Ungeduld seiner ersehnten Rückkehr harrte I

Sobald Liffa die Freundin gewahrte, kam sie lebhaft auf dieselbe zu und bat in schlichten, beredten Worten, ihr zu ver­zeihen.

Ich kann Dir nicht sagen, wie ich meine Unart von heute Morgen bereue sag', daß Du mir nicht darum böse bist. Und nicht wahr, auch Sie vergeben mir?" wandte sie sich, die Augen voll Thränen, mit bittend ausgestreckter Hand zu Frau Dönhoff.Begreife ich doch selbst nicht, wie ich mich zu solcher Heftigkeit habe hinreißen lassen."

Kleine Thörin," sagte Valerie und strich mit ihrer weißen, diamantengeschmückten Hand wie liebkosend über Liffas vor Erregung höher gerötheten Wangen,wer denkt noch daran das ist schon längst wieder vergeffen."

Darauf ließen sie sich plaudernd auf der Veranda vor dem Hause nieder; alsbald lenkte sich die Unterhaltung auf das bevorstehende Fest und als Liffa fich verabschiedete, bat man fie dringend, sich ja recht pünktlich dazu einzufinden.

VI.

Endlich war der längstersehnte Tag der Gesellschaft ge- kommen und als Liffa an das kleine Fenster ihrer Schlaf- kammer trat, sah sie mit frohklopfendem Herzen, daß der klare Himmel, die frische, reine Luft sehr vielversprechend waren schnell aber glitt eine leichte Wolke über ihr frohes Gesicht was sollte sie anziehen? Während fie sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigt, steckte der alte Velten seinen ergrauten Kopf zur Thüre herein.

Ach, Onkel Martin, weißt Du vielleicht eine Zauber- forme!, durch welche sich dieses Kattunfähnchen in ein passen- des Gesellschaftskleid verwandelt, sonst" Und mit einem halb traurigen Lächeln zuckte sie die Achseln.

Der alte Leuchtthurmwärter trat näher und betrachtete mit kritischem Auge das schon viel getragene, verwaschene Kleid.

Wie er dann den Kopf hob und Guildas verständniß- innigem Blick begegnete, händigte er derselben mit einem stummen, aber vielsagenden Wink einen Schlüssel ein. Sie nahm denselben und verließ das Zimmer.

Inzwischen wandte der alte Velten fich wieder seinem Pflegling zu.

Ich erzählte Dir ja erst gestern von dem Kleide, da» fich unter den Habseligkeiten der Fremden fand," Hub er an; ich hatte es als Dein Hochzeitskleid bestimmt weshalb aber sollst Du es nicht schon jetzt tragen? Ich habe Guilds eben geschickt, es zu holen."

Dieselbe trat wieder ei« und übergab Liffa ein großes Packet.

Mit vor Erregung zitternden Fingern löste diese die Umhüllung.

Ein leiser Ausruf des Staunens und der Freude ent­schlüpfte ihr beim Anblick dieses feinen, duftigen, seidenartigen Gewebes.

O, wie schönt Wie wunderbar schön! Eine Stunde Mühe und keine der vornehmen Damen, die ich bei Dönhoffs treffen werde, soll ahnen, daß dar Kleid nicht erst für diese Gelegenheit gemacht worden ist."

Und hier ist die Brosche, von der ich Dir sagte."

Er war eine kleine antike, zierliche goldene Brosche, rings­um von Diamanten umgeben, in der Mitte ein großer Rubin gleich einem Blutstropfen und auf der Rückseite die Worte: Ad finem.

Du hast, scheint mir, wirklich den Zauberstab gefunden, I Onkel Martin," sagte Liffa endlich,schöner konnte selbst Aschenbrödel nicht ausgestattet sein."

Die Gesellschaft im Dönhoff'schen Hause war ziemlich vollzählig, als Liffa als eine der letzten eintrat. Unwillkürlich stutzte Valerie, als ihr Auge auf der geradezu märchenhaften Erscheinung haften blieb, unwiffentlich schweifte ihr Blick zu Asten hin und von bitterem Reid ergriffen, preßte sie zornig die schmalen Lippen auseinander, als sie gewahrte, wie der junge Mann ganz in Bewunderung von Liffas reizender Er­scheinung verloren, alles Uebrige um sich herum vergaß.

Von wilder Leidenschaft erfaßt, hatte Valerie den ganzen Abend über nur einen Gedanken: die Zwei so viel al» irgend möglich fern von einander zu halten und das gelang ihr so trefflich, daß Asten Liffa für falsch, flatterhaft und wankel- müthig hielt, während diese seine auffallende Zurückhaltung schmerzlich empfand und sich wiederholt fragte:Kann ich ihm etwa« zu leide gethan haben, weshalb er mir zürnt?" Doch ihr Stolz kam ihr zu Hilfe. dachte sie,dieser vornehme Herr soll sehen, daß fein Mich-Uebersehen mich wenig kümmert."

Als die abendliche Kühle die Gesellschaft aus dem Garten in das Haus trieb, bat St. Clair die Wirthin, ihn für den übrigen Abend zu entschuldigen er fühle fich nicht wohl und wolle sich zeitig zur Ruhe begeben.

Statt dessen aber lenkte er seine Schritte dem Leuchtthurm zu. Auf der Hälfte des Weges dahin, nahe an einem dichten Gestrüpp, bemerkte er eine Frau, die den Rücken ihm zu- gekehrt, ihr Auge mit traurigem Ausdruck hinausschweifen ließ auf das weite Meer.

In offenbar traurigen Gedanken vertieft, bemerkte sie den Näherkommenden nicht eher, als bis derselbe seine schön­geformte Rechte auf ihre Schulter legte.

Martha!"

Betroffen wandte die Frau den Kopf, als sie aber St. Clairs halb lächelndem Blick begegnete, wich sie unwillkürlich ein paar Schritte vor ihm zurück.

Noch blieben ihre Lippen stumm, aber aus den tief in ihren Höhlen liegenden Augen traf ihn eine furchtbare Anklage.

Du?" stieß sie endlich mit bebenden Lippen hervor. ISo hat mich meine Ahnung nicht getäuscht! Mir war, al»