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wüten," sagte er, sich mit weltmännischem Geschick nun eben* faß« in die seltsame Situatien findend.Sie wußten also wohl kaum, daß ich von der schweren Erkrankung meine« Bruders benachrichtigt wurde."

Nein, ich wußte e« nicht. Als ich die Pflegerin »er* Mafien wollte, es zu thun, stellte sich heraus, daß Niemand hier im Hause Ihren Aufenthalt kannte.

Und doch kam mir die traurige Kunde au» diesem Hause. Ein Telegramm unsere» alten treuen Bendemann «ar es, bas mich in Rom erreichte. Wäre e» nur um eine einzige Stunde später aufgegeben worden, so hätte es mich vielleicht nach Tagen ober Wochen gefunden, denn ich stand eben erst im Begriff, eine große Reise anzutreten. Natürlich hätte ich meine Ankunst vorher angezeigt, wenn mir gleichzeitig mitgetheitt worden wäre"

Gr biß sich auf die Lippn, weil ihm zum Bewußtsein kam, daß es etwa« Ungeschickliche» war, wa» et da hatte sagen wolle». Ein paar Secanden lang standen sie einander in peinlichem Schweigen gegenüber; dann nahm Margarethe wieder da« Wort.

Ich weiß nicht, ob Sie berest« Genauere« über Ihres Bruders Krankheit erfahren haben, der Diener hat von seiner Absicht, Ihnen zu telegraphiren, wie gesagt, Niemandem Mittheilung gemacht."

Werner griff in die Tasche und brachte die zerknitterte Depesche zum Vorschein.

Ihr Bruder schwer erkrankt," la« er,sofort her* kommen, da Ihre Anwesenheit unbedingt nothwendig. Da» ist Alle«, wa« ich weiß. Und wenn Sie die Güte haben wollten, mir nähere Auskunft zu geben ich ahne ja nicht einmal, von welcher Natur seine Krankheit fein kann."

Herr Eggestorf leidet an einem schweren Typhusanfall und ist seit mehreren Tagen ohne Bewußtsein."

Und e« ist e« ist also ernste Gefahr für fein Leben vorhanden?"

Margarethe senkte da« Köpfchen noch tiefer und schwieg. Ein schwerer Athemzug hob Werner» Brust. Er strich sich mit der Hand über die Stirn und starrte eine kleine Welle düster vor si ö hin.

Kann ich ihn scheu?"

Der Arzt hat auf da« Strengste »erboten, daß irgend Jemand, außer den Personen, die zu seiner Pflege nothwendig sind, da» Krankenzimmer betritt- Ob Sie von diesem Verbot nuszunehmen sind, kann nut die Schwester entscheiden, die für die Befolgung der ärzttichen Vorschriften die Berant* »ortung trägt. Wenn Sie gestatten, rufe ich sie auf der Stelle hierher."

Ohne ihm Zeit zu einer Erwiderung zu laffeu, war sie verschwunden. Kopfschüttelnd blickte ihr Werner Eggestorf nach.

Fürwahr, eine Ueberraschungl" murmelte er.So* weit also sind sie schon mit einander gewesen!"

Die Diaconissin kam, und während sie in einem von der Krankenstube ziemlich weit entfernten Zimmer dem Heim* gekehrten in ihrer sanften, gelaffenen Weise Rede stand auf feine Fragen, saß Margarethe mit zuckenden Lippen und krampfig zusammengepreßten Händen au Hermann Eggestorfs Lager und wiederholte sich ein Mal Über da» andere, daß sie jetzt nicht eine Stunde länger unter diesem Dache bleiben dürfe daß sie in ihrem namenlosen Jammer nun auch auf den schwachen, armseligen Trost Verzicht leisten müsse, den die aufopfernde Hingabe an ihre Samaritterinuenpflicht, ihr bisher gewährt hatte. Wenn er nun starb und sie brauchte ja nur einen Blick auf sein in der schrecklichen Hagerkeit nur noch edleres Antlitz zu werfen, um zu erkennen, daß er sterben würde! so würde mir nicht mehr vergönnt sein, noch einmal in seine Augen zu blicken, sie würde kein freundliches Wort, keinen zärtlichen Abschiedsdruck seiner Hand mehr erhaschen eine theilnahmlose Fremde würde ihm die letzten irdischen Dienste erweisen! Und doch war sie auf der ganzen weiten Welt die Einzige, die ein heilige» Recht dazu gehabt hätte. Denn wie sehr auch die Anderen ihm zugethan fein, wie sehr sie ihn achten, bewundern oder

stehliche» Verlangen, es ihm wenigstens ein einziges Mal zu sagen, gleichviel, ob er sie zu verstehen vermochte oder ob ihre Worte in der traurigen Leere seiner Bewußtlosigkeit ungehöct verhallten.

Lautlos glitt sie

bemitleiden mochten, sie allein war es doch, die ihn liebte, die ohne Bedenken und mit tausend Freuden ihr eigene« Leben hingegeben haben würde, um da« seine zu retten-

Nicht in einem glückseligen Wonneransch war ihr diese Erkenntniß gekommen in bitteren Schmerzen war sie ge­boren worden, und wa« ihre zuckende Seele nur erst dunkel und ungewiß empfunden, al« sie sich entschlossen hatte, um der vermeintlichen Beleidigung willen, die er ihr mit seinen Almosen" angethan, seine Nähe für immer zu fliehen, da» war ihr zur unumstößlichen Gewißheit geworden in den langen, einsamen Nachtstunden, die sie an seinem Leidensbette durchwacht hatte, in immer erneuter und immer gesteigerter Angst auf jeden feiner fieberraschen Athemzüge lauschend.

Ja, sie liebte ihn tiefer und inniger, als sie jenen Anderen in all' feiner prangenden Mannesschönheit je geliebt. Und Angesichts der grausamen Nothwendigkeit, sich nun auf ewig von ihm zu trennen, Überkam sie ein mächtiges, unwider* es ihm wenigstens ein einziges Mal zu

neben seinem Bett auf die Knies nieder, und indem sie ihren Kopf neben dem feinigen in die Kiffen drückte, flüsterte sie dicht neben feinem Ohr:

Ich liebe Dich, Hermann ich liebe nur Dich! Und wenn Du gehst, nimm mich mit Dir! Was soll ich beim hier auf Erben ohne Dich!"

Der Kranke antwortete ihr nicht, unb keine Lime »er» anberte sich in seinem bleichen, schmalen, schon ganz ver­

geistigten Gesicht. L x .

Mozart" hauchten seine Lippen unb noch einmal kaum vernehmlich:Mo zart" und wiener griffen seine Finger babei in bie Luft, wie wenn sie etwas Ent­schwindende« ängstlich festhalten wollten.

Heiße Thränen rannen über Margarethen« Antlitz, als sie sich aufrichtete. Er war hohe Zeit gewesen, denn kaum eine Minute später trat bie schwarze Gestalt der Diaconissin mit ihren unhörbaren, schwebenden Schritten wieber in da» Gemach.

Was ist Ihnen, mein liebes Fräulein?" fragte sie verwunbert,Sie meinen ? Hat sich Denn in dem Befinden unseres Patienten irgend etwas geändert?"

Margarethe schüttelte den Kopf.

Nein, Schwester aber ich habe Abschied genommen; beim jetzt, nachdem sein Bruder zurückgekehrt ist, jetzt bars ich nicht länger hier bleiben, Sie in seiner Pflege zu unter­stützen."

Vielleicht war es gerabe bie«, was ber Herr mit Ihnen zu besprechen wünschte. Er läßt Sie durch mich sehr dringend um eine ganz kurze Unterebung bitten."

Margarethe zauberte wohl, aber ihre Unentschlossenheit war nicht von langer Dauer. Als hätte bas Gestänbniß, welches sie dem Sterbenden soeben abgelegt, ihr die Kraft verliehen, Alles, auch da« Peinvollste, zu ertragen, ging sie ruhig hinaus, den Wunsch ihre» ehemaligen Verlobten zu erfüllen.

Werner Eggestorf war in dem kleinen Gemache, wo seine Unterredung mit der Diakonissin stattgefunden, ruhe* losen Schritte« auf- und nieder gegangen- Bei Margarethen« Eintritt blieb er stehen, und sagte, jeder Frage zuvorkommend, mit raschen, beinahe hastigen Worten

Verzeihen Sie mir, Fräulein Arnholdt, daß ich die Kühnheit hatte, Sie hierher zu bitten und lassen Sie mich Ihnen für Ihr Erscheinen danken. Nach Allem, wa« ich in unseliger Verblendung gegen Sie gefehlt"

Sie haben mich hoffentlich nicht rufen lassen, um davon zu sprechen," fiel sie ihm in die Rede.Ich müßte es sonst ablehnen, Ihnen weiter zuzuhören."

(Fortsetzung folgt.)