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zeigen.

V.

Quäle Dich jetzt nicht weiter mit solchen Gedanken die Sache ist vorbei lasten wir sie ruhen. Meine einzige Hoffnung ist, Kind, daß Dich das Bewußtsein, von Haus aus einer höheren gesellschaftlichen Sphäre anzugehören, al» ich sie Dir bieten kann, mit Deinem alten Onkel und Deinem be« scheidens» Leben, das Du hier führst, nicht unzuftieden macht."

Es glänzte feltfam in des alten Seemanns Augen.

Seine Worte weckten Liffa aus tiefem Sinnen. Mit dem Ausdruck zärtlichster Liebe, durch die leidenschaftliche Dankbarkeit, die sie nach dem eben Gehörten empfand, noch erhöht, sprang sie auf, schlang beide Arme um den treuen Alten und schmiegte sich mit einer Zärtlichkeit an ihn, die einen verdächtigen Schleier vor seinen Augen heraufbeschwor und er mußte all' seine Kraft und Würde als echter See» mann zu Hilfe nehmen, um sich nicht al» Schwächling zu

zu sehen, war dieselbe fort."

Fort!" wiederholte Liffa bestürzt.Wohin? Weshalb?"

Darüber sind wir uns nie klar geworden. Entweder ist sie in der Fieberhitze davongelaufen oder sie hatte aus irgend welchem Grunde nichts über ihre Persönlichkeit ver- rathen wollen. Wir fragten, wir forschten nach ihr, aber vergebens! Wir haben nie wieder von ihr gehört."

Wie sonderbar!" meinte Liffa und sah träumerisch vor sich hin.

Und Du bist, sagst Du, überzeugt, daß ich da» Kind I gewesen, nach dem sie so lebhaft sich erkundigte?" Hub sie nach längerer Pause wieder an.Weshalb glaubst Du das?"

Sie hatte eine kleine Ledertafche bei sich, die sie bei ihrer plötzlichen Flucht vermuthlich vergaß. Ich untersuchte dieselbe und . . *

Nun, was fand sich darin?" fiel Liffa ihm eifrig in'» Wort.

Nichts, was irgend welchen Aufschluß über Deine Her­kunft hätte geben können. Ich kann mir nicht anders denken, als daß dis Frau in der Aufregung und Bestürzung nach der ersten besten Handtasche gegriffen hat. Dieselbe enthielt nichts weiter, al» ein paar Kinderröckchen und ein wundervolles Spitzenkleid, das vermuthlich der Mutter des Kindes gehört hatte. Gelegentlich zeige ich es Dir einmal, das mußt Du zu Deiner Hochzeit tragen! In irgend welcher Be­ziehung mußte die Frau zu Dir stehen, denn ihre Kleider waren in Schnitt und Stoff genau wie die Deinigen. Außer­dem steckte an dem Spitzenkleid noch eine kleine Brillantbrosche, auf deren Innenseite dieselben Worte eingravirt waren, wie in dem goldenen Ringe."

Dann ist freilich kaum noch daran zu zweifeln," ver­setzte Liffa sinnend,konnte sie meine Mutter gewesen sein? Das kann ich mir kaum denken, aber was that sie dann mit dem Eigenthum meiner Mutter?"

Wer kann das wiffen," sagte Velten achselzuckend.

Hast Du mir Alles gesagt, Onkel Martin?" kam es I nach kurzer Pause von Liffas Lippen.

Noch nicht. Trotz all' meines Bemühens konnte ich nichts über Deine Herkunft erfahren, doch einen Ring, den Du an einem Bande um den Hals trugst, habe ich sorgsam bewahrt in der Hoffnung, derselbe könnte Dir dereinst helfen, zu Deinem Rechte zu kommen; denn daß Du das Kind reicher Eltern bist, unterliegt, dem feinen Gewebe Deiner Kleider nach zu urtheilen, keinem Zweifel. Einen Moment, ich will Dir den Ring holen."

Rach wenigen Augenblicken kehrte er mit demselben zurück.

Mit sehr widerstreitenden Gefühlen betrachtete Liffa den einfachen breiten Goldreif. I

Im Innern steht etwas geschrieben!" rief sie plötzlich.

Ganz recht ein altlateinischer Spruch, der, wie mir gesagt ward, so viel heißt als: Bis an's Ende jedenfalls das Losungswort Deiner Eltern."

Kurzes Schweigen dann Hub Velten von neuem an: Wenige Stunden, nachdem die Wogen Dich an's Land ge­spült hatten, wurde durch eins der Boote eine Frau gerettet, die, sobald sie geborgen war, sich nach mehreren Personen erkundigte, die sie genau beschrieb unter ihnen auch ein kleines Kind ob dieselben gerettet seien; da man meinte, das Kind, das ich ausgenommen hatte Du könntest dasselbe sein, brachte man die Frau zu mir."

Und war ich'» nicht?" fragte Liffa athemlos.

Jetzt kommt das Wunderbarste von der ganzen Ge­schichte," fuhr der alte Seemann ohne directe Antwort auf des Mädchens Frage fort.Ich hätte darauf fchwören mögen, daß Du es warst, wiewohl die Frau meinte, Du feist es nicht. Sie war indeß so matt und erschöpft von der schreck­lichen Katastrophe, daß wir uns vorläufig jeglicher Fragen enthalten mußten. Am folgenden Tage, wenn sie sich kräftiger fühlen würde, hofften wir Näheres von ihr zu erfahren. Als aber am folgenden Morgen meine Schwester in das unten im Erdgeschoß gelegene Zimmer trat, um nach der Fremden

Gegen Abend ging Liffa nach ihrer Kranken sehen-

Guilda, mit der sie überfallenden Müdigkeit kämpfend, saß halb nickend am Bett, während sich durch das kleine Fenster ein paar einzelne goldene Strahlen der untergehenden Sonne stahlen. , ,

Liffa hatte erwartet, die Kranke schlafend oder in Fieber­träumen zu finden; zu ihrer Ueberraschung aber ruhten der Fremden Augen klar und ruhig auf ihr, als ste fich derselben näherte.

Nachdem sie Guilda fortgeschickt hatte, damit dieselbe ein wenig der Ruhe pflegte,-beugte sie sich über die Kranke.

Ist Ihnen besser?" fragte ste weich.

Ich ich glaube," hauchte Jene matt.Wo wo bin ich eigentlich?" L 4 .

Bei Freunden," gab Lissa ausweichend zur Antwort, um dis Kranke durch die Wahrheit des Geschehenen nicht gleich zu erregen. t ,

Ah jetzt entsinne ich mich, daß ich an Bord de» Dampfers erkrankte. Was ist seitdem mit mir geschehen? Bin ich hier in L . . .?" L

Nein dies ist der Leuchtthurm an der H . . . er Küste," antwortete Liffa.

Der Kranken Augen nahmen einen seltsamen Ausdruck I an. Sie lag eine Weils still, den Blick halb ängstlich dem Fenster zugewendet.

Was . . . was soll ich hier in H . . .?" fragte sie mit unsicherer Stimme-Wie bin ich hierher gekommen?

Der Dampfer, auf dem Sie sich befanden, scheiterte nicht fern von dieser Küste."

E» währte eine volle Minute, bevor der Kranken farb­lose Lippen sich öffneten und fast unhörbar hauchten:Das Schicksal hat es so gewollt."

Arme Seele!" dachte Lissa.Sie fängt schon wieder an zu fiebern." Laut aber sragte sie:Haben Sie Niemand, dem Sie Nachricht von sich geben möchten? Keine Freunde, die sich um Sie sorgen? Ich ... ich mag nicht neugierig erscheinen, doch wollen Sie mir nicht sagen, wie Sie heißen?

Die Frau wandte den Kopf und sah Lissa mit fieberhaft glänzenden Augen an.

Nennen Sie mich meinetwegen bei meinem Vornamen Martha. Freunde? Nein, ich habe keine Freunde," setzte sie tonlos hinzu.

Wollen Sie Näheres über den Schiffbruch hören? Es knüpft sich eine merkwürdige Geschichte daran. Heute früh waren schon mehrere Beamte hier, um sich ganz genau über alle Einzelheiten dieser seltsamen Affaire zu informiren."

Auf der Kranken zustimmende Bewegung erzählte Liffa von dem Fremden, der sich in den Thurm geschlichen und durch sein frevelhaftes Beginnen das ganze furchtbare Unglück angestiftet hatte.

Sie find eine mitleidige, muthige Seele und gut dazu, hauchte die Kranke, als Liffa mit ihrer Erzählung zu Ende

I war;Sie sind auch gegen mich so gut, so freundlich