Ausgabe 
8.12.1896
 
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Weihnachtsbäckerei.

Französische Gcwürzpfefferkuchen. ®/< Pfund süße Mandeln, il2 Pfund bittere Mandeln, 2 Liter feine» Weizenmehl, 4,5 Pfund guten Honig, 1,75 Pfund Zucker, 8 Gramm Ziwmt, 8 Gramm Nelken, 4 Gramm Kardamom «nd etwas pulverifirten Ingwer, die abgeriebene Schale einer Cttrone und 16 Gramm gereinigte Pottasche. Die feingeriebenen Mandeln werden mit dem Mehl, den fein gestoßenen und ge» siebten Gewürzen gut vermengt. Der Honig wird mit dem Zucker gekocht und kochend in da» Wasser gegossen, dann die i« warmem Wasser aufgelöste Pottasche hinzugethan und gut umgerührt. Dann auf ein Backbrett noch so viel Mehl hinzu» gethan, bis es ein sehr ft fier Teig ist, der nicht wehr klebt. Dann runde Kuchen ausgestochen und bei gelinder Hitze etwa 20 Minuten trocknen lassen, bis sie gelbbraun sind. Es gibt etwa 150 bis 180 Stück.

Mandel-Lebkuchen. Zehn Eier werden mit einem Pfund Zucker schaumig gerührt, mit 250 Gramm gehackten, süßen Mandeln, 12 Gramm Zimmt, 6 Gramm gestoßenen Nelken, 4 Gramm Kardamom, einer halben geriebenen Mus» katnuß, der auf Zucker abgeriebenen Schale einer Citrone, 70 Gramm Citronat, 70 Gramm candirter Orangenschale, 5 Gramm Hirschhornsalz und einem Pfund feinem Mehl vermischt, die Masse auf länglich viereckige Oblotentafeln ge» strichen, mit einem Scheibchen Citronat in der Mitte belegt, mit Puderzucker bestäubt und bei mittelmäßiger Hitze gebacken.

Um Marzipanherzchen zu bereiten, verfahre man nach folgendem Recepte: Ein Pfund möglichst frische und große, süße Mandeln und 16 Gramm bittere Mandeln werden geschält, in kaltes Wasser gelegt und dieses so oft gewechselt, bi» es sich nicht mehr weißlich färbt; dann trocknet man die Mandeln ab, zerreibt sie mit zwei Löffeln Rosenwaffer zu einem feinen Teig, vermischt denselben mit einem Pfund ge» siebtem Zucker, röstet die Masse auf gelindem Feuer ab, läßt sie etwas aurkühlen, wirkt sie mit noch 250 Gramm Staub­zucker durch und rollt sie etwa */2 Zentimeter stark aus; sticht sie mit Blechformen zu kleinen Herzchen aus und schneidet dann Ränder au» dem Teig, die man auf die rings mit Rosen­wasser angefeuchteten Böven aufsetzt und mit einer Kneipscheere kraus kneipt. Schließlich bäckt man die kleinen Marzipan- Herzchen auf einem Tortenblech mit kohlenbelegten Deckeln nur einige Minuten hellgelb, überzieht sie mit Ananas-Punsch oder einer beliebigen Glasur und belegt sie dann mit eingelegten Früchten. An feinem Silberdraht oder dünnem Seidenfaden ausgehängt, bilbet biefe« Backwerk auch einen hübschen Christ­baumschmuck.

Cilrorren-Bisquits. Ein Pfund Zucker, an dem man die Schale von vier Crtronen abgerieben, wird gestoßen und 15 Eidotter sowie 3 ganze Eier dreiviertel Stunden nach einer Seite hin gerührt, worauf man den Saft der Crtronen, den steifen Schnee der 15 Eiweiß und 450 Gramm feine» Mchl zu der Masse thut, diefelbe in eine mit Butter bestrichene Form schüttet und langsam eine Stunde bäckt.

Gebackene Rose. Man macht von 300 Gramm Mehl, 100 Gramm Butter, 3 Löffeln Sahne, 3 Eidottern und 2» \ löffeln Wein einen Teig, rollt ihn messerrückendick au», und schneidet vier Blätter davon, welche in der Mitte zusammen- hängen müssen, dann schneidet man noch drei andere Stücke au», von denen jede» kleiner sein muß, bestreicht die drei größten Theile in der Mitte mit gequirltem Ei, legt sämmtliche Theile zierlich aufeinander, gleich einer Rose, die kleinsten obenauf, drückt in der Mitte etwa» zusammen, bäckt in Schmalz gelbbraun, füllt in die Mitte eingemachte» Beerenobst und streut Zucker auf.

Brrtterkriegel find ein billige» und doch pikant schmeckendes Gebäck, wenn man auf folgende Weise verfährt: 2 Kilogramm Weizenmehl werden mit l/2 Schoppen lauer

Milch, drei Eiern, etwa« Salz und 50 Gramm Hefe zu einem ziemlich festen Teig verrührt. Ist derselbe eine Stunde auf­gegangen, so zerschneidet man Ihn in zwei gleiche Theile und treibt davon runde Kuchen au». Auf den einen legt man 625 Gramm Butter in dünnen Scheiben, deckt den zweiten Kuchen darüber, rollt den Teig au», schlägt ihn zusammen, theilt ihn wieder in zwei Hälften, und macht au» den letzteren zwei lange runde Streifen, die leicht übereinander gewunden und an den Enden fest zusammengedrückt werden. Dann kW man den Kringel auf einem mit Mehl bestreuten Blech auf­gehen, bestreicht ihn mit Ei und bäckt ihn eine Stunde in gemäßigter Hitze.

OernMehtes.

Ei« Weihnachtszimmer festlich zu schmücke«. Keines der alljährlich wtederkehrenden Feste übt einen solchen Zauber mit seiner Geheimnißthueret auf Erwachsene und Kinder au» und keine» hinterläßt einen so nachhaltigen Ein­druck auf da» Gemüthsleben der Kinder al» gerade das Weih» nachtsfest, daß sie es noch in späten Jahren, wenn sie schon längst zu Jünglingen und Jungfrauen herangewachsen find, zu den schönsten Erinnerungen, die sie im Elternhause erlebt haben, rechnen. Schon aus diesem Grunde und der eigenartigen Bedeutung de» Weihnacht«festes ergibt sich die ästhetrsche For­derung einer hübschen Ausschmückung de» Weihaachtszimmerr. Der üblichste Platz für den Weihnachtrbaum bildet die Ritte des Zimmers. Und doch dürfte die» im Allgemeinen verfehlt fein schon wegen des unsicheren Hintergrundes, den er dadurch eryält. Arn besten steht er unmittelbar vor einer Wand, von welcher aber alle für gewöhnlich vorhandenen Ausschmückungen, mit Ausnahme des etwa daran befindlichen Spiegel«, zu ent­fernen find. Eine besondere Beachtung verdient her Fuß der Baumes. Derselbe wird meist durch einen Aufbau von Steinen oder Moos zu verbergen gesucht, um ihn gewissermaßen ans einem natürlichen Boden wachsen zu lassen. Wo ein großer unmittelbar auf dem Fußboden stehender Baum vorgezogen wird, bekommt derselbe einen schweren Eisenfuß in der Ge­stalt von Baumwurzeln. Wer e» sich leisten kann und seinen Kindern eine besondere Freude machen will, beziehe die Lhrist- baumständer mit Musikwerk; durch diese wird die Feier der Tages ungemein erhöht und unwillkürlich beugt man hmgertffen von den einfachen und doch so tief ergreifenden Tönen und der Weihe des Abends seine Kniee. Zur geschmackvollen Einrichtung eine» Weihnachtrzimmer» ist e« erforderlich, daß alle überflüssigen Möbel entfernt werden und dar ganze Zimmer mit Tannengrün und Blattpflanzen in Harmonie gebracht wird. Besonder» eignen sich Ranken von Epheu und Immergrün, und namentlich Zweige der Stechpalme mit ihren glänzenden, schön geformten Blättern und rothen Beeren find hier am Platze. Von lebenden Pflanzen in Töpfen sind vorzugsweise Fächerpalmen wegen ihre» wirkungsvollen Gegensatzes zur Tannenform zu empfehlen. Durch solches Pflanzengrün find auch die Trsche, welche zum Aufbau der Geschenke dienen, zu schmücken. Kronen, Lampen und Lichter verleihen dem Ganzen einen magischen Reiz, und träumend stimmt man ein in die Worte de« Liede«Stille Nacht, heilige Nacht."

Literarisches

»BeioLport«, Lahr i. ». Jllustrirte Sportzeitschrift für das gesammte Radfahrwesen, pro Quartal Mk. 1,50 bei jeder Poft- anstalt. Inhalt der Nr. 40 (32 Eliten stark): Alkohol und fahrer von Feldmann. Radfahrer-Schutzverbände von Georg »on Noris. Der Kunstsahrer Frank und seine beste Evolution. Die Wette. Eine Radfahrergeschichte von Willy Walther. Schattenseiten des Rades für Ehemänner (Illustration). Ausland. Chronik. Nachbars Leiden. Pariser Brief. Sportskladderadatsch. H«»del und Industrie. Die große Radfahrer-Akademie in Wien. Vereins- nachrichten.

Rebaction: D. Scheyda. - Druck und Derlay brr Brübl'schen IlniversttotA-Buck) - und ©trinbrncferei etf(6 SKevda) in Gießen.